Rückblick

3. SIMEDIA-Fachforum "Sicherheit im Ausland".

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23.2.2017 (stp) – Beim SIMEDIA-Fachforum "Sicherheit im Ausland" holten sich 70 Sicherheitsprofis ihr Update. Selbst der Chefredakteur von Sicherheits-Berater direkt, Peter Stürmann, konnte dabei noch etwas lernen. Anbei sein Besuchsprotokoll.

 

Wichtiges Update für 70 Fachleute.

Über 70 Fachleute kamen am 1. und 2. Februar 2017 auf Einladung der SIMEDIA Akademie beim 3. Fachforum "Sicherheit im Ausland" in Hamburg zusammen. Peter Stürmann, selbst ausgewiesener Experte in Sachen Auslandssicherheit (vgl. z. B. seine Beiträge "Schutzmaßnahmen für den international Reisenden, Teil 1  und Teil 2" im Sicherheits-Berater), hat die Veranstaltung besucht und berichtet darüber:

 

Steigendes Gefahrenpotenzial bei Auslandsaufenthalten

Ronald Hauber leitete die hochkarätige Veranstaltung mit einem Vortrag zu den wichtigsten sicherheitskritischen Vorfällen des letzten Jahres ein. 

Bildquelle: SIMEDIA Akademie

Er vermittelte eine wesentliche Erkenntnis für das Ausland: Die Anschläge in vermeintlich sicheren Ländern nehmen deutlich zu. Die Einschätzung für Deutschland: Der islamistische Terror ist in Deutschland nicht angekommen, es wurden lediglich 15 Jahre lang die Augen verschlossen, man denke nur an die drei aus Hamburg kommenden Selbstmordpiloten des 11. September 2001.

 

Betreuungskonzept für traumatisierte Betroffene

Dr. von Groote, TPS GmbH

An Hand zahlreicher Beispiele verdeutlichte Dr. von Groote, TPS GmbH, anschließend, wie wichtig ein psychosoziales Betreuungskonzept für Menschen nach traumatischen Erfahrungen ist und was Betroffene vom Unternehmen erwarten können. Mit zahlreichen Maßnahmen kann man erfolgreich unterstützend und helfend eingreifen, leider muss man auch etliche Grenzen und Fallsticke akzeptieren, die man kennen sollte, um unnötiges Leid zu vermeiden.

 

Beitrag der Wissenschaft zur Auslandssicherheit

Prof. Dr. Bader, Leuphana Universität

Mit dem Vortrag von Prof. Dr. Bader von der Leuphana Universität, Lüneburg, kam auch die Wissenschaft zu Wort: 68893 Anschläge vom 11. September 2001 bis Ende 2014 waren Anlass genug, die unterschiedlichsten Auswirkungen von Terrorismus auf Nachfrage und Kosten sowie die negativen Folgen dieser Ereignisse auf Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die in Hochrisikoländern arbeiten, wissenschaftlich zu untersuchen. Die Ergebnisse zeigten deutlich, wie wichtig große und diversifizierte Netzwerke außerhalb des Heimatlandes für das psychische Wohlbefinden der vor Ort Tätigen sind und dass Unternehmen zahlreiche Möglichkeiten haben, positiv steuernd einzugreifen. Eine hohe Vergütung ist nicht immer das Mittel der Wahl: Während Personen mit niedriger Sensibilität gegenüber Terrorismus durch höhere Vergütung incentiviert werden können, greift dieser Mechanismus bei hoher Sensibilität nicht.

 

Koop zwischen Human Resources und Corporate Security

Denise Grooves, Evonik Industries

Denise Grooves von Evonik Industries konnte in ihrem Vortrag deutlich machen, wie die Sicherheit bei Auslandseinsätzen durch eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Human Resources und Corporate Security, d. h. durch integrierte Prozesse, gemeinsame Ziele, abgestimmte Information und vertrauensvolle Kommunikation, deutlich gesteigert werden kann. Über die Kopplung von Sicherheitsinfos und Reisebuchung ergeben sich zudem zahlreiche Synergieeffekte für Travel Management und Corporate Security, nicht nur im Ereignisfall.

 

Inforecherche und -bewertung

Thomas Jehmlich, KfW Bankengruppe

Die wesentlichen Bausteine eines maßgeschneiderten Sicherheitskonzeptes für Hochrisikoländer hinsichtlich Hotel-, Reise-, Transport- und Standortsicherheit stellte Thomas Jehmlich von der KfW Bankengruppe, die in zahlreichen High Risk Ländern unterwegs ist, vor. Von entscheidender Bedeutung für die Sicherheit der Mitarbeiter ist eine umfangreiche Informationsgewinnung über unterschiedlichste interne und externe Quellen sowie eine entsprechende Bündelung und objektive Bewertung der Informationen. Mindestens ebenso wichtig ist das kontinuierliche Monitoring. Unter Berücksichtigung aller Indikatoren kann dann das geeignete Standortsicherheitskonzept umgesetzt und die materielle Ausstattung festgelegt werden. Im Falle eines Notfalls/einer Krise müssen die Entscheidungsstrukturen klar festgelegt und die Stäbe gut eingespielt sein.

