Polizeipresse

Allerhöchster Unterhaltungswert.

26.2.2015 (bz) – Eigentlich geht es um ein ernstes Sicherheitsthema – aber bisweilen besitzen die Pressemitteilungen der Polizei einen hohen Unterhaltungswert. Da finden sich Stilblüten, Situationskomik, freiwilliger und unfreiwilliger Humor, die zum Schmunzeln reizen.

 

Wenn das Cowgirl mit dem Frosch …

Sicherheits-Berater direkt liebt Polizeimeldungen. Hut ab dafür, denn Handlungsabläufe in Worte zu fassen ist eine Kunst! Die meisten der Polizeimeldungen sind leider sprachlich absolut korrekt und professionell im nüchternen Format eines Berichts verfasst. Oder sie werden von denen, für die sie gedacht sind, nämlich Zeitungsredaktionen, glattgebügelt. "Leider“ deshalb, weil die Originalberichte, in die die schreibenden Polizeiredakteure Emotionen einfließen lassen, deutlich mehr Spaß machen zu lesen. Manchmal sind es nur die kleinen sprachlichen Ungenauigkeiten, die trotz des dargestellten Leides zum Schmunzeln anregen:

"Zahlreiche Hühner kamen ums Leben.“

würde ein Zeitungsredakteur so eher nicht schreiben. Das Polizeipräsidium Mittelfranken schon. Aus dem Polizeipräsidium Mittelhessen/Gießen kommt folgende herrliche Einleitung eines Textes:

"Wenn das Cowgirl mit dem Frosch auf Tour geht, dann ist wieder Faschingszeit.“

Immer wieder köstlich und zahlreich vertreten sind auch die Versuche der Polizei, die Bevölkerung über die Folgen ihrer Ordnungswidrigkeiten und Straftaten aufzuklären:

"Nur Narren setzen sich betrunken ans Steuer - Ohne Führerschein ist das ganze Jahr Aschermittwoch“

Unter der Überschrift "Licht und Schatten von Weiberfastnacht“ bilanzierte ein Polizeirat von der Polizei Köln:

"Mit zunehmendem Alkoholgenuss und zu vorgerückter Stunde haben viele Personen ihre natürliche Hemmschwelle verloren. Dies spiegelte sich auch in den Einsätzen wider",

Hier muss allerdings die Frage erlaubt sein, ob auch die Polizisten ihre natürliche Hemmschwelle verloren haben könnten?

Absolut korrekt und tatsachengetreu – dennoch überaus skurril formuliert die Kölner Polizei ihre Überschrift:

"Mann findet Bein einer Antilope in Kölner Park“

Dass es sich bei dem Bein um einen Teil eines Kunstwerkes handelt, erfährt der Leser erst im weiteren Verlauf des Textes.

Jederzeit bei der schreibenden Zunft von Film, Funk und Fernsehen einsteigen könnte auch der Polizist vom Polizeipräsidium Nordhessen, der eine Verfolgungsjagd wie folgt auf den Punkt bringt:

"Geflüchtet, verfolgt, gestellt“

Noch knackiger fasst die Polizei Mannheim das Nachsehen einer straffällig Gewordenen zusammen:

"Dumm gelaufen...“

Unzweifelhaft besitzen viele Polizisten Humor – anders könnten sie nicht, wie die Polizei Köln, solche Berichte schreiben:

"Über Notruf 110 wurde gegen 2.20 Uhr ein hilfloser Tiger am Rheinufer in Höhe des Tanzbrunnens gemeldet. Erwartungsvoll und mit Unterstützung der Feuerwehr näherten sich die Polizisten vorsichtig dem Einsatzort. Doch statt tierischer Laute, klang den Einsatzkräften betrunkenes Rufen entgegen. Und so klärte sich schnell die Situation. Ein als Tiger verkleideter Mann war die Böschung heruntergeklettert und kam aus eigener Kraft nicht zurück.“

Obwohl es sich bei dieser Überschrift um ein nüchternes Zitat handelt, besitzt es doch humoristische Qualität:

"Ältere Dame zugelaufen...“

Denn tatsächlich erhielt die Leitstelle der Polizei Köln einen Anruf, wonach einem "44-Jährigen vor etwa Drei Tagen eine 63-jährige Dame zugelaufen“ sei. Und weiter im Text:

"Nun sorgte sich der hilfreiche Anwohner der Subbelrather Straße, dass die Seniorin möglicherweise zuvor "irgendwo weggelaufen" sein könne.“

Im Stil eines Rallyefahrers, aber
ohne Zulassung, unterwegs:
Bildquelle und Bildunterschrift:
Pressestelle Polizei Soest 

Oftmals sind es gar nicht einmal die Stilblüten der Schreibenden, die zum Lachen reizen. Es ist vielmehr die Mischung aus skurrilen Vorfällen und dem Versuch, Handlungsabläufe in Worte zu fassen. Und auffallend oft versuchen die Schreiber, ihre Emotionen angesichts des Unglaublichen mitzutransportieren – wie hier die Polizei Soest, die die Ungewöhnlichkeit des Vorfalles gleich auch mit dem entsprechenden Bild dokumentiert:

"Am Sonntagnachmittag, gegen 14:00 Uhr, trauten die Polizeibeamten ihren Augen nicht, als sie einen Ford Fiesta auf einem Wirtschaftsweg zwischen Overhagener Weg und Stapelbreite entdeckten. Das Fahrzeug war mit einem selbst gebastelten "Kuhfänger" ausgestattet, verfügte jedoch über keine Zulassung.“

Auch diese Meldung entbehrt nicht einer gewissen Situationskomik:

Er wies hier bereits starke Unterkühlung auf und hätte die Aktion ohne die schnelle Rettung sicherlich nicht überlebt.

