Interview

Rückzugsort bei Bedrohungen.

© Turtle Saferooms GmbH & Co. KG

26.11.2015 (bz) – Turtle Saferooms bietet Panikräume an für den nachträglichen Einbau in Wohnungen, Häuser und Gewerbeobjekte. Bernd Zimmermann (bz) sprach mit Geschäftsführer Jörg Allstädt (ja) über dieses Angebot.

 

"Kein Hollywood-Bunker, aber bezahlbar."

Dipl.-Ing. (FH) Jörg Allstädt,
Geschäftsführer Turtle Saferooms
GmbH & Co. KG, Bremen
Bildquelle: Turtle Saferooms

bz: Ihr Unternehmen heißt Turtle Saferooms und bietet seit kurzem die Fertigung von Panikräumen an. Da denkt man gleich an Jodie Foster alias Meg Altman und den Kinofilm "Panic Room". Die flüchtet sich mit ihrer Tochter in einen solchen Panic Room, um sich vor drei Einbrechern in Sicherheit zu bringen. Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Panic Room und einem Safe Room?

ja: Das sind einfach zwei Synonyme – wobei der Begriff "Panic Room", nicht zuletzt wegen des gleichnamigen Films, der verbreitetste sein dürfte. Wir benutzen beide Begriffe für unser Produkt. Allerdings sage ich persönlich lieber "Safe Room", weil das den Sicherheitsaspekt besser herausstellt. Wir wollen ja auch kein Hollywood-Horrorerlebnis verkaufen, sondern das Schutzbedürfnis unserer Kunden befriedigen. Was Sie da im Kino gesehen haben, ist eher ein Bunker aus Stahl und Beton und hat mit unserem Produkt nur bedingt zu tun.

bz: Erklären Sie uns bitte den Unterschied zwischen diesem Bunker und Ihren Safe Rooms aus Bremen.

ja: Bei solchen Bunkern handelt es sich um Anlagen, die von Anfang an massiv mit autarker Stromversorgung und Klimatisierung geplant und gebaut werden. Die finden Sie zum Beispiel auf Regierungsebene. Wir dagegen bieten Safe Rooms als Raum-im-Raum-Lösungen an, die sich auch nachträglich in bestehende Objekte und Wohnungen einbauen lassen. Auch haben wir versucht, einen Kompromiss zu finden zwischen dem Schutzniveau und den aufzubringenden finanziellen Mitteln. Wir bauen also keine Hollywood-Bunker in Immobilienpreislage, sondern vergleichsweise bezahlbare Lösungen für Privatleute, Firmen und Behörden.

Saferooms als (nachträglich eingebauter)
Raum im Raum
Bildquelle: Turtle Saferooms GmbH

In unseren Safe Rooms geht es also nicht darum, einen Atomkrieg zu überleben oder eine tagelange Belagerung durch Terroristen. Turtle Saferooms bietet zum Beispiel Schutz vor Einbrechern oder Verbrechern, die in Ihr Haus einsteigen, die Sie berauben oder die PIN Ihrer EC-Karte erpressen und Sie fesseln wollen. Besonders Senioren, die zu körperlicher Gegenwehr nicht mehr in der Lage sind und von Verbrechern als hilflose Opfer wahrgenommen werden, aber auch Familien mit Kindern, finden hier einen Fluchtraum, der sie so lange vor körperlicher Gewalt schützt, bis Hilfe eintrifft.

bz: Wie steht´s mit dem Schutz vor Waffengewalt?

ja: Unsere Safe Rooms bieten auf Wunsch eine Durchschusshemmung, die wirksam vor Kalibern einer Magnum oder einer Kalaschnikow schützen. Da es neben den beiden genannten noch andere Beschussklassen gibt, sind hier individuelle Lösungen möglich.

Verbundwerkstoff für FB 4-Durch-
schusshemmung
Bildquelle: Turtle Saferooms GmbH

bz: Da stellt sich dennoch die Frage, wie ich den Angreifer mit seiner Kalaschnikow wieder los werde.

ja: Sinn und Zweck unserer Safe Rooms ist es, einen sicheren Rückzugsraum zu finden, der es Ihnen ermöglicht, Hilfe zu organisieren. Wir können Ihnen zum Beispiel eine Überfallmeldeanlage mit einem Notfalltaster einbauen und einer Aufschaltung zu einer Alarmzentrale.

bz: In der Zwischenzeit tritt der Angreifer die Türe ein.

ja: Das wird ihm in der Kürze der ihm zur Verfügung stehenden Zeit kaum gelingen, weil es sich um eine robuste und einbruchhemmende Schiebetür handelt. Auch bieten wir ihm keinen Angriffspunkt, weil wir zum Beispiel auf übliche Beschläge komplett verzichten. Die Tür ist nur von innen zu öffnen bzw. zu schließen. Der Eingangsbereich kann übrigens auch getarnt gestaltet werden. Das heißt, dass ein Angreifer gar nicht realisiert, dass es sich dahinter um ein Versteck handelt. Und wenn Sie es sich leisten wollen, bauen wir Ihnen zusätzlich eine Vernebelungsanlage ein, die Sie aus dem Safe Room heraus aktivieren können. Dann findet er Sie garantiert nicht mehr.

bz: Bieten Sie auch Modelle, die in eine normale Eigentumswohnung passen?

ja: Wie gesagt, unsere Safe Rooms sind Räume, die in bestehende Räume eingebaut werden – und zwar in jedem Fall individuell. Es ist also nicht so, dass Sie nur zwischen festen rechteckigen Grundrissen, z. B. mit fünf oder zehn Quadratmetern, auswählen müssten. Vielmehr bestimmen Sie, welchen Bereich Ihres Wohnraums Sie als Safe Room nutzen möchten. Die einzige Bedingung von unserer Seite lautet, dass wir an zwei tragende Wände andocken können.

Grundrissbeispiel einer Drei-Zimmer-Wohnung
Bildquelle: Turtle Saferooms GmbH

bz: Der Gedanke an Renovierungsarbeiten im Haus könnte Interessenten abschrecken.

ja: Die Angst vor tagelangem Lärm und Dreck, wie man es kennt, wenn das Bad neu gekachelt wird, ist in unserem Fall unbegründet. Nach der Bedrohungsanalyse mit Ihnen nehmen wir das gewünschte Aufmaß in Ihrem Wohnobjekt, planen alles in 3-D am PC und bereiten die Materialien passgerecht in unserer Produktion vor. Da muss bei Ihnen vor Ort auch nichts mehr zugeschnitten, geschweige denn gemauert, sondern nur noch eingebaut werden. Wir kommen morgens, installieren die dann schon maßgeschneidert vorgefertigten Module und sind abends wieder weg.

bz: Als Käufer hoffe ich dann, dass der Ernstfall nie eintritt.

ja: Selbst dann war die Investition nicht umsonst. Denn schon das Gefühl der Sicherheit wird Ihnen guttun – wenn Sie wissen, dass Sie Ihre Familie, Ihre Kinder oder Eltern nicht schutzlos zurücklassen, wenn Sie auf Geschäftsreise gehen. Oder dass Sie Ihre Servicemitarbeiter vor Kundenaggressionen, die ja immer heftiger werden, schützen. Außerdem können Sie Ihren Safe Room bei privater Nutzung als begehbaren Kleiderschrank oder auch als urgemütliche Bibliothek einrichten und nutzen.

bz: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Allstädt.

 

Kontakt zum Interviewpartner:
allstaedt@turtle-saferooms.de (Jörg Allstädt)

Kontakt zur Redaktion:
bz@sicherheits-berater.de (Bernd Zimmermann)