Kriminalität

Love-Scamming ohne Gegenwehr.

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3.9.2015 (bz/mb) – Vorschussbetrügereien müssen hinterhältig sein, um funktionieren zu können. Besonders perfide ist Love-Scamming, das die besondere Emotionslage potenzieller Opfer schamlos ausnutzt. Da ist eine Gegenwehr praktisch nur noch mit viel Glück möglich.

 

Verliebt, verlobt, Vorschussbetrug.

Was früher noch ziemlich allgemeinverständlich als "Heiratsschwindel“ bezeichnet wurde, macht heute unter dem Begriff "Love-Scamming“ (auch: "Romance-Scamming) die Runde. Die Rede ist von einer Spielart des sogenannten,  kriminologisch korrekt bezeichneten, "Vorschussbetruges“. Dabei verspricht ein Täter seinem Opfer das Blaue vom Himmel und lockt in aller Regel mit der Aussicht auf leicht verdientes Geld. Um in den Genuss der Verheißung zu kommen, muss das Opfer jedoch zunächst einmal in Vorlage treten. Für Vorschussbetrügereien, die mit Hilfe des Internets stattfinden, setzt sich mehr und mehr der Begriff "Scam“ durch.

Als besonders perfide Methode des Vorschussbetrugs findet das "Love-Scamming“ auf Online-Partnerbörsen oder in sozialen Netzwerken Verbreitung. Scam-Männer oder Scam-Frauen sprechen darin partnersuchende Menschen an und vermitteln diesen Opfern das Gefühl, sich in diese verliebt zu haben. Sie locken also nicht mit der Aussicht auf Geld, sondern bieten sozusagen emotionale Naturalien an. Sobald dies auf Gegenliebe stößt, starten sie den Versuch des Vorschussbetruges und fordern Geld, z. B. laut Wikipedia:

  • "für das Internetcafé, weil der Betrüger sonst den Kontakt nicht aufrechterhalten könne
  • für die Realisierung eines Treffens, z. B. einen Vorschuss für Flugticket, Visumsgebühren, BTA (Basic Travel Allowance), Pass
  • für einen (angeblichen) Krankenhausaufenthalt des Betrügers
  • für Kosten, die nach einer (angeblichen) Festnahme des Betrügers in einem anderen Land entstanden seien
  • als Hilfestellung nach einem (angeblichen) Überfall bei einer Geschäftsreise in einem anderen Land. 'Bitte um einen Gefallen, da alles gestohlen wurde.'“

Wie ist es möglich, dass immer wieder Menschen darauf hineinfallen (In Deutschland soll es laut fr-online  bereits 8.000 Opfer geben)? Ein erster küchenpsychologischer Erklärungsversuch lautet: Da Liebe bekanntlich blind macht, sind die Opfer besonders leichtgläubig und bereit, Vorschussvertrauen in unangemessener Höhe aufzubringen. Gegenwehr findet unter diesen Bedingungen dann nicht mehr statt.

Die Polizei erklärt den Erfolg von Love-Scammern in einer Aufklärungsschrift wie folgt:

"Sowohl Scam-Männer als auch Scam-Frauen schaffen es, sich im täglichen Leben ihrer Opfer unverzichtbar zu machen – und zwar ohne ein einziges Treffen. Auf eine romantische Mail am Morgen folgt ein kurzes Telefonat am Mittag, nach Feierabend wird gechattet oder stundenlang telefoniert.“

Vor diesem Hintergrund erscheint die Liste der Muster, an denen sich Scammer erkennen lassen, und der möglichen Gegenmaßnahmen beinahe hilflos. Es sieht eher danach aus, dass vor Liebesglück trunkene Betroffene den tätigen Beistand ihrer Umwelt benötigen. Leider werden jedoch Fälle wie der in der Polizeipresse beschriebene Fall einer Paderborner Seniorin die Ausnahme bleiben: Hier griff ein aufmerksamer Betreiber eines Internetcafés ein und schützte die 80-Jährige davor, mehrere Tausend Euro nach Nigeria zu schicken – an jemanden, der es verstand "Süßholz zu rapseln“. Schließlich lassen sich die potenziellen Opfer bei ihrer Online-Partnersuche im Normalfall kaum über die Schulter schauen ... 

 

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