Dazu muss man wissen, dass sich der Gerettete eigentlich hatte umbringen wollen …

Bei allem Sinn für Humor, den die schmunzelnden und verbeamteten Polizisten zeigen – man kann darauf vertrauen, dass sie dennoch niemals ein Auge zudrücken und das Malheur entsprechend nach dem Buchstaben des Gesetzes ahnden (was aus Compliance-Sicht ja auch vorbildlich ist):

"Da er dabei auch auf öffentlichen Verkehrswegen fuhr, und das Fahrzeug nicht angemeldet war, fertigten die Polizeibeamten Anzeigen wegen Verstoßes gegen das Pflichtversicherungsgesetz und das Kraftfahrzeugsteuergesetz.“

Trotzdem zeigen sie, nicht nur wie hier im Polizeipräsidium Mittelfranken, stets Mitgefühl vor allem mit Kleinkriminellen:

"Einbrecher hatte Durst und Hunger“

Eigentlich eine traurige Sache - als Pressemeldung der Polizei bisweilen aber dennoch für Heiterkeit sorgend - sind Sexualdelikte. Berichte über die Exhibitionisten und Spanner dieser Republik reizen nämlich gerade deshalb zum Schmunzeln, weil die beschriebenen Straftaten besonders delikat sind und hier Umschreibungskünste gefragt sind. Und irgendwie atmet man als Redakteur auf, dass es immer wieder stilsicher gelingt, den Sachverhalt ohne unflätiges Vokabular in Worte zu fassen:

"Ein Mann stellte sich neben sie und zeigte sich ihr in schamverletzender Weise. Dabei suchte er Blickkontakt zu seinem Opfer.“

"Als dieser näher kam, bemerkten die beiden Frauen, dass er die Hose herunter gelassen hatte und eindeutige sexuelle Handlungen an sich vornahm.“

Bisweilen finden sich komplette Millieustudien unter den Veröffentlichungen – wie hier vom Polizeipräsidium Mannheim:

"Völlig souverän reagierte eine junge Frau am Mittwochnachmittag bei ihrem Schwimmbadbesuch. Als sie gegen 17:30 Uhr in einer Umkleidekabine stand, bemerkte sie plötzlich eine Videokamera, die unter der Trennwand zur Nachbarkabine hindurch geschoben wurde. Geistesgegenwärtig griff sie nach dieser und nahm sie an sich. Der Eigentümer der Kamera ließ es dabei aber nicht beruhen, kroch kurzerhand unter der Tür hindurch und verlangte sein Eigentum zurück. Daraufhin rief die 24-Jährige um Hilfe und der Spanner konnte durch Angestellte des Schwimmbads und weitere Badegäste bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten werden.“

Wenn man regelmäßig viele Polizeipressemeldungen liest, gewöhnt man sich irgendwann an kleinere inhaltliche Ungenauigkeiten:

"Später sahen die Fahnder den 28-Jährigen beim Aufsuchen verschiedener Lokale. Dabei schien er Ausschau nach potentiellen Geschädigten zu halten.“

Hier wollte der Schreiber ganz offenbar zum Ausdruck bringen, dass sich der Täter nach potenziellen Opfern umsah, um sie zu schädigen.

Wer nicht gerade ein Hundekenner ist, wird bei dieser Überschrift der Polizei Bremen an einen Kriminalfall à la James Bond denken:

"Jack Russel Entführung gescheitert“

Dabei handelt es sich bei Jack Russel keineswegs um einen Agenten:

"Durch umsichtige Zeugen und schnell reagierende Einsatzkräfte der Bremer Polizei konnte die Spur des Opfers verfolgt werden. Der Welpe wurde gerettet.“

Beten Sie zu Gott, dass Ihnen niemals unbemerkt ein Eimer Farbe aus Ihrem Auto herausfällt – die Folgen sind schier unüberschaubar. Und Sie könnten zudem in den Fokus der "Ermittler der Unfallfluchtgruppe der Verkehrsinspektion geraten“ beim Polizeipräsidium Nordhessen in Kassel geraten:

"Ob Fahrzeuge beschädigt sind, die direkt durch die Lache fuhren, ist bislang nicht bekannt. Daher konnte die genaue Höhe, des möglicherweise entstandenen Sachschadens, noch nicht beziffert werden. Kosten verursachten bislang in jedem Fall die Beseitigung der weißen Farbe. Die mit der Sachbearbeitung betrauten Ermittler der Unfallfluchtgruppe der Verkehrsinspektion Kassel suchen nun nach dem Verlierer des Eimers“

Wenn in Hamburg "Rotlichtkontrollen“ durchgeführt werden – an was denkt man da? An "Rotlichtverstöße“ eben, also genau an das Gegenteil, nämlich die "Missachtung des Rotlichts“ - allerdings von Ampeln.

Typisches Beamtendeutsch findet man übrigens auffallend selten. Hier zum Abschluss noch ein Schmankerl des Polizeipräsidums Mittelfranken:

"Der Festgenommene wurde zur Dienststelle gebracht und dort amtsbehandelt.“

Kontakt zur Redaktion:
bz@sicherheits-berater.de (Bernd Zimmermann)