Access Management

Fingerabdruck war gestern.

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30.07.2015 (mb/bz) – Seit 2010 lassen sich Fingerabdrücke auf dem RFID-Chip des Ausweises speichern. Es handelt sich dabei um "biometrische“ Daten, die sich auch im Zugangs- und Zutrittsmanagement nutzen lassen. Und davon gibt es eine ganze Reihe mehr als nur Fingerabdrücke, wie der folgende Beitrag zeigt.

 

Jede Menge biometrische Merkmale.

Bei der Biometrie (auch: Biometrik) handelt es sich nach einer einfachen Wikipedia-Definition um die "Wissenschaft von der Messung an Lebewesen“. Diese ermöglicht die Entwicklung von Erkennungsverfahren auf Basis von körpereigenen Merkmalen oder Verhaltensweisen. Anders als ein Passwort (oder auch ein Schlüssel) kann z. B. ein Fingerabdruck nicht vergessen werden oder verloren gehen.

Biometrische Merkmale wie der Fingerabdruck tragen dazu bei, Missbrauch oder die unbefugte Weitergabe zu unterbinden. Kein Wunder, dass sich die Hersteller von Zutrittskontrollsystemen dafür interessieren. Sicherheits-Berater direkt hat einmal recherchiert, welche biometrischen Merkmale heute bereits zur Identifikation – und damit für die Entwicklung neuer Zugangs- und Zutrittsberechtigungsverfahren – diskutiert werden (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

  • DNA (Codierung der DNA)
  • Zahnabdruck (aus der Forensik lange bekannt)
  • Fingerabdruck (Fingerlinienbild, Porenstruktur)
  • Handgeometrie (Maße der Finger und der Hand(-ballen))
  • Handlinienstruktur (ähnlich der Handlesekunst)
  • Handvenenstruktur (Venenstruktur der Finger, Handinnen und –rückenfläche)
  • Nagelbettmuster (befindet sich unter dem Nagel)
  • Gesichtsgeometrie (Abstände von Auge, Mund und Nase)
  • Iris (Muster der Iris)
  • Retina (Blutgefäße des Augenhintergrunds)
  • Ohrform (Abmessung der sichtbaren Ohrbestandteile)
  • Körpergröße (Ausmessung der Körperrelationen)
  • Gangstil (Gangverhalten und –dynamik)
  • Lippenbewegung (Dimensionen und Bewegung)
  • Stimme (Extraktion von Frequenz und Phasenlage)
  • Tippverhalten auf Tastaturen (Rhythmus)
  • Unterschrift (Druckverlauf, Geschwindigkeit, Schreibpausen)
  • Herzschlag (Herzfrequenzmuster [EKG])
  • Körpergeruch (genetisch festgelegter Duftstoff)

Bei den aufgezählten Beispielen handelt es sich sowohl um statische (unveränderliche anatomische) als auch um dynamische (verhaltensbedingte, nur sehr schwer änderbare) Merkmale. Ganz gleich, welche biometrischen Merkmale bei Techniken der Zugangskontrolle verwendet werden: Eine Falschakzeptanzrate, abgekürzt FAR, mit dem Wert 0 (also 100-prozentige Sicherheit) gibt es noch nicht – auch nicht beim unverwechselbaren und einzigartigen Fingerabdruck! Das heißt, es besteht rein rechnerisch immer das Risiko, dass unberechtigte Personen nach Kontrolle ihrer biometrischen Merkmale dennoch Zutritt oder Zugang erhalten.

Achten Sie daher auf die Angaben des Herstellers, wenn Sie Sicherheitstechnik für die Zugangskontrolle anschaffen. Hier gibt es große Unterschiede: Je kleiner die FAR, desto sicherer ist das Kontrollsystem – so lautet eine Faustformel. Und auch mit der sogenannten Falschrückweisungsrate, abgekürzt FRR, müssen Sie stets rechnen! D. h., es kann auch dazu kommen, dass eine berechtigte Person keinen Zutritt erhält. Beide Fehlerraten laufen einander entgegen. Je genauer (kleiner) die FAR ausfallen soll, desto höher liegt die FRR. Also wird stets ein ausgewogenes Verhältnis der Fehlerraten angestrebt. Denn, was nützt es Ihnen, wenn aufgrund einer FAR gegen 0 alle Mitarbeiter nicht oder erst beim 5. Versuch Einlass erhalten.

Über die Fälschungssicherheit haben wir bei diesen Betrachtungen noch gar nicht gesprochen. Das perfekte System befindet sich also offenbar noch nicht auf dem Markt – aber es bleibt weiter spannend, die Entwicklung auf dem Gebiet der Biometrie zu beobachten.

 

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bz@sicherheits-berater.de (Bernd Zimmermann)