Interview

Sicherheitsingenieur (B.Sc.) in spe.

© TeMedia Verlags GmbH

31.5.2016 (bz) – Fabian Hecker (fh) studiert "Safety and Security Engineering" an der Hochschule Furtwangen. Bernd Zimmermann (bz) führte ein Interview mit ihm über die Vorzüge dieses Studiums, seine Bachelorarbeit und den Vorteil der Ingenieurssicht.

 

"Schweineschwarte, Schwefelsäure und Schutzhandschuhe."

Fabian Hecker
Sicherheitsingenieur B.sc. cand.

bz: Herr Hecker, welchen akademischen Abschluss erlangt man, wenn man wie Sie "Safety and Security Engineering" an der Hochschule Furtwangen studiert?

fh: In meinem Fall lautet der akademische Grad nach erfolgreichem Abschluss "Bachelor of Science", mit dem Zusatz "Security & Safety Engineering". Frei übersetzt könnte man es auch Sicherheitsingenieur B.sc. nennen. Was wiederum nicht zu verwechseln ist mit dem Security Engineer, BdSI, den ich bereits besitze. Letzterer ist Ergebnis einer Lehrgangsteilnahme bei der Simedia Akademie mit Abschlussprüfung, während der B.sc. ein siebensemestriges Studium mit Praktikum voraussetzt. Es geht also um ein richtiges Ingenieursstudium mit einem hohen Anteil an Naturwissenschaft, also Mathematik, Physik und Chemie, und an Ingenieurswissenschaft im engeren Sinne, z. B. mit dem Erlernen des technischen Zeichnens oder mit Elektrotechnik.

bz: Muss man Ingenieur sein, um sich zu Fragen der Sicherheit, Security und Safety äußern zu können?

fh: Ich denke, ein Ingenieur kann in vielen Bereichen Zusammenhänge ganz anders erkennen. Wir haben ja eine gewisse Zeit unseres Studiums im Gefahrstofflabor verbracht. Da haben wir z. B. Flammpunkte bestimmt. Oder wir haben an Schweineschwarten gesehen, wie Schwefelsäure Gewebe zersetzt, um besser nachvollziehen zu können, wie wichtig Schutzhandschuhe sind. Der normale Sicherheitsbeauftragte kann auf solche Erfahrungen meist nicht zurückgreifen. Der sorgt dafür, dass vorgegebene Normen, deren Sinn er nicht zwingend verstehen muss, nach dem Buchstaben des Gesetzes bzw. der Vorschrift umgesetzt werden. Zu wissen, warum eine Norm Sinn macht, kann letztendlich auch zu mehr Überzeugungskraft führen, wenn es darum geht, für Awareness zu sorgen.

bz: Wie kamen Sie auf die Idee, sozusagen Sicherheit zu studieren?

fh: Ich könnte jetzt auf eine genetische Prädisposition verweisen – meine Mutter arbeitet beim BBK, dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Tatsächlich war es aber so, dass ich als Teilnehmer der Loveparade in Duisburg, der den berühmten Tunnel passiert hatte, bevor das Unglück geschah, wissen wollte, wie es dazu kommen konnte und wie diese Katastrophe zu verhindern gewesen wäre. So habe ich mich für Studiengänge mit Schwerpunkt auf dem Thema Sicherheit interessiert und stieß auf die Hochschule Furtwangen. Die dort propagierte und in der Praxis dann auch vorzufindende interdisziplinäre Herangehensweise fand ich sehr spannend. Auch die kombinatorische Betrachtung von Safety und Security hat mich interessiert. Es ist ja doch so, dass sich beide Bereiche auch nicht voneinander trennen lassen. Nehmen Sie das Beispiel Gefängnis: Der Brandschutz als Safetythema sagt "Türen auf!" – die Security dagegen fordert "Türen zu!". Das Ganze dann noch kombiniert mit einem Ingenieursstudium – das passte einfach.

bz: Sie sprachen eben das Praktikum an. Wie sah das bei Ihnen aus?

