Glosse

Achtung, Weihnachtsgefahren!

julien tromeur - Fotolia

18.12.2014 (bz) – Zurzeit schwappt wieder der traditionelle Sicherheitsberatungstsunami über uns hinweg. Soll man nun zum tausendsten Mal wiederholen, dass der Tannenbaum am besten standfest zu montieren ist? Diese Frage stellt sich Sicherheits-Berater direkt - und beantwortet sie mit Ironie.

 

Idiotensicher über die Feiertage.

Jedes Jahr die gleiche Leier: Hersteller von Sicherheitsprodukten, Feuerwehren, Versicherungen u.v.m. warnen uns eindringlich und servicestark vor den drohenden Weihnachtsgefahren. Schließlich wissen sie aus erster Quelle, dass das Unfall-, Brand- und Verletzungsrisiko an Weihnachten signifikant steigt. Also tun sie das, was ihre Pflicht ist (oder was ihnen nützt): Sie überschütten uns mit Tipps und erzeugen Webseiteninhalte, deren Neuigkeitswert größtenteils gegen Null strebt. Kostproben für Tipps, auf die halbwegs vernunftbegabte Leser vermutlich gern verzichten können: "Kerzen nicht unbeaufsichtigt brennen lassen", "Streichhölzer und Feuerzeuge an einem vor Kindern sicheren Ort aufbewahren", "Benützen Sie Christbaumschnee aus Spraydosen nicht, wenn die Kerzen bereits brennen". Sicherheits-Berater direkt vermutet, dass dem, der das noch nicht weiß, auch mit dem besten Ratschlag nicht mehr zu helfen ist. Und man wird bisweilen den Eindruck nicht los, die freundlichen Tipps dienten als weitgehend recherchefrei zu produzierende Inhaltsfüller – wahlweise auch als opportune Aufhänger für die nächste Pressemitteilung. 

Für die, die sich von derartiger praktischer Lebenshilfe gelangweilt fühlen, hier ein paar alternative, aber nicht ganz ernst gemeinte Risikovermeidungstipps: 

  1. Schalten Sie den Strom in Ihrer Wohnung komplett ab. So müssen Sie sich nicht mehr um defekte Stromkabel oder fehlende Kindersicherungen für Steckdosen kümmern.
  2. Kaufen Sie sich so viele batteriegetriebene Brandmelder wie Sie im Handel kriegen können (Händler nach Mengenrabbatt fragen) und bringen Sie sie flächendeckend an allen Zimmerdecken an.
  3. Bewegen Sie sich nur kriechend durch die Wohnung. Damit vermeiden Sie die mit Abstand häufigste Ursache für Unfälle im Haushalt (Stürze).
  4. Halten Sie Fenster und Türen über die Feiertage fest verschlossen. Es sind schon viele Menschen erfroren, aber es ist noch niemand erstunken. Außerdem begrenzen Sie das Gefahrenpotenzial, das mit jedem Besucher weiter steigen würde.
  5. Verzichten Sie aufs Verschenken: Allein beim möglichen Umtauschvorgang setzt sich der Beschenkte unzähligen Zusatzgefahren aus. Kinder könnten z. B. Spielzeuggeschenke verschlucken und qualvoll verenden.
  6. Besorgen Sie sich sämtliche Verbots-, Warn-, Brandschutz-, Rettungs-, Gefahrstoff- und Fluchtwegschilder und platzieren Sie sie großzügig in Ihrer Wohnung. Tipp: Beginnen Sie mit Fluchtweg- und Notausgangsschildern zur Toilette (aber bitte nach BGV A8, ASR A 1.3, DIN 4844 sowie EN ISO 7010).
  7. Verzichten Sie wegen der unermesslichen Brand- und Verbrennungsgefahr aufs Fondue und sämtliches Feuerkochstellen-Heißer-Stein-Tralala mit Lagerfeuerromantik. Servieren Sie stattdessen fruganische Rohkost im fortgeschrittenen Reifestadium.
  8. Laden Sie Ihre Schwiegereltern wieder aus. Von denen sind nämlich jede Menge gutgemeinte, aber keinesfalls DIN-EN-geprüfte Ratschläge zu erwarten. Das ertragen Sie nicht, wenn Sie sich im Berufsalltag professionell mit Sicherheitsfragen auseinandersetzen müssen.
  9. Ziehen Sie Ihr Social-Ganzkörper-Freezing als Vorsichtsmaßnahme in Betracht und lassen Sie sich möglichst erst zu Aschermittwoch wieder auftauen (Sie ersparen sich so auch gleich die Karnevalstipps). Alternativ können Sie auch Ihre gesamten Likörvorräte austrinken. Sie werden lange und herrlich schlafen – somit eine ziemlich gefahrenlose Zeit genießen.
  10. Nehmen Sie zwischen den Jahren Urlaub. So vermeiden Sie Arbeitsunfälle. Nutzen Sie die Zeit, um die ebenfalls massenweise verbreiteten Sicherheitstipps zu Silvester zu verinnerlichen. Beispiel gefällig? "Halten Sie Fenster und Türen geschlossen."

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bz@sicherheits-berater.de (Bernd Zimmermann)