Meinungen

Abstimmung zur Videoüberwachung.

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30.6.2016 (bz) – Bei Radio Bonn/Rhein-Sieg lief eine Abstimmung zur Videoüberwachung im öffentlichen Raum. Die Hörer voteten mit weit über 80 Prozent für JA. Dazu ein paar Stimmen aus den Facebook-Kommentaren derer, die abgestimmt haben.

 

Volkes Stimme sagt JA.

Der Lokalsender Radio Bonn/Rhein-Sieg (RBRS), den zwischen knapp 250.000 und bis zu über 500.000 Menschen täglich hören, bewarb in seinem Hörfunkprogramm und im Netz eine Abstimmung zum Thema Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen:

Screenshot von www.radiobonn.de
Abdruck mit freundlicher Genehmigung von RBRS

Das Abstimmungsergebnis dokumentierte eine klare Zustimmung pro Videoüberwachung: 86,4 Prozent (Stand: 21.6.2016) aller Teilnehmer klickten "Ja" auf die Frage, ob der öffentliche Raum verstärkt mit Kameras überwacht werden soll.

Die Gesamtmenge der Teilnehmer wird zwar nicht beziffert, aber auf der Facebook-Seite von RBRS bietet sich die Gelegenheit, sich über ein einigermaßen breites Spektrum an Hörermeinungen zu informieren. Die meisten taten ihre Meinung mit knappen Aussagen wie "Ich bin auch dafür", "Ganz klar ja! Da ich nix zu verbergen habe", "Ja auf jeden Fall, Datenschutz hin oder her" oder eben einfach "Ja" kund. Etwas ausführlichere Ja-Stimmen (ohne Korrektur der Original-Schreibfehler):

"Definitiv JA! Das haut auch nix mit der Paranoia vom "BigBrother" zu tun. Klar verhindern diese Kameras nicht aktiv, aber sobald die ersten Täter wegen solch einer Überwachung überführt werden geht auch die Kriminalität an überwachten Plätzen zurück."

"Dann aber bitte auch Cams mit guter Auflösung und Wartung, am besten Live-Überwachung mit heißem Draht zur Polizei… Und nicht Steuergelder einsetzen, um dann zu hören, das die Täter nicht zu erkenne waren wegen zu wenig Licht oder Pixeln, die Cams … "

"Ein klares ja…Aber bitte nicht nur ne Aufzeichnung, sondern so das es auch gesehen wird wenn was passiert und Hilfe kommt…Obwohl das natürlich nicht machbar sein wird".

Daneben gab es (in der Menge aber deutlich weniger) Zweifler, die die Sinnhaftigkeit der Videoüberwachung in Frage stellen:

"es bringt nichts. Kamera halten Straftäter nicht ab. Wohl aber kann man sie damit später besser identifizieren. Aber wir wollen doch, daß Straftaten erst gar nicht passieren."

"Schön und gut aber es wird am eigentlich Poblem nichts ändern. Das Problem sollte an der Wurzel behandelt werden"

"Gerne aber auch richtig. Nicht so, Kamera kaputt, Bänder geklaut…"

"So ein quatsch. Wie wäre es mit mehr Sicherheit, mehr rechte für die Polizei, mehr Rückhalt für die Bürger. Das wäre mal ne tolle Sache. Was hilft es die Tat auf Video zu haben wenn man sie hätte verhindern können. … "

"Eine Videoüberwachung bringt garnichts. Bis die Einsatzkräfte vor Ort sind ist alles schon passiert. Meistens sind die Angreifer dunkel gekleidet und sogar vermummt. Also selbst zum ergreifen dieser Personen ist es nicht zu gebrauchen. Nein zu Kameras ja zu mehr Polizeipräsenz bzw. Sicherheitleute. … "

"Weniger Kameras. Weil es teotzdem passiert Mehr Polizei das schreckt ab…"

Und natürlich gab es auch erbitterte Gegner:

"Und wer schützt die Bürger vor den Mißbrauch dieser Kameras, wenn irgendwann einmal eine radikale Partei aufgrund dumper Protestwähler an die Regierung kommt?"

"Das wollte der Staat doch mit all der Scheisse der letzten Jahre erreichen! Die totale Kontrolle!"

"Klar noch mehr Staat, haben ja bald DDR Zeiten!!!"

Natürlich kann die Umfrage des Radiosenders nicht repräsentativ sein. Aber die Ergebnisse decken sich doch tendenziell mit denen seriöser Demoskopen. Für das ARD-Morgenmagazin wurde z. B. 2012 eine Zustimmung von 81 Prozent ermittelt. Unterstellt man dabei noch den Einfluss einer gewissen Panikstimmung – die Umfrage fand kurz nach dem Bombenanschlag auf den Bonner Hauptbahnhof statt – kann man ziemlich sicher von einer Zustimmung von deutlich über 50 Prozent in der Bevölkerung ausgehen (also sozusagen eine "absolute" Mehrheit). Laut Süddeutsche Zeitung lag die im Jahr 2015 bei 56 Prozent. Focus berichtet Anfang 2016 unter dem Eindruck der Übergriffe am Kölner Hauptbahnhof sogar von 82 Prozent. 2004 hatten Datenschützer dagegen noch einen Wert von nur 28,3 Prozent genannt.

 

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