Informationssicherheit

Der kleine, aber feine Unterschied.

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30.7.2015 (bz) - Als Sicherheitsverantwortlicher informieren Sie sich in der Sicherheitspublizistik über Fachthemen. Sind Sie eigentlich sicher, dass das, was Sie da über Sicherheit lesen, nicht in Wirklichkeit ein lupenreiner Werbetext ist, der Ihnen als "Fachbeitrag“ verkauft wird?

  

Texte zur Sicherheit gibt es solche und solche.

"Wer sagt was zu wem in welcher Absicht?“, so lautet eine der Grundsatzfragen der Kommunikationswissenschaft. Vor allem die Frage nach der Absicht ist wichtig bei der Beurteilung der Qualität von Informationen. Und sie ist noch einmal wichtiger, wenn Sie für diese Information auch noch bezahlen müssen. Das Problem: Die Frage nach der Absicht ist verdammt schwer zu beantworten. Denn: In aller Regel sieht man einem Text nicht an, wie und warum er entstanden ist. Wenn Informationen kostenlos angeboten werden, können Sie sicher sein, dass das in einer gewissen Absicht geschieht. Auch die Inhalte von Sicherheits-Berater direkt fallen nicht vom Himmel, sondern werden von einem bezahlten Redakteur verfasst (bzw. beim Beitrag 5/5 zusammengestellt). Wir nehmen da durchaus kein Blatt vor den Mund: Die Absicht ist hier, mit Sicherheits-Berater direkt den Sicherheits-Berater, also den seit 1974 in gedruckter Form erscheinenden Infodienst bekanntzumachen und für ihn zu werben. Aber für diese Werbung lassen wir Sie nicht bezahlen. (Die gleiche Situation gibt es übrigens bei nichtöffentlichen TV-Sendern: Ohne die Werbeblöcke in den Boxkampfpausen gäbe es die Boxkampfübertragung nicht). Der Deal zwischen uns und Ihnen lautet hier: kostenlose Inhalte gegen (Eigen-)Werbung. Etwas anders sieht es aus, wenn Sie für redaktionelle Inhalte bezahlen müssen, die eigentlich Werbung sind. Es ist eine weit verbreitete Unsitte, PR-Texte, die den Redaktionen als Inhalte kostenlos angeboten werden, den Lesern als redaktionelle Inhalte zu verkaufen. Beispiel gefällig?

Textbeispiel 1

Für Ihre Sicherheitsbibliothek
Renate Mayer: Kommunikation für Sicherheitsbeauftragte, Erich Schmidt Verlag 2015, 128 Seiten, 19,90 Euro, ISBN 978-3-503-15881-2

Dr. Renate Mayer wendet sich mit ihrem Buch an die rein rechnerisch vorhandenen 510.000 Sicherheitsbeauftragten in den Betrieben, die den Unternehmer und die Fachkräfte für Arbeitssicherheit ehrenamtlich unterstützen (Der Sicherheits-Berater ergänzt: Auch für Sicherheitsverantwortliche jenseits von Safety kommt das Buch als Lektüre durchaus in Frage). Die Idee der Autorin lautet sinngemäß, diesen Sicherheitsbeauftragten sprachlich und argumentativ ein wenig unter die Arme zu greifen, um ihren Auftrag auch durchsetzen zu können. Der Klappentext verspricht "Strategien für Gespräche mit beratungsresistenten Kollegen“, "Strategien für Gespräche mit Führungskräften“, "Berücksichtigung psychologischer Grundbedürfnisse der Gesprächspartner“, "Umgang mit sehr persönlichen Themen von Kollegen, z. B. psychischer Belastung“, "erfolglose Gespräche beenden, ohne selbst das Gesicht zu verlieren“ und "mit ungewöhnlichen Humorstrategien überraschen“. All das findet sich auch – allerdings vorrangig auf den Seiten 59 bis 113 – im Taschenbuch. Hier kann die Autorin mit realistischen Beispielen und Lösungsvorschlägen aus der Praxis glänzen.

Ob ein Sicherheitsbeauftragter die vorausgehenden 58 akademischen Seiten an Theorie ("Das Strukturmodell der Psychoanalyse“) wirklich braucht, bezweifelt der Sicherheits-Berater. Der Leser wird diese auf der Suche nach der versprochenen praktischen Hilfestellung schnell überblättern. Die etymologische Erklärung des Begriffes "Kommunikation“ dürfte z. B. ebenso verzichtbar sein wie die akademische, im Ergebnis triviale Vorabdefinition von Humor auf den Seiten 107 bis 110. Auch das Kapitel "Zusammenfassung und Ausblick“ verlässt den roten Faden des Ratgebers und kommt eher einer Laudatio auf die Institution Sicherheitsbeauftragter gleich.

