Umwelt

Artenschutz-Report 2015.

@ M.R. Swadzba - Fotolia.com

28.5.2015 (bz) – Hand aufs Herz: Juckt Sie das, wenn die Rennraubfliege oder das Bayerische Löffelkraut aussterben? Haben Sie jemals die Langflügelfledermaus vermisst? Falls nicht, haben Sie einen Grund mehr, einmal in den Artenschutz-Report 2015 zu schauen – oder den folgenden Beitrag zu lesen …

 

Es gibt keine überflüssigen Arten.

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) schlägt Alarm: Ein Drittel der bei uns in Deutschland vorkommenden Arten (Planzen und Tiere) stehen auf der roten Liste und gelten damit als in ihrem Bestand gefährdet. So steht´s im aktuellen Artenschutz-Report 2015 - und so auch die Presse landauf und landab daraus berichtet. Was bei der Berichterstattung allerdings ein wenig unterging, war die Frage "Was kümmert´s uns?“. Denn der Report beantwortet auch diese Frage. Sinngemäß heißt es da:

  • Arten sind die Grundlage unserer Ernährung und wichtige Rohstoffe. So erbringt zum Beispiel die von bestäubenden Insekten abhängige, weltweite Agrarproduktion Milliardenwerte.
  • Tiere und Pflanzen sorgen in intakten Ökösystemen unter anderem für saubere Luft und Wasser, Hochwasserschutz, Nitratabbau, Kohlenstofffixierung sowie Erosionsschutz.
  • Die Arten sind Vorbilder für technische Innovationen (Bionik). Der Lotus-Effekt (Abperlen von Tropfen auf Oberflächen) wird als anschauliches Beispiel genannt. Wäre die Lotuspflanze ausgestorben, gäbe es auch ihren Vorbildeffekt nicht.
  • Natürlich sind, so das BfN, die meisten der bekannten Arten noch nicht auf ihren unmittelbaren Nutzen für die Menschheit hin untersucht. Das Amt ist aber davon überzeugt, dass wir es mit einem unschätzbaren Potenzial zu tun haben, dass sicher noch an Bedeutung gewinnen dürfte.
  • Neben solchen "Klugheitsargumenten“ pro Artenschutz führt das BfN auch "Glücksargumente“ an. Schließlich hat ein intaktes Ökosystem mit seinem hohen Erholungswert durchaus positive Auswirkungen auf die Lebensqualität des Menschen.
  • Und natürlich lassen sich, so der Report, auch ethische Gründe anführen, die über den reinen Nutzwert für den Menschen hinausgehen. Schließlich sei es auch eine Frage der Gerechtigkeit zu verhindern, dass Arten durch das Wirken des Menschen verloren gehen und künftigen Generationen fehlen.

Vermeintlicher Widerspruch

So legitim der Verweis auf bedrohte Arten auch ist, so ausführlich geht der Report auch auf positive Tendenzen ein, die es infolge strenger gesetzlicher Schutzbestimmungen gibt: So ist der vor über 150 Jahren ausgestorbene Wolf auf natürliche Weise wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Auch die Bestandssituation von Kegelrobbe, Biber, Fischotter, Fransenfledermaus, Großes Mausohr und Wildkatze hat sich verbessert. Bei den Vögeln sind der Fischadler, der Schwarzstorch, der Seeadler und die Wiesenweihe, bei den Kriechtieren die Äskulapnatter, die Mauereidechse und die Westliche Smaragdeidechse zu nennen.

Mit Bedauern zitiert das Bundesamt für Naturschutz einen Forscher mit der Aussage, dass es kaum noch Spezialisten gebe, die Arten erforschen. Auch seien zunehmende Nachwuchsprobleme im wissenschaftlichen wie im ehrenamtlichen Bereich zu verzeichnen. Sicherheits-Berater direkt ruft deshalb dazu auf, mal wieder in die Natur zu gehen – und vielleicht auch das Interesse der Kinder an Flora und Fauna zu wecken. Die Aussicht auf die vergleichsweise größere Artenvielfalt finden Sie in Deutschlands Naturschutzgebieten. Dazu hat das BfN eine aussagekräftige Karte ins Netz gestellt, die sogar eine Suchfunktion über das Vorkommen bestimmter Vogelarten ("Natura 2000 Suche“) beinhaltet.

 

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bz@sicherheits-berater.de (Bernd Zimmermann)