Kolumne

Kinderbelustigung geht anders.

© Philipp Messinger – Fotolia

27.10.2016 (bz) – Horrorclowns sind furchterregend und ein doppeltes Sicherheitsrisiko – nämlich für die Opfer und auch für die Täter. Bernd Zimmermann hält sie daher nicht nur für einen Dummjungenstreich, sondern für absolut verzichtbar.

 

Überflüssiger Clownhorror mit Horrorclowns.

Als ich vor ziemlich vielen Jahren mit meiner damaligen Freundin einen Schaufensterbummel machte, blieben wir vor dem Schaufenster einer Galerie stehen. Wir drückten uns daran die Nasen platt, weil uns eine Lithographie so gut gefiel: Sie zeigte ein kunterbuntes Arrangement aus drei Marionetten in Clownskostümen, die in sich zusammengesunken auf dem Boden lagen: Obwohl sie ganz offensichtlich komplett leblos waren, lachten uns Ihre Gesichter mit weit nach oben gezogenen Mundwinkeln an. Auf uns Erwachsene wirkte die gemalte Szenerie erfrischend optimistisch – waren die Clowns doch sozusagen trotz schlaffer Schnüre nicht totzukriegen. Wenig später erwarb ich das Bild und schenkte es meiner Freundin zum Geburtstag. Als die Freundin meine Ehefrau und Mutter meiner Kinder geworden war, hing das Bild dann jahrelang im Kinderzimmer. Als die Freundin schließlich meine Exfrau geworden war, verblieb es aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen in meinem Hausstand (den Rest hat sie mitgenommen, ich musste oft an das Stichwort "Demontage" infolge von Kriegsreparationen denken). Als mich dann neulich meine mittlerweile erwachsenen Kinder besuchten, verkündeten sie unisono aus heiterem Himmel, vor diesen Clowns hätten sie sich, als sie noch klein gewesen seien, ganz schrecklich gefürchtet. Ich staunte nicht schlecht, das wäre mir nie in den Sinn gekommen und ich konnte auch nicht nachvollziehen, warum sich nie eines der ansonsten anständig aufmüpfigen Kinder über diesen Clownhorror beklagt hatte. Rückblickend betrachtet muss ich dieses Bild wohl als individuell wahrnehmbares Sicherheitsrisiko einstufen.

Als Sicherheitsrisiko sollte man auch das sogenannte Horrorclown-Phänomen betrachten, das momentan landauf und landab für Wirbel sorgt. Und zwar ein Sicherheitsrisiko für alle Beteiligten – für Opfer und mittlerweile auch für die Täter. Dass man unbeteiligte Zeitgenossen mit einem Horrorclown-Kostüm ganz gehörig in Angst und Schrecken versetzen kann, dürfte nach der eben erzählten Anekdote klar sein. Die Gefahr von Herzinfarkten und Traumatisierungen bei Opfern, die im Dunkeln diesen schaurigen Fratzen begegnen, ist nicht von der Hand zu weisen.

Die Motivation der Täter ist noch nicht gänzlich erforscht. Der Kriminalpsychologe Dr. Jens Hoffmann  vertritt, wie auch Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger, die Auffassung, diese Täter seien sadistisch motiviert. Meine Küchenpsychologie lautet: Horrorclowns sind von dem gleichen Wunsch getrieben wie Exhibitionisten, die sich in der Öffentlichkeit entblößen, um junge Frauen und kleine Kinder zu erschrecken. Mit dem Unterschied, dass die immerhin Farbe bekennen und die Hosen runterlassen. Sie sind übrigens leicht zu vertreiben – man muss nur einfach mit dem Finger draufzeigen und laut rufen: "Sieht aus wie´n Penis, nur kleiner!" Die Empfehlungen sämtlicher Polizeidienststellen bis hin zu den Landeskriminalämtern, wie man sich am besten der Horrorclowns erwehrt, lauten dagegen: Abstand halten, die Konfrontation meiden und sofort die Polizei alarmieren – vor allem dann, wenn Angriffswaffen wie Baseballschläger oder Kettensägen (!) mitgeführt werden. Schade eigentlich, wer würde nicht gern einem solchen Verwirrten einmal die Maske vom Kopfe reißen und ihm tüchtig eins auf die Zwölf geben? Genau dieser Wunsch der Bevölkerung wird zurzeit immer häufiger in den Medien, vor allem in den vermeintlich "sozialen", artikuliert (weshalb ich eben von einem doppelten Sicherheitsrisiko sprach). Schon soll der erste Horrorclown niedergestochen worden sein. Wenn Sie also tendenziell gern mal kleine Kinder oder alte Ommas erschrecken, mein eindringlicher Rat: Nehmen Sie Vernunft an und lassen Sie sich nicht dazu verlocken, sich eine Horrorclownmaske zu kaufen. Die Polizeidienststellen sind alarmiert und fokussieren diesen Unfug. Und die BILD hat die Frage "Darf ich zuschlagen, wenn mich ein Clown zu Tode erschreckt?"  bereits flächendeckend mit Verweis auf das Notwehrrecht beantwortet. Sie bringen sich also selbst in große Gefahr, wenn Sie sich von Aussagen dieser Art angesprochen fühlen:

"Als klassischer Clown hast Du versagt, doch nachdem Du Deinem Zirkusdirektor den Bauch aufgeschlitzt hast, hast Du Deine Liebe zum Töten entdeckt. Der Wahnsinn, der Dich dabei antreibt bleibt auch weiterhin Dein Markenzeichen und so behältst Du Deine Maske gleich an."

Das Zitat stammt aus der (mittlerweile aus dem Netz genommenen) Produktwerbung eines letztendlich doch noch lernfähigen Kölner Kostümanbieters für eine "Latexmaske Killer Clown".

Nun kann man einwenden, alles Unfug mit dem Sicherheitsrisiko, hier handelt es sich um ein Kavaliersdelikt, einen Dummjungenstreich, andere Menschen auch einmal zu erschrecken, darf doch wohl erlaubt sein. Huhuuuuuuu, das lernen doch schon kleine Kinder! Mag sein, aber das Funktionsprinzip des lustigen, sozial verträglichen Erschreckens ist ein gänzlich anderes: Das funktioniert nur, wenn man nach einer Schrecksekunde die Maske fallen lässt und gemeinsam darüber lacht.

Es dürfen noch Wetten abgeschlossen werden, wie das kommende Halloween-Wochenende verläuft: Führen die zahlreichen Medienberichte dazu, dass potenzielle Horrorclowns noch abgeschreckt werden – oder bewirken sie im Gegenteil Nachahmungstaten? Ganz gleich, mein Bedarf an Horror ist schon komplett gedeckt, wenn ein IS-Verbrecher auf Youtube einen abgetrennten Kopf in die laufende Kamera hält, wenn Donald Trump seinen Mauerbauunsinn verzapft oder Jay Jay Jackpot uns erklärt, wie sie eine Slipeinlage aus einer Bananenschale bastelt.

 

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