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Sicherheitsrisiko Karneval.

29.1.2015 (bz) – Wer die Suchworte "Sicherheit" und "Karneval" googelt, erhält eine lange Liste an Risikobeschreibungen bzw. Sicherheitstipps. Man könnte z. B. bei einem Karnevalszug eine Kamelle an den Kopf geworfen bekommen. Oder ein Mohammed als Wagenfigur reizt Islamisten …

Von Kamellengefahren bis "Mir sin Charlie". 

Wie in der Weihnachts- und Neujahrszeit gibt es auch zur Karnevalszeit jede Menge Sicherheitstipps von Seiten der Presse, der Versicherungen, der Feuerwehren und Polizeien. Selbst Heimwerkerportale verbreiten ihre Sicherheitstipps. Dass übermäßiger Alkoholkonsum – im Falle des Autofahrens auch schon ein Gläschen zuviel – stets schlimme Folgen haben kann, ist ja hinlänglich bekannt. Es gibt aber auch Sicherheitsrisiken, die typischerweise nur im Karneval vorkommen: 

Nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo in Paris wird z. B. die Gestaltung der Umzugswagen unter dem Sicherheitsaspekt diskutiert. Karikaturen des Islam und des Propheten Mohammed werden laut Rundschau-online beim Rosenmontagszug in Düsseldorf nicht zu sehen sein. In Köln dagegen wird ein sogenannter "Persiflagewagen" mitfahren. Das Motiv dafür war als eines von mehreren Alternativen mehr als 170.000 Facebook-Freunden des Kölner Karnevals zur Abstimmung vorgestellt worden. Die meisten votierten für eine Wagengestaltung mit der Aussage "Mir sin Charlie", wie das Festkomitee Kölner Karneval mitteilt. Offenbar sah man hier einen Kompromiss, der einerseits die Narrenfreiheit gewährleistete, andererseits aber keine religiösen Gefühle angreift. Praktisch zeitgleich mit dem Versand dieses Beitrages kam allerdings die Meldung herein, dass das Festkomitee Kölner Karneval den Wagen zurückzieht mit folgender Begründung: "Einen Persiflagewagen, der die Freiheit und leichte Art des Karnevals einschränkt, möchten wir nicht.“

Zu den Risiken an Karneval bzw. der Möglichkeit, Schadensfälle einklagen zu können, gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Gerichtsurteilen. Rechtsanwalt Solmecke nennt z. B. folgende: Wenn eine Kamelle "mal ins Auge geht", kann man dafür niemanden haftbar machen. Damit sei eben zu rechnen, sagen deutsche Gerichte. Auch gegen zu laute Geräusche am Rosenmontag könne man sich nicht wehren. Wer dagegen in der Öffentlichkeit uriniere, weil er am Straßenrand so schnell keine geeignete Gelegenheit zur Verrichtung seiner Notdurft findet, riskiere eine Geldstrafe. 

Laut SWR-Fernsehen am 14.1.2015 überprüft eine Koblenzer Behörde nun Karnevalsartikel auf ihre Sicherheit. Dabei fahndet sie nach überhöhten Schwermetallanteilen bei Piraten-, Krankenschwester-, Teufel- oder Cowboykostümen. Andere warnen vor der leichten Entflammbarkeit von Karnevalskostümen, vor der Allergiegefahr durch Schminke, vor Weichmachern oder der Erstickungsgefahr beim Aufsetzen von Masken. Dazu hatte das NRW-Arbeitsministerium im Rahmen seiner Zuständigkeit für Produktsicherheit beim Kinderspielzeug im Jahre 2011 sogar eine Untersuchung mit erschreckenden Ergebnissen durchgeführt, z. B. "Strangulationsgefahr durch ungesicherte Schnüre und Kordeln" oder "zu laute Spielzeugpistolen mit Zündplättchen, die das Gehör eines Kindes nachhaltig schädigen können."

Karnevalsvereine müssen sich als Großveranstalter mit allen sicherheitsrelevanten Behörden (Ordnungsamt, Polizei, Feuerwehr etc.) abstimmen und Sicherheitskonzepte vorlegen. Interessant ist auch die Zusatzinfo, dass z. B. das Festkomitee Kölner Karneval im Rosenmontagszug allein über 800 Wagenbegleiter nach dem Prinzip "Pro Rad ein Wagenbegleiter" einsetzt. Und selbst die kleinsten Karnevalsvereine informieren ihre Zugteilnehmer über die Auflagen ihrer Behörden, verweisen auf die Straßenverkehrsordnung und geben Anweisungen für einen möglichst sicheren und störungsfreien Verlauf des Faschingsumzuges. Für die Teilnehmer am Umzug der oberbayerischen Schongauer Faschingsgesellschaft heißt dies z. B., 29 Auflagen einhalten zu müssen, darunter: "Die max. Zugabmessung während der Veranstaltung dürfen nach 2. Ausn.VO die gesetzlichen Grenzwerte (LxBxH = 18 x 2,55 x 4 m) nur überschreiten, wenn dafür ein Gutachten eines aaS erstellt wurde, dass keine Bedenken gegen die Verkehrssicherheit auf der Veranstaltung besteht."

