Statement

Trugschluss Preisargument.

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3.9.2015 (bz) – Am Preis zu sparen kann sich rächen. Dies gilt auch und vor allem im Sicherheitsbereich. Sicherheits-Berater direkt fallen dazu spontan ausgesuchte Beispiele ein – als Warnung an alle jene, die Geiz für geil halten.

 

Sicherheit geht eben nicht "für lau".

Geld fällt nicht vom Himmel, sondern will erwirtschaftet werden. Deshalb sind Preisargumente für die, die auf den Preis zu achten haben und in betriebswirtschaftlicher Verantwortung stehen, natürlich schlagende Argumente. Dennoch darf das nicht dazu führen, das Ersparnisse auf Kosten der Sicherheit gehen. Denn die Kosten für Unsicherheit können die Kosten für Sicherheit schnell um ein Vielfaches übersteigen. Sicherheits-Berater direkt nennt vier Beispiele:

 

Beispiel 1: Vermeintlich preiswertere Technik.

Am 15. September erscheint Heft 18 des Sicherheits-Berater. Darin findet sich ein kritischer Beitrag über die Tendenz, ERP-Systeme (Enterprise Ressource Planning), wie sie in größeren Unternehmen üblicherweise zum Einsatz kommen, in die Cloud auszulagern. Dies soll dem Geldsparen dienen. Im Beitrag finden sich  ein Dutzend Hinweise, warum Unternehmen sich das gut überlegen sollten. Denn wer sich auf das Risiko Cloud einlässt, muss nicht nur den Verlust von Unternehmenssicherheit fürchten – er könnte am Ende sogar in barer Münze draufzahlen. So verweist der Autor u. a. nicht nur auf die Beobachtung, dass es bisweilen bei solchen Cloudauslagerungen von ERP-Software im Laufe der Zeit zu Preisanpassungen kommt – und zwar nach oben, "wenn der Kunde unfähig geworden ist, die Arbeit selbst zu machen“. Er legt auch den Finger in die Wunde der versteckten Kosten, z. B. bei den Kosten für Anpassungen am ERP-System selbst.

 

Beispiel 2: "Billig ≠ wirtschaftlich“.

Der Sicherheits-Berater hat schon mehrmals darauf hingewiesen, dass es im Rahmen von Ausschreibungen von Sicherheitsdienstleistungen oftmals zu Missverständnissen kommt. So glauben viele Ausschreibungsverantwortliche, sie müssten in jedem Fall immer dem billigsten Bieter den Zuschlag erteilen. Dies ist jedoch ein Trugschluss, wie der Sicherheits-Berater schon 2014 (Aufmacher von Heft 8) erläuterte:

Das Vergaberecht ist eindeutig: Es ist dem Angebot der Zuschlag zu erteilen, das unter Berücksichtigung aller Umstände das wirtschaftlichste ist. Man muss schon unter einem gewissen Realitätsverlust leiden, um zu glauben, dass das ausschließliche Vergabekriterium "niedrigster Preis" im Bereich der Bundeswehr angemessen ist und zu einer qualitativ hochwertigen Bewachung sensibler Liegenschaften führt.

In dem Beitrag, der Bezug nahm auf den Diebstahl von 33.000 Patronen aus einer Bundeswehrkaserne, konstatierte der Sicherheits-Berater unter der Überschrift "Billig ≠ wirtschaftlich“ sogar eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit in erheblichem Maße.

 

Beispiel 3: Weiterbildung im Sinne eines Herstellers

Learning by doing ist eine feine Sache – aber wer sich als Sicherheitsfachkraft qualifiziert weiterbilden will, besucht Fortbildungsveranstaltungen. Bei der Auswahl bietet sich dem Interessenten mittlerweile die Qual der Wahl, denn Fortbildungsanbieter schießen wie Pilze aus dem Boden. Aber Achtung: Hinter manch einem wohlklingenden Instituts- oder Akademienamen steckt die Marketingabteilung eines Herstellers (oder einer Firmenkooperation), der unverhohlen für seine Produkte wirbt. Und da es sich bei den Referenten nicht um unabhängige Fachleute handelt, die nicht zum Nulltarif zu haben sind, lässt sich beim Preis kräftig sparen. Da werden dann z. B. Tagesseminare "Rechenzentren sicher planen“ zum Preis von nur knapp über 200 Euro inkl. Bewirtung angeboten.