In allen kursiv und schwarz gedruckten Textstellen des Taschenbuches werden sich Sicherheitsbeauftragte dagegen wiederfinden – hier werden Problemfälle beschrieben und praktische Lösungsvorschläge unterbreitet. Wenn nur ein einziger funktioniert, hat sich Anschaffung des Buches, respektive die Lektüre, schon gelohnt.

Textbeispiel 2

Buch-Tipp
Mit Sicherheit überzeugen

"Was willst du denn? Mir ist hier noch nie was passiert!" oder "Du hast mir doch gar nichts zu sagen!" sind markige Sätze, die man als Sicherheitsbeauftragter öfters mal zu hören bekommt. Setzen Sie auf den entscheidenden Faktor, um Aufgaben auch in kritischen Situationen ohne fachliche Kompromisse oder persönliche Reibereien zu erfüllen.

Wie Sicherheit zur Sprache kommt und man das wichtigste Werkzeug – das persönliche Gespräch – situationsgerecht einsetzt, zeigt der neue Ratgeber "Kommunikation für Sicherheitsbeauftragte“ von Renate Mayer. Sie stellt vor,

  • wie man Strategien entwickelt – für Gespräche mit Führungskräften oder beratungsresistenten Kollegen,
  • wie man Fingerspitzengefühl beweist, etwa im Umgang mit persönlichen Themen oder psychischer Belastung,
  • wie Sie erfolglose Gespräche beendet, ohne selbst das Gesicht zu verlieren,
  • welche psychologischen Grundbedürfnisse von Gesprächspartnern man berücksichtigen sollte,
  • wann Kreativität gefragt ist und man zum Beispiel mit Humor überraschen kann.

Erstmals speziell für Sicherheitsbeauftragte und unabhängig von der Branche spielt dieses Buch mit Ihnen eine Fülle typischer Szenarien im betrieblichen Kommunikationsalltag durch. Die vorgestellten Situationen und Fallbeispiele aus Trainings und Workshops mit über 2000 Sicherheitsbeauftragten.

Kommunikation für Sicherheitsbeauftragte
von Dr. Renate Mayer
2015, 128 Seiten, kartoniert, € (D) 19,90
ISBN 978 3 503 15881 2
Erich Schmidt Verlag
Bestellmöglichkeit online unter
www.ESV.info


Völlig unabhängig davon, welchen der beiden Texte Sie für hilfreicher oder interessanter halten – einer der beiden ist sein Geld definitiv nicht wert. Denn ob die Redaktion das Buch überhaupt in der Hand gehabt hat, darf bezweifelt werden: Es handelt sich dabei nachweislich um den Werbetext des Verlages, der dieses Buch auslobt. Die Rede ist vom zweiten Textbeispiel. Dieses wurde von der Redaktion einer Fachzeitschrift, die wir hier nicht anschwärzen wollen, praktisch wortgleich übernommen. Sicherheits-Berater direkt will nicht moralisieren - aber wo "Buch-Tipp“ steht, hätte "Werbung“ stehen müssen oder zumindest ein Hinweis darauf, dass man diesen Text im Original übernommen hat. Ob es sich dabei um einen Verstoß gegen § 4, Absatz 33 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb handelt, ist der betroffenen Redaktion nicht zu wünschen.

Das erste Textbeispiel stammt aus dem Sicherheits-Berater, Ausgabe 12/2015, S. 185f. – und dessen Leser können sicher sein, dass sein Autor tatsächlich in das Buch hineingesehen und sich eine Meinung gebildet hat.

Das Phänomen, das eigentlich kostenlose Werbeinhalte von Dritten in Fachzeitschriften (und nicht nur dort) ohne Kenntlichmachung ihres Werbecharakters weitergereicht werden, ist, wie gesagt, weitverbreitet. Der Sicherheits-Berater erhält täglich Angebote aus der Werbewirtschaft und von PR-Agenturen, die sogenannte "Fachbeiträge“ zum Abdruck anbieten und zum Teil recht aggressiv nachhaken, wenn die Redaktion diese wieder einmal als Werbemüll in den Papierkorb geworfen hat. Selbst in Sicherheits-Berater direkt, also unserem kostenlosen E-Mail-Infokanal, machen wir bewusst darauf aufmerksam, wenn wir Nachrichten von anderen veröffentlichen: Wir geben deshalb die Quelle an. Bestes Beispiel: Unser monatlicher Standardbeitrag unter der Überschrift "Gute Nachrichten. Schlechte Nachrichten“.

Quellenangabe in Sicherheits-Berater direkt

 

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bz@sicherheits-berater.de (Bernd Zimmermann)