Interview

Weiterbildung zum Certified Security-Engineer, HFU.

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31.5.2017 (bz) – Thorsten Herrmann (th) ist als Security Manager bei der Merck KGaA am Standort Darmstadt Vollblutpraktiker. Jetzt hat er den akademischen Blick auf die Security für sich entdeckt. Bernd Zimmermann (bz) sprach mit ihm.

 

"Akademisch-strategischer Blick auf die Security"

Thorsten Hermann
Security Manager bei der Merck KGaA

bz: Seit 1991 arbeiten Sie im und für den Sicherheitsbereich. Somit besitzen Sie 25 Jahre Praxiserfahrung, sind also Vollblutpraktiker. Nach Ihrer erfolgreichen Teilnahme am Upgrade-Seminar der SIMEDIA Akademie "Certified Security-Engineer, HFU" besitzen Sie nun auch noch einen akademischen Abschluss der HFU Akademie, wobei HFU für Hochschule Furtwangen steht. Was hat Sie motiviert, nebenberuflich draufzusatteln?

th: Da kamen zwei Sachen zusammen: Mein Arbeitgeber fördert aktiv Weiterbildungsmaßnahmen und stellt dafür auch ein jährliches Budget bereit. Er erwartet, dass wir Mitarbeiter das auch nutzen. Das ist die eine Seite. Die andere ist die, dass ich wirklich Lust darauf hatte, Neuland zu betreten. Heute weiß ich, das ist eine entscheidende Voraussetzung dafür, diese HFU-Weiterbildung erfolgreich abzuschließen. Wer nur vom Arbeitgeber geschickt wird und lustlos mitmacht, der wird es sehr schwer haben. Ich wollte mich wirklich weiterbilden. Ich hatte mich ja schon einmal weiterqualifiziert. Als ich 1991 bei der Werkfeuerwehr bei Blohm & Voss in Hamburg einstieg, trug ich noch keine Krawatte und machte mir im Wortsinne auch schon einmal die Hände schmutzig. 1997 ging es dann zur Securitas Sicherheitsdienste in Frankfurt am Main, wo die Hände dann sauber blieben, und ab 2003 hatte ich dann dort eine reine Managementtätigkeit inne. Seit 2008 arbeite ich bei Merck. Also ich habe schon mehrmals Neuland betreten müssen und das habe ich gern getan. Allerdings waren alle Tätigkeiten bis heute im operativen Geschäft angesiedelt. Mit der Weiterbildung konnte ich nun die akademisch-strategische Denkweise kennenlernen. Und da ich bei der Simedia Akademie zuvor schon die Zertifikationsprüfung "Security-Engineer, BdSI" als Teilnahmevoraussetzung bestanden hatte, passte das alles zusammen.

bz: Das Weiterbildungsbudget Ihres Arbeitgebers wurde ganz offensichtlich durch die Teilnahme am Upgrade-Seminar für den Certified Security-Engineer, HFU, nicht gesprengt?

th: Nein. Merck investiert unentwegt in die Zukunft. Eine solche Weiterbildungsmaßnahme ist da ein weiterer Mosaikstein zur Zukunftssicherung bei Merck. Eine Investition die sich lohnt, wird auch getätigt, ehe die Chance vertan ist.

bz: Wie muss man sich diese Weiterbildung vorstellen? Wie ein Fernstudium?

th: Nicht ganz. Der Fachbegriff lautet "Kontaktstudium", für das man übrigens dann auch sogenannte "Credit Points" bekommt. Das heißt, Sie müssen sich wissenschaftlich mit einem bestimmten Thema befassen und am Ende dazu eine Hausarbeit von mindestens 40 Seiten Umfang verfassen. Zunächst einmal nehmen Sie an einem Seminar teil, bei dem Ihnen die Prinzipien wissenschaftlichen Arbeitens beigebracht werden. Sie lernen, was Wissenschaft, speziell natürlich Sicherheitswissenschaft, überhaupt ausmacht. Auch Präsentationsgrundlagen und rhetorische Fähigkeiten werden dabei vermittelt. Das war sozusagen eine Druckbetankung von Basiswissen, die zur Ausarbeitung einer wissenschaftlichen Arbeit notwendig ist – und eine völlig andere Herausforderung als die Routinearbeiten im operativen Geschäft. Danach stehen SSie dann beim Verfassen Ihrer Hausarbeit in engem Kontakt mit der Hochschule. Zunächst schreiben Sie ein Exposé, gefolgt von einem Erstentwurf, den Sie im Kreise aller Teilnehmer vorstellen und diskutieren. Diese gemeinsame Diskussion war Gold wert. Also, die Kooperation der Teilnehmer mit der Hochschule war extrem klasse.

