Tipp

Sicherheitskompetenz schärfen mit Schach.

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30.7.2015 (bz) – Sie spielen kein Schach, halten das Spiel wie weiland Franz Beckenbauer sogar für langweilige "Klötzchenschieberei“? Schade, dann entgeht Ihnen etwas! Denn am Schachbrett könnten Sie Ihre Sicherheitskompetenz spielerisch schärfen.

 

Ein grandioses Spiel für jeden Sicherheitsverantwortlichen.

Schach spielen und verantwortungsvolle Aufgaben im Sicherheitsbereich übernehmen – so weit liegen diese beiden Tätigkeiten nicht auseinander. Bei regelmäßiger Beschäftigung mit Schach können Sie mindestens von den folgenden Lerneffekten profitieren:

1.   Sie üben sich in Kategorien von Angriff und Verteidigung.

In großen Bereichen der Unternehmenssicherheit haben Sie es mit menschlichen Angreifern zu tun – sei es mit Einbrechern, Attentätern, Spionen oder Hackern. Nicht anders ist es beim Schach: Hier sind Sie für die Sicherheit der wichtigsten Spielfigur, des Königs, verantwortlich. Jeder Zug, den Ihr Gegner ausführt, dient dazu, die Unsicherheit Ihres Königs zu vergrößern (sozusagen bis hin zu dessen Kapitulation). Also verteidigen Sie ihn. Obwohl sämtliche ausgeführten Spielzüge für beide Spieler jederzeit offen erkennbar sind, wissen Sie nie, was Ihr Gegner als nächstes vorhat. Sie müssen Ihre Figuren also extrem präventiv ziehen (es sei denn, Sie sind ein überragender Angreifer, was bei einem Anfänger kaum der Fall ist). Es gibt jede Menge berühmte Schachspieler, die für ihre Verteidigungskompetenz berüchtigt sind. Wenn denen ein aggressiver Angreifer die Verteidigungslinie des Königs zerstört, schaffen sie es, mit zwei oder drei Folgezügen, ihren König regelrecht wieder hinter einer Festung zu verschanzen. Die Spiele solcher Könner sind allesamt gut dokumentiert und lassen sich zu Trainingszwecken nachspielen.

2.   Sie entwickeln ein gutes Gefühl für Strategie und Taktik.

Wenn Sie in Ihrem Fußballverein kicken, haben Sie selten die Gelegenheit, strategische Entscheidungen zu treffen. Eine strategische Entscheidung, die den langfristigen Spielverlauf beeinflusst, wäre es z. B., sich von vornherein mit einem Unentschieden zufrieden zu geben, wenn Ihnen nur noch ein einziger Punkt zum Klassenerhalt fehlt. Diese trifft jedoch in aller Regel Ihr Trainer. Als Kicker spielen Sie allenfalls taktisch, sozusagen operativ – etwa, wenn Sie den Ball zurück zum Torwart spielen oder ihn in den Strafraum flanken. Beim Schach liegen sowohl taktische als auch strategische Entscheidungen stets in Ihrer Verantwortung. Die strategische Entscheidung, ob Sie Ihr Heil eher im Angriff oder eher in der Verteidigung suchen, treffen Sie ganz allein. Auch die Überlegung, die Spielentscheidung möglichst weit in die Endphase (beim Schach: "Endspiel“) zu verlagern, oder die, einen Zermürbungskampf zu führen, wäre strategischer Natur. Die einzelnen Spielzüge auf dem Brett sind dagegen als taktisch zu bezeichnen.

3.   Sie entwickeln die (lehrreiche) Einsicht in die Unbezwingbarkeit eines Gegners.

Die Spielstärke von Schachspielern lässt sich einigermaßen gut feststellen und mit sogenannten "Elopunkten“ beschreiben. Diese werden auf Basis von Spielergebnissen bei Turnieren berechnet. Der amtierende Weltmeister Magnus Carlsen kommt z. B. auf einen Wert von 2.358 Punkten. Am Brett hätten Sie gegen ihn, wenn alles mit rechten Dingen zugeht, als durchschnittlicher Hobbyspieler mit vielleicht 1.200 Punkten, ohne Coaches nicht die Spur einer Chance. Der putzt Sie blind vom Brett. Selbst gegen einen zehnjährigen Amateur, der regelmäßig im Schachverein spielt und vielleicht mit 1.600 Elopunkten gegen Sie antritt, haben Sie als Caféhausspieler aller Wahrscheinlichkeit nach kaum eine Chance zu gewinnen. Die Erfahrung, chancenlos gegen einen nachweislich stärkeren Gegner zu sein, kann für Sicherheitsverantwortliche ebenfalls sehr lehrreich sein: Es gibt einfach Risiken, die Sie auf sich allein gestellt niemals beherrschen können werden! Als IT-Administrator können Sie professionelle Angriffe auf Ihr Unternehmensnetzwerk kaum in Eigenregie abwehren. Als Brandschützer kennen Sie sich vielleicht mit Brandschutztüren, nicht aber mit einbruchhemmenden Türen, die zugleich auch Fluchttüren sein müssen, aus. Deshalb: Holen Sie sich externe Hilfe, wenn Sie merken, dass Sie es mit einem Gegner zu tun haben, der in einer anderen Liga spielt als Sie selbst! Sicherheits-Berater direkt kann Ihnen die von zur Mühlen´sche Sicherheitsberatung, Bonn, empfehlen.