Unterstützung finden können Karnevalsvereine bei Sicherheitsdiensten, die aktiv mit ihrer Karnevalskompetenz werben: "Zu unseren Dienstleistungen in der Karnevalszeit zählen vor allem die Sicherung und Kontrolle von Ein- und Ausgängen, Streifen im und außerhalb des Veranstaltungsgelände, Deeskalation von potenziellen Stressquellen und die allgemeine Sicherung der Gäste und Mitarbeiter." (Quelle: Paffen Wach- und Sicherheitsdienst). 

Da wundert es kaum, dass es Sicherheit auch als Kostüm gibt. Bei jedem Straßenkarneval finden sich Zeitgenossen, die sich, gern auch mal mit Plastikpistole bewaffnet, als SECURITY-Mitarbeiter verkleiden. Das "Kostüm Pylone" ist sogar schon ausverkauft. Und wer mag, kann sein ganz persönliches Sicherheitsbedürfnis immer noch durch Überziehen des Kostüms "Ganzkörper-Kondom" aus 100 Prozent Polyester signalisieren. 

Wie man sieht, schlummern im Karneval jede Menge zusätzlicher Risiken. Dem lässt sich behördlicherseits nur mit Verboten begegnen. Schon beklagen sich Karnevalsvereine darüber, dass sie bald nur noch mit Handkarren statt Festwagen feiern dürfen. Die Auflagen für Großveranstaltungen werden nach Desastern wie bei der Loveparade in Duisburg immer strenger und das Einhalten der Sicherheitsbestimmungen damit auch immer kostspieliger. Selbst in Kleinstädten wie Prüm müssen alle Wagen eines Karnevalsumzuges vorab von einem Sachverständigen geprüft werden. Und in Düsseldorf (ebenso in Köln) ist es verboten, Glasbehältnisse mit sich zu führen. Das legt die "Allgemeinverfügung über das Glasverbot Karneval 2015" eindeutig und sehr ausführlich so fest: "Glasbehältnisse sind alle Behältnisse, die aus Glas hergestellt sind, wie zum Beispiel Flaschen und Gläser." Der zeitliche und räumliche Geltungsbereich der Verfügung ist ebenso dezidiert beschrieben wie die angedrohte Strafe bei Zuwiderhandlung. Der Oberbürgermeister droht mit unmittelbarem Zwang "in Form der Wegnahme des mitgeführten Glasbehältnisses bzw. der mitgeführten Glasbehältnisse". 

In Bonn wurde jetzt ein besonderes Sicherheitsrisiko per Gerichtsbeschluss aus dem Verkehr gezogen. Laut EXPRESS erhielt ein gerade aus der Untersuchungshaft entlassener Jugendlicher "Karnevalsverbot". Der wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagte 18-Jährige darf nach Angaben des Blattes die Wohnung seiner Eltern in Bornheim zwischen Weiberfastnacht und Veilchendienstag nicht verlassen. 

Die weitverbreitete Auffassung, im Karneval bestehe das besonders hohe Risiko einer ungewollten Schwangerschaft, hält einer Überprüfung übrigens nicht stand. Prof. Dr. Hüther vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln verneinte jedenfalls im Deutschlandfunk einen signifikanten Geburtenanstieg neun Monate nach dem närrischen Treiben. Man habe diese These geprüft und sich die entsprechenden Geburtenraten über die Jahre angeschaut. Es sei aber nichts festzustellen gewesen. Allerdings gebe es mit der Verzögerung eines Monats, also im Dezember, einen dramatischen Anstieg der Geburtenrate. Er führte dies darauf zurück, so seine wissenschaftlich noch unbestätigte These, dass sich die Leute zunächst einmal vom Karneval erholen würden. Es sieht also ganz so aus, als diene der Karneval nur der Anbahnung – zum Vollzug kommt es offenbar dann erst später.

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bz@sicherheits-berater.de (Bernd Zimmermann)