fh: Mein Pflichtpraktikum habe ich beim Hamburger Flughafen in der Abteilung Aviation Security absolviert. Da gab es ein Projekt zur Digitalisierung des Sprechfunks auf dem Flughafenareal mit dem Ziel zu erkennen, wo sich gerade Streifengänger befinden, wie man das alles am Bildschirm übersichtlich darstellen kann und wie man die Streifengänge automatisiert einplant. Der Praxisbezug im Studium in Furtwangen ist schon sehr groß. Als ich dann eine Vorlesung des Dozenten Klaus Behling "Planung und Realisierung im Objektschutz" besuchte, kam auch gleich der Kontakt zur von zur Mühlen´sche Sicherheitsberatung in Bonn zustande. Herr Behling ist dort als Prokurist hauptberuflich Sicherheitsberater. Dort, also bei VZM, schreibe ich meine Bachelorarbeit. Und im Hause VZM sitzt auch die Simedia Akademie, bei der ich den eben erwähnten Security Engineer, BdSI, absolviert habe. Man sieht, meine Entscheidung für die Hochschule Furtwangen hat mir nicht nur zwei Aspekte, Security und Safety, nahegebracht - sie wurde auch zum Ausgangspunkt für sehr hilfreiches Netzwerken.

bz: Worum geht es denn aktuell bei Ihrer Bachelorarbeit?

fh: Ich teste für den Außeneinsatz bestimmte Videoüberwachungskameras. Das heißt, ich prüfe, ob die technischen Spezifikationen, wie sie in den Datenblättern der Hersteller angegeben werden, korrekt angegeben wurden. Kann diese oder jene Kamera tatsächlich die versprochene Auflösung bieten? Es gibt Hinweise, die Zweifel daran zulassen. Diese versuche ich zu verifizieren oder zu falsifizieren.

bz: Das stelle ich mir für einen einzelnen Studenten sehr schwierig vor. Dazu benötigt man doch Messgeräte und ein Laborequipment?

fh: Richtig, das steht mir auch zur Verfügung, da ich mit der Image Engineering GmbH aus Frechen kooperiere. Darüber hinaus teste ich auch im freien Feld unter Realbedingungen mit Hilfe von definierten Prüfszenarien. Dazu benötige ich dann keine weiteren Messgeräte. Ich setze bestimmte Abstandsmarken, z. B. in 20, 30 oder 50 Metern Entfernung zur Kamera, postiere mich dort und stelle fest, ob mich die Kamera erkennen kann oder nicht.

bz: Und wenn sich herausstellt, dass die Hersteller falsche Angaben gemacht haben, was dann?

fh: Mein Erkenntnisinteresse ist nicht investigativ-journalistischer Art. In meiner Bachelorarbeit werden auch keine Herstellernamen zu finden sein nach dem Motto "Vorsicht, hier hat der Hersteller übertrieben!" Das ist schon deshalb so, um die Wissenschaftlichkeit der Arbeit bei völliger Unabhängigkeit von Herstellern zu gewährleisten. Vielmehr möchte ich auf Basis meiner Untersuchungen eine Handlungsempfehlung für die optimale Installation von Videokameras erarbeiten. Eine solche Handlungsempfehlung könnte zum Beispiel sein: "Packt Prüfszenarien in Eure Ausschreibungsunterlagen. Verlasst Euch nicht blind auf das Datenblatt." Oder: "Lasst Euch von den Herstellern Referenzen geben, die bestätigen, dass diese oder jene Kameraeigenschaft auch vorhanden ist." Natürlich ist auch nicht auszuschließen, dass die Empfehlung lautet: "Schaut Euch in jedem Fall die Datenblätter der Hersteller an – auf die ist stets Verlass!"

bz: Vielen Dank für dieses Gespräch, Herr Hecker, und alles Gute für Ihren Bachelor und den Start ins Berufsleben.

 

Kontakt zum Interviewpartner:
fabian.hecker@gmx.de (Fabian Hecker)

Kontakt zur Redaktion:
bz@sicherheits-berater.de (Bernd Zimmermann)