 

Kommunikations- und Ortungssysteme

Ronald Hauber, ISCM GmbH

Ronald Hauber von der ISCM GmbH nahm die Teilnehmer mit auf eine Reise zu den unterschiedlichen Kommunikationsmitteln für den Notfall. Vom Travel Tracker über Notfall Apps, Smartphone Notrufe und GPS-Tracker bis hin zur Satelliten gestützten Ortung und Kommunikation zeigte er auf, was heute möglich ist und beurteilte die unterschiedlichen Techniken nach ihren Stärken und Schwächen.

 

Supportsysteme für den Notfall und Telemedizin

Dr. Hitzeroth, Procter & Gamble

Zum Abschluss des ersten Tages berichtete Herr Dr. Hitzeroth von Procter & Gamble über eine zielgerichtete Reisevorbereitung, über unterschiedliche Supportsysteme für den Notfall sowie die Möglichkeiten der Telemedizin. Die wichtigsten Gründe für eine medizinisch notwendige Evakuierung waren: Unfälle (>20 %) sowie Erkrankungen in den Bereichen Herz-Kreislauf, Infektionen und Gynäkologie. Letztere sind präventiv gut zu beeinflussen.

 

Rahmenprogramm Automuseum

Faszinierende Einblicke in die Geschichte berühmter deutscher Oldtimer bekamen die Teilnehmer im Rahmen der Abendveranstaltung im Automuseum Prototyp. Besonderes Highlight: die Sonderausstellung „BMW Art Cars“.

 

 

Verhinderbare Geiselnahme

War die Stimmung beim anschließenden Abendessen und Netzwerken im Brauhaus noch ausgelassen, trat am nächsten Morgen nach dem Bericht eines Mannes, der über seine Erlebnisse seiner zweimaligen Geiselhaft in Libyen berichtete, bedrückende und betroffene Stille ein. Der Mann mit dem Decknamen „Herr Sänger“ wies noch einmal eindrücklich darauf hin, alle Warnzeichen im Vorfeld in ihrer Summe wirklich ernst zu nehmen. Seine zweite Geiselnahme hätte so verhindert werden können.

 

Hilfreicher Standard BSI PAS

Mathias Braje, SAP AG

Dass es sinnvoll sein kann, sein Reisesicherheits-Programm nach dem neuen Standard BSI PAS 3001:2016 auszurichten, konnte Mathias Braje, SAP AG, anschaulich darlegen. Von den 82.000 Mitarbeitern waren alleine fast 33.000 Mitarbeiter mindestens einmal pro Jahr international unterwegs, wobei 20 Krisensituationen bewältigt werden mussten. Der größte Nutzen für den Konzern liegt dabei in der strukturierten Bearbeitung des Themas, in der dadurch möglich gewordenen systematischen Identifizierung von Schwachstellen sowie einer flexiblen und schnellen Reaktion im Ernstfall!

 

Erfolgreiches Evakuierungskonzept

Matthias Wagner, GIZ

Für die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ), die in über 130 Ländern tätig ist, ist ein weltweites Evakuierungskonzept unerlässlich. Matthias Wagner berichtete anhand zahlreicher spannender Beispiele und Erlebnisse, wie, wann und mit welcher Unterstützung Mitarbeiter aus einem Land evakuiert werden. Das Evakuierungskonzept umspannt dabei den großen Bogen von ruhigen Zeiten über die Phase der Eskalation bis hin zur Evakuierung und Ankunft in einem sicheren Land. Zusätzliche Berücksichtigung finden das Business Continuity Management sowie die Phase der Rückkehr.

 

Unkonventionelle Repattriierungsmaßnahmen

Oliver Fein, Brose Fahrzeugteile

Oliver Fein, Brose Fahrzeugteile, schloss mit seinem eindrucksvollen Erlebnisbericht zur Repatriierung mit Hindernissen nahtlos an den Vortrag von Herrn Wagner an. Eine schier unglaubliche Fülle unvorhergesehener Ereignisse erforderten zahlreiche unkonventionelle Maßnahmen, um die gestellte Aufgabe erfolgreich zu bewältigen

 

 

Rechtssichere Aufstellung von Unternehmen

Holger Behrens, Kompetenzzentrum Internationale Sicherheit (Rheinische Fachhochschule )

Der Abschluss der Veranstaltung war juristischen Fragestellungen vorbehalten. Holger Behrens, Studiengangsleiter für Wirtschaftsrecht, Leiter des Studiengangs compliance and corporate Security (LL.M.) an der Rheinischen Fachhochschule sowie des Kompetenzzentrums Internationale Sicherheit der Rheinischen Fachhochschule Köln beantwortete die zahlreichen Fragen zur rechtssicheren internationalen Aufstellung von Unternehmen und zeigte die Konsequenzen des Außenwirtschaftsrechts auf deutsche Unternehmen auf. Sein Tipp: Schauen Sie regelmäßig auf die existierenden internationalen Blacklists! So können Sie viel möglichen Schaden vom Unternehmen abwenden.

 

Fazit

Die vorgetragenen Inhalte, die Referenten, das Themenspektrum, der Veranstaltungsort, das Abendprogramm sowie die Organisation waren erstklassig. Vor allem der hohe Praxisbezug und die Möglichkeit, von den Erfahrungen anderer lernen zu können, lässt selbst Fachleute auf dem Gebiet der Auslandssicherheit ein Wiedersehen am 6. und 7. Februar 2018  schon fest einplanen. 

 

Kontakt zur Redaktion:
stp@vzm.de (Peter Stürmann)