Übersinnliches

Sicherheit von oben.

© Sicherheits-Berater / TeMedia Verlag

31.3.2015 (bz) – Schutzengel und Schutzpatrone sind der untrügliche Beweis für das allzeit vorhandene Sicherheits- und Schutzbedürfnis der Menschen. Sie decken praktisch jedes Sicherheitsrisiko ab. Grund genug, deren vermeintliche Kompetenzen einmal kurz zu würdigen.

 

Security by Schutzengel

Das Sicherheitskonzept mit dem Fachterminus "Security by obscurity“ oder "Security through obscurity“ lässt sich bei Wikipedia nachschlagen. Damit ist Sicherheit durch Obskurität (also durch das Geheimhalten der Funktionsweise von Systemen oder Verfahren) gemeint. (Noch) keinen Eintrag hat dagegen das Konzept "Security by Schutzengel“. Und doch existiert die Vorstellung davon – ebenso wie die von Schutzpartronen - seit Tausenden von Jahren.

Dabei scheint es sich um eine Universalie zu handelt. Engel und verwandte Erscheinungen, so heißt es in einer Einführung des Deutschen Schutzengelmuseums, sind "als religiöse Symbolgestalten "Gemeingut“ vieler Religionen.“ In der Bibel zum Beispiel sind Engel – sozusagen als Schutzpersonal - explizit erwähnt, wie folgendes Zitat der Erzabtei St. Martin zu Beuron zeigt: Es gibt dämonische, satanische Mächte, und es gibt auch die guten Engel, die den Menschen helfen, sie führen und beschützen. Der Glaube an die Schutzengel stützt sich vor allem auf Mt 18,10.

Nicht nur bei Versicherungen beliebt

Immerhin scheinen Schutzengel einen gewissen Placebo-Effekt zu bieten. Denn Menschen, die an Schutzengel glauben, zeigen einer Studie zufolge ein anderes Risikoverhalten: Sie sind vorsichtiger, wie der Spiegel berichtete. Ob die Studie mit ihren nur 200 Befragten repräsentativ ist, darf allerdings bezweifelt werden. Jedenfalls will die Studie herausgefunden haben, dass die Schutzengelgläubigen zu schnelles Fahren als gefährlicher einstufen als andere. Dass Versicherungen auf die Symbolkraft des Schutzengels setzen und ihn als Sympathieträger nutzen, ist da nur folgerichtig. Die Provinzial hatte kürzlich einen Schutzengel-Award ausgelobt, bei dem Schüler zwischen 14 und 18 Jahren ihre Vorstellung von einem Schutzengel künstlerisch (z. B. per Tanz, Song, Gedicht, Skulptur) dokumentieren sollten.

Schutzengel werden - auch ohne Sachkundeprüfung

Wer mag, darf sogar selbst einmal Schutzengel werden – auch ohne IHK-Nachweis: Auf www.ich-bin-dein-schutzengel.de können sich Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 16 und 24 Jahren als Schutzengel registrieren lassen. Damit erklären sie sich unter anderem dazu bereit, auch einmal einen Autoschlüssel verschwinden zu lassen, um zu verhindern, dass sich Freunde "betrunken oder anders bedröhnt hinters Steuer“ setzen. Und: "Jeder registrierte Engel bekommt einen eigenen Ausweis und Zugang zu den neuesten Informationen.“ Servicedienstleister ist hierbei jedoch nicht die katholische Kirche, sondern – der ADAC, auf dessen Initiative es diese Schutzengel gibt. Selbstverständlich nutzt auch die Kirche den Schutzengel als Sympathieträger, z. B. bei der Aktion "Für Familien in Not“ von missio. Und in Spanien gewährt die katholische Kirche laut www.heiligenlexikon.de am 2. Oktober einen Teilablass jedem Gläubigen, der folgenden Text betet:

"Engel Gottes, mein Beschützer! Dir hat Gottes Vaterliebe mich anvertraut. Erleuchte, beschütze, regiere und leite mich heute. Amen.“

Schutzpatrone für alles und jedermann

Eine ähnliche Funktion wie Schutzengel erfüllen die kirchlichen Schutzpatrone, die sich in schier unüberschaubar großer Zahl benennen lassen. Laut Wikipedia gibt es sogar "Schutzheilige für besondere Anliegen“. Schutzpatrone stehen nämlich nicht nur für ganze Kontinente, Länder (Deutschland: Michael) und Orte bereit, sondern auch für Berufe (Polizisten: Erzengel Michael und Gabriel, Sanitäter: Kamillus von Lellis) und Tätigkeiten (Autofahren: Christopherus), Bistümer, Tiere, Krankheiten und Leiden, Medien, Bevölkerungsgruppen, Päpste, Reisende und Menschen in allerlei Not und Bedrängnis.

Gut zu wissen für Brandschützer: Für Brandwunden gibt es gleich vier Schutzpatrone – Agatha von Catania, Florian von Lorch, Johannes und Laurentius von Rom. Bei Blitz- und Feuergefahren steht die Heilige Barbara nicht nur Feuerwehrleuten beratend zur Seite, sondern auch Kampfmittelbeseitigern, Pyrotechnikern, Feuerwerkern, Feuerwehrleuten und sogar Helfern des Technischen Hilfswerks (THW).

Nothelfer selbst für Sicherheits-Berater direkt

Sicherheitsverantwortliche können sich, falls sie ihren eigenen Präventivfähigkeiten nicht trauen, jederzeit gern an Judas Thaddäus und Rita von Cascia wenden. Bei Diebstahl soll Vinzenz von Valencia bei der Wiedererlangung gestohlener Sachen helfen, Gervasius soll sogar dem Diebstahl vorbeugen. Und Notfallmanager haben ihr eigenes himmliches Beraterteam: die vierzehn Nothelfer, deren Leben meist nicht auf natürliche Weise, sondern extrem qualvoll endete. Auf www.vierzehnnothelfer.de werden sie vorgestellt. Der Autor dieses Beitrages sympathisiert übrigens mit der Heiligen Katharina als Nothelferin für Sicherheits-Berater direkt. Alle anderen wollen nicht so recht passen. Jedenfalls ist sie (unter anderem) die Schutzpatronin der Gelehrten. Nicht schlecht. Sehr bedauerlich, dass sie enthauptet worden sein soll. Aber dabei stand auch ihr ein Engel bei … 

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bz@sicherheits-berater.de (Bernd Zimmermann)