Sicherheitsrisiko

Außerirdisches Bedrohungsszenario.

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3.11.2015 (bz) – Wenn es Aliens gibt, dann sollten wir ihnen aus dem Weg gehen. Das sagt kein Geringerer als Stephan Hawking. Sicherheits-Berater direkt versucht, sich dem Risiko Aliens zu nähern.

 

 

Freund, Feind oder Hirngespinst?

Am 22. Oktober brachte die altehrwürdige Tagesschau eine Meldung, die Ufo- und Alienfans wie Skeptiker gleichermaßen aufhorchen ließ: Tief im Weltall soll ein Phänomen entdeckt worden sein, das womöglich auf die Existenz einer außerirdischen intelligenten Zivilisation hinweise. Der Beitrag war plakativ aufgemacht mit dem (erfundenen) Foto von zwei weit aufgerissenen Augen eines Aliens. Er spekulierte über die Ursache von seltsamen Verdunkelungen rund um "Tabbys Stern". Am Ende des Beitrages dann relativ kleinlaut die Einschränkung, dass das Phänomen vielleicht doch anders zu erklären sei als durch den Einfluss intelligenter Außerirdischer.

Unabhängig von einem Nachweis der Existenz Außerirdischer äußerte sich bereits im Jahr 2010 Stephen Hawking, einer der größten Denker und Wissenschaftler unserer Zeit, zum Thema Außerirdische. In einem Interview  mit der spanischen Zeitung El Pais  wiederholte er kürzlich noch einmal, der Besuch von Aliens könnte für die Menschheit ähnliche Folgen haben wie der Besuch Columbus´ für die amerikanischen Ureinwohner. Er sprach sich daher gegen den Versuch aus, weiterhin aktiv mit Außerirdischen in Kontakt zu kommen, also gezielt Botschaften ins All zu schicken, um sie auf uns aufmerksam zu machen. Derartiges ist jedoch bereits 1974 mit der sogenannten Arecibo-Botschaft geschehen. Damals wurde ein spezielles Radiowellensignal von einem Radioteleskop ins All gesandt. Die Ablehnung solcher Aktivitäten hält Hawking jedoch nicht davon ab, im Rahmen eines 100 Millionen Dollar Projektes nach Außerirdischen zu suchen. Er ist nämlich von deren Existenz überzeugt und begründet das mit seinem mathematischen Sachverstand. Mit seinem Projekt unterstützt er also SETI (Search for Extraterrestrial Intelligence), eine Suche, die schon seit den Sechziger Jahren betrieben wird.

Mit der Annahme außerirdischer Existenzen ist Hawking nicht allein. Seit den griechischen Philosophen gibt es Stimmen, die es für logisch halten, dass es irgendwo im All noch Außerirdische geben muss. Im 16. Jahrhundert war es zum Beispiel der Astronom und Philosoph Giordano Bruno, der von der unendlichen Größe der Welt ausging und somit auch unterstellte, dass es dort unendlich viele Lebewesen geben müsse. Und kürzlich wurden die Ergebnisse einer Umfrage 2015 der YouGov Deutschland AG, die Online-Marktforschung betreibt,  veröffentlicht. Demnach glauben 56 Prozent aller Deutschen, dass es intelligentes außerirdisches Leben gibt. 59 Prozent waren allerdings der Meinung, dass Aliens zu weit entfernt sein müssen, um uns kontaktieren zu können. 22 Prozent dagegen gehen davon aus, dass sie uns schon längst kontaktiert oder sogar besucht hätten. Kurzum, es gibt eigentlich – abgesehen von tief religiösen Kreisen, die allein die Erde als belebt ansehen - kaum noch Zweifel an der Existenz Außerirdischer.

Hunderttausende Menschen sind sogar davon überzeugt, selbst Augenzeugen geworden zu sein. Jedenfalls gibt es zahlreiche vermeintliche Ufosichtungen. Erich von Däniken wurde gar mit der Behauptung, Außerirdische hätten sich bereits auf der Erde aufgehalten, zum Bestsellerautor (über 60 Millionen verkaufte Bücher). Nüchtern betrachtet sind allerdings erhebliche Zweifel angebracht. Denn Ufosichtungen lassen sich auf ganz natürliche Weise deuten. Der bekannte Wissenschaftler Prof. Harald Lesch nennt in der BR-Sendung alpha-Centauri ein paar plausible Gründe: So sei es zum Beispiel erstaunlich, dass solche Ufosichtungen im Mittleren Westen der USA gehäuft vorkommen. Oder dass die Aliens auffallend oft so beschrieben werden, wie sie zuvor in Kinofilmen dargestellt worden waren. Oder dass sie vermeintlich entführte Menschen vergleichsweise stümperhaft operierten, und, und, und. Kurzum: Alle diese Ufosichtungen lassen sich auf ganz natürliche und alltägliche Ursachen zurückführen.

Die Frage, die sich Sicherheitsverantwortlichen (vorzugsweise auf staatlicher Ebene) nun stellt, lautet: Müssen wir Sicherheitsmaßnahmen ergreifen? Leser des Sicherheits-Berater wissen: Nein. Denn wenn die Eintrittswahrscheinlichkeit extrem gering ist, darf die angenommene Schadenshöhe durchaus extrem hoch sein, ohne dass (wirtschaftlich noch angemessener) Handlungsbedarf besteht. Sicherheitsverantwortliche sprechen dann von einem zu akzeptierenden Restrisiko. Dazu ein Zitat aus Heft 7/2015, S. 96, das hier ganz gut passt:

Sicherheitsplanungen drohen aus dem Ruder zu laufen, wenn

  1. die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Risikos nicht mit dessen Auswirkungen in angemessener Relation steht,
  2. die Kosten der Sicherheitsmaßnahmen somit unter Umständen höher liegen als der zu erwartende Schaden bei Inaktivität,
  3. die Bewertung des Risikos und seiner Folgen ausschließlich subjektiv erfolgt,
  4. die Zuverlässigkeit der Datenquellen zur Risikobeurteilung nicht gegeben ist (bzw. gar nicht hinterfragt wird)

Geht man gar nach der bekannten Formel R (Risiko) = E (Eintrittswahrscheinlichkeit) x A (Auswirkungen) und setzt die Eintrittswahrscheinlichkeit für die nächsten 1.000 Jahre auf Null, ist R immer gleich Null – ganz gleich, wie vernichtend das Auswirkungsinferno ausfallen mag.

Rainer von zur Mühlen, Autor des Fachbuches "SICHERHEITS-MANAGEMENT – Grundsätze der Sicherheitsplanung" sieht daher das Prinzip der Wirtschaftlichkeit ergänzt um das der Angemessenheit  und plädiert für eine pragmatische Beurteilung von Sicherheitsrisiken (S. 73 ff.).

 

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