Interview

Frauen in Sicherheitsberufen.

Bildquelle: VdS Schadenverhütung GmbH

29.4.2015 (bz) – Anita Kosper (40) ist Sachverständige für Brandschutz und Prüf-Ingenieurin für Brandschutzanlagen bei VdS (Vertrauen durch Sicherheit). Anlässlich des Girls' Day 2015 sprach Bernd Zimmermann (bz) mit ihr (ak) über ihren Aufgabenbereich.

 

"Wo ist denn Ihr Kollege?"

bz: Vor wenigen Tagen war Girls' Day 2015. Dabei ging es darum, den weiblichen Nachwuchs zu begeistern für Berufe, in bisher als klassische Männerberufe galten. Frauen wie Sie dienen dabei als Vorbilder, die bisweilen noch als exotisch wahrgenommen werden. Wie exotisch sind Sie?

ak: Es ist sicher richtig, dass ich in meinem Aufgabenbereich fast nur Kollegen habe. Ich selbst empfinde mich dennoch überhaupt nicht als exotisch, weil ich schon immer in der Berufswelt der Männer tätig war. Vielleicht habe ich da etwas von meinem Vater, der technischer Zeichner war, geerbt. Schon auf der Schule wählte ich den technischen Zweig, habe dann den Dipl.-Ing. in Versorgungstechnik gemacht. Danach arbeitete ich in der Planung und Bauleitung des Gewerkes Sprinklertechnik. Seit fünf Jahren bin ich Sachverständige für Brandschutz und Prüf-Ingenieurin für Brandschutzanlagen hier bei VdS.

bz: Sie sind, selten genug, zugleich Brandschützerin und Technikerin. Und von Ihnen hängt die Vergabe eines Prüfsiegels ab. Wie reagieren die Kunden auf Sie?

ak: Bei Neukunden kommt es gelegentlich schon noch vor, dass man offenbar glaubt, ich sei die Assistentin. Manchmal werde ich dann gefragt, wann denn der Kollege kommt. Aber das hat aus meiner Sicht eher Anekdotencharakter – zumal ich ja in regelmäßigen Abständen, also ein- bis zweimal im Jahr zu Prüfzwecken in den Betrieb gehe. Die Leute kennen mich dann schon und zweifeln auch nicht an meiner Kompetenz.

bz: Was prüfen Sie denn wo?

ak: Ich bin zuständig für die Prüfung von Feuerlöschanlagen, also Sprinkleranlagen, Gaslöschanlagen und Funkenlöschanlagen. In Deutschland brennt alle fünf Minuten ein Unternehmen, die volkswirtschaftlichen Schäden durch Brände summieren sich jedes Jahr auf sechs Milliarden Euro. Da wollen Betreiber natürlich auf Nummer Sicher gehen, dass die komplexen Technologien im Ernstfall auch wirklich zuverlässig funktionieren und Menschenleben sowie den ganzen Standort retten können. Hier kommen wir Prüfer von VdS, Europas größtem Institut für Brandschutz, ins Spiel. Zu den Auftraggebern gehören Unternehmen von der kleinen Mittelstandsfirma bis hin zu Konzerngröße. Manchmal prüfe ich nur die Sprinkleranlage einer kleinen Tiefgarage, ein anderes Mal bin ich für die Anlagen in großen Industriebetrieben oder auf Messegeländen zuständig.

Im Gespräch mit der Werksfeuerwehr: Dipl.-Ing. Anita Kosper vom VdS
Im Gespräch mit der Werksfeuerwehr:
Dipl-Ing. Anita Kosper von VdS
Bildquelle: VdS Schadenverhütung GmbH

bz: Wie muss man sich die Prüfung vorstellen? Eine Sprinkleranlage sollte man ja nicht unbedingt zu Testzwecken aktivieren.

ak: Das ist richtig. Es gibt bessere Methoden, die Betriebsbereitschaft von Anlagen zu prüfen. Man muss also nicht die Tiefgarage unter Wasser setzen, sondern kann die Funktionstüchtigkeit einer Sprinkleranlage auch ohne Wasser testen: Ist überhaupt genügend Wasser enthalten, stimmen alle Schieberpositionen, springt die Dieselpumpe problemlos an? Wichtig ist es z. B. auch festzustellen, ob die Alarmierung der Anlage funktioniert. Ist die 2-Melder-Abhängigkeit gegeben oder geht die Alarmierung schon los, wenn ich den ersten Melder mit Prüfgas aktiviere? Bei allen diesen Prüfungen entstehen sicher keine Schäden. Zudem checken wir ja nicht nur den ordnungsgemäßen Zustand der Technik selbst, sondern wir weisen auch das Bedienpersonal entsprechend an. Aus versicherungstechnischen Gründen sind unsere Auftraggeber gehalten, ihre Anlagen selbst zu prüfen. Wir schauen also, ob dieses Personal auch weiß, wie dieser oder jene Hebel zu bedienen ist.

bz: Wenn Ihre Kunden die Anlagen selbst schon prüfen – sind Sie da nicht eigentlich überflüssig?

ak: Bestimmt nicht. Brandschutzanlagen schützen Menschenleben und Werte in Millionenhöhe. Da Defekte in der Elektrik eine Hauptursache von Bränden sind – schon in den fast überall vorhandenen Steckdosen kann ein Großbrand entstehen, der im schlimmsten Fall ein ganzes Unternehmen vernichtet – gibt es keine einzige Branche, die von den Gefahren durch Feuer nicht betroffen ist. Ein Großbrand treibt 43 Prozent der betroffenen Unternehmen in den Ruin. Die Risikominimierung durch VdS mit unseren weit über 100 Jahren Erfahrung in Schadenverhütung ist also enorm wichtig und wird nicht nur deutschland-, sondern auch weltweit stark nachgefragt.

Antita Kospter stellt die begehrte VdS Abnahmeprüfung aus.
Bildquelle: VdS Schadenverhütung GmbH

bz: Sind Sie bisher auf spektakuläre Mängel bei Ihren Prüfungen gestoßen?

ak: Wenn wir Beobachtungen wie ausgehängte Gaslöschflaschen einmal als spektakulären Mangel bezeichnen wollen: ja. Spektakulär wäre es jedenfalls im Falle eines Brandes geworden, denn bei einem Alarm hätte keine Löschung stattfinden können. Mängel, die zu Bränden führen, müssen auch auf den ersten Blick nicht spektakulär sein. Hier gilt eher der Grundsatz "Kleine Ursache, große Wirkung". Und meine Aufgabe ist es, die kleinen Ursachen vorbeugend ausschließen.

bz: Ich danke Ihnen für dieses Gespräch, Frau Kosper.

 

Kontakt zur Interviewpartnerin via VdS (Schadenverhütung GmbH):
fscharr@vds.de (Dr. Florian Scharr)

Kontakt zur Redaktion:
bz@sicherheits-berater.de (Bernd Zimmermann)