bz: Welches Thema haben Sie denn im Rahmen Ihrer Abschlussarbeit behandelt?

th: Meine Abschlussarbeit trägt den Titel "Security-Konzept für Liegenschaften außerhalb des Werkgeländes unter Betrachtung des Störfallrechts"

bz: Das hört sich schon ziemlich akademisch an – und ist an dieser Stelle sicher erklärungsbedürftig.

th: Es ging im Kern um die Frage, ob Security-Konzepte für Gebäude, die zwar in unmittelbarer Nachbarschaft des Werkgeländes liegen, aber eben nicht darauf, das Störfallrecht zu berücksichtigen haben oder nicht. Ich habe mich, ohne selbst Jurist zu sein, regelrecht in die Störfallverordnung reingekniet, sofern dies in der Kürze der Zeit möglich war, viel recherchiert und alles gelesen, was ich von der Kommission für Anlagensicherheit, KAS, bekommen konnte. Ich habe dann die These formuliert, dass solche Liegenschaften so zu behandeln sind, wie Objekte auf dem Werksgelände. Wie es der Zufall will, bot dann unsere Fachabteilung an, meine Niederschriften einmal gegenzulesen – und sie kam genau zu einem gegenteiligen Ergebnis. Aber, immerhin, wurde mir auch mitgeteilt, dass meine Begründungen nicht verkehrt seien. Ich habe mein Fazit daraufhin ein wenig umformuliert. Daraus wurde schließlich eine Arbeit von insgesamt 88 Seiten, die den Prüfern offenbar gefallen hat. Die haben jedenfalls nur zustimmend genickt.

bz: Viele Leser werden sich jetzt fragen: "Was bringt mir eine solche Weiterbildung?"

th: Die sechs Monate zum Certified Security-Engineer, HFU, waren sehr, sehr hilfreich. Die wissenschaftliche Ausarbeitung ist eine Herausforderung für jeden, der über Jahre ausschließlich die Praxis betreibt. Diese Qualifizierung erweitert den Wissenshorizont und, daraus schließend, gewinnt der akademisch-strategische Blick hinter die Kulissen seines eigenen Schaffens eine andere Tiefe und Blickrichtung. Früher habe ich immer von Norden nach Süden geschaut. Jetzt kann ich mich auch in die Lage eines Betrachters versetzen, der von Süden nach Norden schaut. Das war nicht nur eine berufliche Weiterbildung, sondern auch eine persönliche Entwicklung, die ich an dieser Stelle uneingeschränkt weiterempfehlen kann.

bz: Die SIMEDIA Akademie hat Sie als Teilnehmer um ein Fazit gebeten. Sie haben dann geantwortet: "Jederzeit wieder – aber nicht jetzt!"

th: Es war schon eine Herausforderung, die mich auch extrem viel Zeit gekostet hat. Ich kann künftigen Kandidaten für den Certified Security-Engineer, HFU, nur empfehlen, gleich von Anfang an loszulegen und mit der Arbeit zu beginnen. Hinten heraus wird die Zeit nämlich immer knapp.

bz: Vielleicht haben Sie Lust, eine Zusammenfassung Ihrer Arbeit im Sicherheits-Berater zu veröffentlichen?

th: Schau’n wir mal. Jetzt brauche ich aber erst einmal ein wenig Abstand. Ich komme dann auf Sie zu.

bz: Wir sind gespannt. Vielen Dank für dieses Gespräch, Herr Herrmann.

 

Kontakt zum Interviewpartner:
thorsten.hermann@merckgroup.com (Thorsten Hermann)

Kontakt zur Redaktion:
bz@sicherheits-berater.de (Bernd Zimmermann)