Sicherheits-Berater direkt hat sich einmal die Ausgabenrechnung der SIMEDIA aus Bonn angesehen. Diese hat sich seit Jahren einen Ruf als unabhängige Fortbildungsveranstalterin erworben: Hier machen Referentenhonorare mit fast 50 Prozent den größten Kostenanteil aus. Marcus Nebel von der SIMEDIA: "An dieser Stellschraube lässt sich auch nicht mehr drehen, wenn man wirklich qualifizierte und vor allem herstellerneutrale Referenten akquirieren will.“ Ein Tagesseminar für 200 Euro, so Nebel, sei im Prinzip nur möglich, wenn die Referenten bereits auf der Gehaltsliste der Veranstalter stünden. Als unabhängiger Anbieter könne man solche Preise gar nicht anbieten: "Pro Seminarteilnehmer müssen Sie im Schnitt bereits mit 100 Euro Tagungskosten pro Teilnehmer und Tag rechnen. Das sind also Kosten, die Ihnen schon das Tagungshotel in Rechnung stellt für Kaffeepausen, Mittagessen, Sitzplatz usw.“

Zurück zum Thema Sparen: Wer sich von Herstellern zu Fortbildungszwecken für wenig Geld einladen lässt, muss wissen, dass er sich als Sicherheitsverantwortlicher um Handlungsalternativen bringt. Denn welcher Referent wird schon auf die Vorzüge von Konkurrenzprodukten verweisen, mit denen sich unter Umständen ebenfalls viel Geld sparen ließe?

 

Beispiel 4: Werbe- und PR-Texte statt journalistischer Information

In journalistischen Fachkreisen wird zurzeit eine folgenschwere Entwicklung diskutiert: PR-Inhalte werden von immer mehr Redaktionen als Informationsquellen akzeptiert. Dabei prüfen die Redakteure kaum noch die Informationsquellen und die Qualität der Inhalte. Dies gilt auch und vor allem im Bereich der Sicherheitspublizistik. Kennen Sie – außer dem Sicherheits-Berater - noch eine Informationsquelle, die wirklich unabhängig berichtet und nicht auf Anzeigenakquise nach dem Motto (Du schaltest die Anzeige, wir tarnen Deinen Werbetext im Gegenzug als "Fachbeitrag“) verzichten kann? Im letzten Sicherheits-Berater direkt hatten wir ein konkretes Beispiel dafür benannt, wie lupenreine Werbetexte als redaktionelle Leistung verkauft werden.

Für Sie als Leser ist das auf den ersten Blick natürlich sehr preiswert – denn wenn Redaktionen nicht mehr recherchieren oder Texte bearbeiten oder schreiben müssen, sondern frei Haus von Werbungtreibenden geliefert bekommen, können sie viele Inhalte, meist im Netz, kostenlos anbieten. Aber Sie können sicher sein, dass Sie, wenn Sie kostenlose Sicherheitsnachrichten lesen, so oder so dafür bezahlen. Denn entweder zahlen Sie mit Ihren Daten, wenn Sie sich z. B. für einen Newsletter anmelden (bei Sicherheits-Berater direkt übrigens nur mit Name und Mailanschrift – viele andere fragen detailliert nach Firmenmerkmalen). Oder aber Ihnen werden Informationen aus der Feder von Herstellern als "Fachbeiträge“ untergejubelt, die tatsächlich lupenreine Werbe- oder PR-Texte sind.

Ehrlicherweise bleibt zu ergänzen, dass auch der kostenlose  Sicherheits-Berater direkt ein Werbeziel verfolgt: Wir wollen damit auf den gedruckten Sicherheits-Berater aufmerksam machen. Und der ist, eben weil er unabhängig berichtet, heute wertvoller als je zuvor für Sicherheitsverantwortliche … 

 

Kontakt zur Redaktion:
bz@sicherheits-berater.de (Bernd Zimmermann)