4.   Übung des logischen Denkens

Schachspielen ist im Prinzip denkbar einfach: Sie müssen lediglich Ihre Spielzüge und die des Gegners vorausberechnen. Beim ersten Zug des Spiels haben Sie als mit weißen Steinen Spielender 20 Möglichkeiten, mit einer Figur zu ziehen. Danach geht es ziemlich schnell in astronomische Bereiche, was die Anzahl möglicher Stellungen angeht. Mit dem Auswendiglernen von Spielstellungen, mit Standardlösungen also, werden Sie schnell an Ihre Grenzen stoßen. Das heißt: Sie können den nächsten Zug dann nicht mehr aus dem Gedächtnis abrufen, sondern müssen ihn aus einer großen Anzahl von Alternativzügen als den besten auswählen. Dazu müssen Sie ihn berechnen, indem Sie permanent logische Wenn-Dann-Aussagen treffen (übrigens auch in der Philosophie ein probates Mittel zum Erkenntnisgewinn): Wenn ich diesen Bauern des Gegners hier mit meinem Pferd schlage, dann schlägt er mein Pferd mit seinem Läufer. Dadurch kann er seinen Turm nicht mehr decken und öffnet mir die linke Flanke für einen Angriff auf dessen König usw. usw. Sie trainieren also bei jedem Spiel Ihr logisches Verständnis – und ohne das können Sie eine Risikoabschätzung auf Basis von Ursache-Wirkungszusammenhängen im Sicherheitsbereich kaum leisten.

5.   Sie lernen, sich an die Fakten zu halten statt zu spekulieren.

Beim Schachspielen lernen Sie, mit den tatsächlich gegebenen Rahmenbedingungen umzugehen. Mit Wunschdenken ("Wird schon gutgehen“) , Illusionen ("Das ich einen Freibauern habe, den ich in eine viel wertvollere Dame verwandeln kann, wird er schon nicht bemerken“) oder auch Beten kommen Sie hier wie im Sicherheitsbereich nicht weiter. Sie müssen sich an die Fakten halten – andernfalls gehen Sie gnadenlos unter. Denn im Schachspiel gibt es keinerlei Glückskomponenten. Alle Fakten liegen auf dem Tisch bzw. Spielbrett. Die weißen Spielsteine besitzen die gleiche Wertigkeit wie die schwarzen. Lediglich der Spieler, der die weißen Steine führt, hat einen winzigen Vorteil dadurch, dass er beginnen darf und somit einen Zug voraus ist. Dieser Vorteil gleicht sich jedoch spätestens im zweiten Spiel nach dem Farbwechsel wieder aus. Kurzum: Schach ist gnadenlos faktisch.

6.   Sie lernen sich unter Druck zu entscheiden.

Wie bereits angedeutet, ergeben sich im Schachspiel nach jedem Zug neue Spielstellungen, die Ihnen verlockende Aktionsmöglichkeiten bieten können. Gar nicht so selten haben Sie dann die Qual der Wahl des nächsten Spielzuges (und wenn nicht, sollten Sie in Sachen Krisenmanagement Experte sein). Es gibt Situationen, über die selbst Experten stundenlang nachdenken könnten – Ihr Spiel dauert aber vielleicht vereinbarungsgemäß nur zwei Stunden. Sie können den Entscheidungsdruck noch steigern, indem Sie mit einer Schachuhr (auch als kostenlose App erhältlich) spielen, die jedem Spieler nur ein bedingtes Zeitkontingent zum Nachdenken erlaubt und ihn tüchtig unter Zugzwang setzt. Besonders beim sogenannten Blitzschach müssen Sie in Sekundenschnelle handeln. Sind Sie zu langsam und Ihre Zeit läuft ab, haben Sie – unabhängig von der Stellung – sofort verloren.

Auf den Geschmack gekommen? Auch wenn Sie die Regeln des Schachspiels noch gar nicht kennen: Schauen Sie sich doch einmal eine Analyse eines WM-Schachspiels an. Auf Youtube finden Sie davon eine ganze Reihe. Und als Sicherheitsverantwortlicher werden Sie die Dramatik des Spiels wahrscheinlich gut nachvollziehen können, wenn Sie diesen Beitrag über die letzte Schachweltmeisterschaft lesen. Die beiden besten Spieler der Welt haben dabei in einem Spiel hintereinander jeweils einen Jahrhundertfehler gemacht – etwa so, als ob Sie vergessen, den Diesel in das Notstromaggregat zu kippen und der Blackout erwischt Sie ...

 

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bz@sicherheits-berater.de (Bernd Zimmermann)