Bauwerke

Warum Brücken einstürzen.

29.1.2015 (bz) – Brücken können absolut faszinierende Beispiele der Baukunst sein. Sie können aber auch zum Sicherheitsrisiko werden – wie die Geschichte der Brückeneinstürze zeigt. Warum Brücken zerstört werden oder sich selbst zerstören. 

 

Weggefegt, unterspült und eingekracht. 

Brückenbau setzt Spezialkenntnisse voraus und wird deshalb gern auch als „Königsdisziplin des Bauingenieurwesens“ bezeichnet. Die Ergebnisse dieser Kunst faszinieren sowohl hinsichtlich der verschiedenen Bautechniken als auch mit Hinblick auf die oftmals unverwechselbare Ästhetik. Als umso erschütternder erleben wir es, wenn es zu spektakulären Brückeneinstürzen kommt. Diese können, wie es auf Wikipedia richtig heißt, „verschiedene Gründe“ haben. 

Die Webenzyklopädie listet Brückeneinstürze vom 11. September 1297 bis zum 1. März 2014 auf. Die Privathomepage www.brueckenweb.de/ umfasst sogar den Zeitraum vom Jahre 1157 bis zum 19.1.2015. Sicherheits-Berater direkt hat sich beide einmal angeschaut und stellt fest: In den allermeisten Fällen dürfen Brückenbauingenieure jedenfalls ihre Hände in Unschuld waschen, wenn eine Brücke einstürzt. Denn abgesehen von Planungs- und Konstruktionsfehlern lassen sich eine ganze Reihe anderer Gründe mit katastrophalen Auswirkungen auf Brücken nennen: 

  • Militärische Ursachen (z. B. Beschuss, Sprengung)
  • Überbelastung (z. B. durch zu viele Menschen bei Großveranstaltungen, zu schwere Fahrzeuge, auch durch marschierende Soldaten)
  • Naturkatastrophen (Erdbeben, Sturm, Hochwasser, Flutkatastrophen, Eisgang, Schlammlawinen, Treibholz)
  • Brandkatastrophen
  • Schiffs- oder Zugkollisionen
  • Unterspülte Pfeiler
  • Unsachgemäße Reparatur oder Montagefehler (Einsturz beim Bau)
  • Materialermüdung, altersbedingter Zerfall, Korrosion, Wartungsfehler 

Meist werden Brücken durch äußere Einflüsse, also durch Unfälle oder Naturkatastrophen zerstört: Das Zugunglück von Eschede brachte 1998 eine Brücke zu Fall, die ohne dieses Unglück heute noch sicher stehen würde. Auch die über 100 Toten und 88 Schwerverletzten wurden Opfer eines Eisenbahnunglücks und nicht einer fehlkonstruierten Brücke. 

Die 100 Menschen, die 1813 beim Einsturz einer Münchener Steinbogenbrücke starben, kamen dagegen ums Leben, weil die Steinpfeiler aus dem Jahre 1725 im Laufe der Jahre unterspült worden waren. Immerhin 88 Jahre trug dieses Fundament. 

Der Einsturz der Tangiwai-Eisenbahnbrücke in Neuseeland 1953 geschah in Folge von Beschädigungen durch eine Schlammlawine (diese wiederum Folge eines Vulkanausbruches). Der nahende Nachtexpress konnte zwar noch die Notbremsung einleiten – dennoch stürzen fünf Personenwagen in die Tiefe. Es starben 151 Passagiere. 

Wäre die schlimmste je dokumentierte Brückenkatastrophe mit 226 Toten nicht 1850, sondern gestern geschehen, müsste man dagegen dem Brückenbauer eventuell einen Vorwurf machen: Denn einerseits darf man die Gefahr der mysteriösen Eigenschwingungen von Brücken heute als bekannt voraussetzen. Über die Hängebrücke von Angers (Frankreich) sollen die Soldaten damals schon vorsorglich nur ohne Tritt und Gesang gegangen sein. Seit 1831, so Wikipedia, war bekannt, dass Brücken durch den Gleichschritt einer Soldatenkolonne in Schwingungen versetzbar ist. Einzelheiten über die Rolle des Windes und die Eigenschwingungen von Brücken dürfte der Brückenbauer aber damals nicht besessen haben. Auch war wohl beim damaligen Stand der Technik nicht damit zu rechnen, das die Spannseile korrodieren und reißen können. Im Falle der Hängebrücke scheint jedenfalls alles zusammengekommen zu sein, wie Bernd Nebel in seiner ausführlichen Darstellung der Ereignisse und deren Folgen schreibt. 

Das Prinzip der Eigenfrequenz von Brücken wird übrigens in einem kurzen Youtube-Video ganz anschaulich erklärt (siehe auch, wenn wieder verfügbar: 12. bis 15. Minute von "Brücken am Limit", einem sehr sehenswerten 46-minütigen Film von N24). Darin sind auch Filmaufnahmen zu sehen, wie sich 1940, also lange nach Angers, die Tacoma Brücke (USA) hin und her wand, bevor sie einstürzte (deren Konstrukteur wurde von allen Vorwürfen freigesprochen, da er nichtsdestotrotz die damals gültigen Vorschriften beachtet haben soll, so Nebel). 

Vor dem Hintergrund dieser und vieler weiterer bereits dokumentierter Brückeneinstürze bleibt zu hoffen, dass die Aussage von ZEIT ONLINE nicht zutrifft: „Dobrindts Milliarde reicht nur für 78 Brücken“. Es sollen nämlich 39.000 Brücken des Bundes in sehr schlechtem Zustand sein …

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