Kriminalität

Volkssport Bombendrohung.

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26.11.2015 (bz) – Trotz Strafandrohung (bis drei Jahre Gefängnis) und Schadenersatzpflicht sprachen und sprechen unbescholtene Bürger leere Bombendrohungen aus. Vor dem Hintergrund der aktuellen Terrorgefahr ist das noch sträflicher als je zuvor.

 

Evakuiert, aber nix gefunden.

Dass Terroristen und Kriminelle keine Skrupel besitzen, die Sicherheitsbehörden mit vorgetäuschten Bombendrohungen zu beschäftigen, liegt in der Natur der Sache bzw. deren Zielvorstellung. Dass unbescholtene Bürger, aus Langeweile, purer Dummheit oder jugendlichem Leichtsinn Bombendrohungen absetzen, ist dagegen kaum noch nachvollziehbar und ebenso wenig zu entschuldigen. Die aktuellen Terrorattacken und deren Präsenz in der Medienberichterstattung könnten solche Trittbrettfahrer noch ermuntern. Dabei sollte das Gebot der Stunde lauten: Absolute Zurückhaltung bei Verwendung des Wortes "Bombe" und "Drohung". Witzbolde und Sarkasten aller Art müssen sich wohl ganz gehörig am Riemen reißen – wenn sie nicht Gefahr laufen wollen, hinter Gittern zu landen.

Ein womöglich im Scherz ausgesprochener Hinweis auf eine versteckte Bombe sorgte jüngst in einem Bad Godesberger Baumarkt für einen Großeinsatz der Polizei. Ein Redakteur von Sicherheits-Berater direkt wurde unfreiwillig Zeuge des dadurch entstehenden Chaos´ im Umfeld. Ein benachbarter Straßentunnel musste zeitweilig gesperrt werden. Infolge der Evakuierung des Baumarktes und des Einsatzes von Sprengstoffspürhunden konnten die Kunden des Baumarktes nicht mehr zu ihren Fahrzeugen zurück, um das Gelände zu verlassen. Zahlreiche völlig unbeteiligte Kunden wurden durch die vermeintliche Bombendrohung belästigt und aufgehalten – die Zahl der im Berufsverkehr behinderten Autofahrer dürfte in die Tausende gehen. Dabei hatte wohl nur ein einziger Kunde eine ziemlich dümmliche Antwort gegeben, als er vom Baumarktpersonal gebeten worden war, seine Tasche zu öffnen: Er soll nämlich daraufhin gesagt haben, die Bombe sei schon im Geschäft – und dann getürmt sein (wodurch er sich der Chance beraubte, eine womöglich als Scherz gedachte Aussage richtigzustellen). Dummerweise hatte eine Überwachungskamera die Szene gefilmt. Die Polizei gab das Konterfei des Bombendrohers zur Fahndung aus, der sich kurz darauf selbst der Polizei stellte. Gefunden wurde übrigens keine Bombe (Quellen: Polizeipresse und WDR Studio Bonn).

Praktisch zeitgleich sorgte ein herrenloser Koffer in Bonn für zweieinhalb Stunden zur Sperrung des U-Bahn-Verkehrs im Bonner Hauptbahnhof. Hier hatte später laut Polizeipresse ein 13-jähriger Junge zugegeben, er habe nur mal sehen wollen, was wohl passieren würde. Im Ergebnis lässt sich auch dies als Bombendrohung – allerdings als superdämlich-wortlose - werten. Es passierte nämlich das, was passieren musste: Die Bevölkerung reagiert durch die Berichterstattung über Terrorgefahren, die längst nicht nur über Redaktionen, sondern eben auch über die sozialen Medien läuft, extrem sensibel. Herrenlose Koffer, die früher unbeachtet geblieben oder irgendwann in irgendeinem Fundbüro gelandet wären, werden jetzt der Polizei gemeldet (was die Polizei übrigens ausdrücklich begrüßt), die dann auch aktiv wird. Und über Witze wie den einer 28-Jährigen, die während der Luftsicherheitskontrolle im Flughafen Berlin-Tegel eine Bombe im Gepäck zu haben angab, kann heute wirklich niemand mehr lachen. Die Frau wurde sogleich vom Flug ausgeschlossen und die Bundespolizei leitete ein (vergleichsweise glimpfliches) Ordnungswidrigkeitsverfahren ein. Dass Bombendrohungen nicht aus Langeweile – und schon gar nicht von Security-Mitarbeitern – ausgesprochen werden sollten (wie der Kölner Stadtanzeiger berichtete), dürfte eigentlich ebenfalls klar sein.

Wer Bombendrohungen absetzt, muss mit schlimmen Konsequenzen rechnen: Regressansprüche von Geschädigten, dazu gehören auch die Polizei sowie Sicherheits- und Notfalldienste, können schnell fünfstellige Beträge annehmen. Wer gar den ordnungsgemäßen Betrieb an einem Flughafen oder Bahnhof lahmlegt, der dürfte schon aus finanzieller Hinsicht seines Lebens nicht mehr froh werden. Zudem drohen bis zu drei Jahre Haft wegen "Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten" gemäß § 126 des Strafgesetzbuches. Dabei dürfte es dem Richter völlig egal sein, ob man die Drohung telefonisch, per sms, per E-Mail (wie beim DSDS-Finale) oder per Kritzelei auf Toilettenfliesen ausspricht.

Ursprünglich wollte Sicherheits-Berater direkt einen Auszug aus der schier unendlich scheinenden Liste der leeren Bombendrohungen des Jahres 2015 abdrucken. Stattdessen hier ein paar Beispiele für Bombendrohungen, denen Täter zugeordnet werden konnten – was erstaunlich oft geschieht:

 

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