Sicherheitstechnik

Horrorszenario Scheintod.

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31.5.2017 (bz) – "Sicherheit durch Technik" heißt eine Rubrik im Sicherheits-Berater. Das folgende Produkt wurde darin jedoch garantiert noch nie vorgestellt: der Sicherheitssarg.

 

 

Verkaufsschlager Sicherheitssarg.

Man mag es kaum glauben, aber der "Sicherheitssarg" hat es zu einem eigenen Eintrag in der (englischsprachigen) Wikipedia gebracht: als "Safety coffin". Er wurde erfunden, um Menschen das Schicksal zu ersparen, lebendig begraben zu werden bzw. ihnen die Möglichkeit zu geben, auf ihren Zustand aufmerksam zumachen und Hilfe zu erhalten. Laut der recht unterhaltsamen ZDF-Sendung Terra X sollen Sicherheitssärge im 19. Jahrhundert sogar regelrechte Verkaufsschlager gewesen sein.

Die Angst vor dem lebendig Begrabenwerden, die Taphephobie, war im 18. Und 19. Jahrhundert deutlich weiter verbreitet als heutzutage. Edgar Ellan Poe soll zum Beispiel darunter gelitten haben. Er hatte sie in einer Erzählung "Lebendig begraben" thematisiert, die später in gleichnamigen Horrorfilmen in Szene gesetzt wurde. Auch Berthold Brecht soll panische Angst vor dem Scheintod gehabt haben. Er soll sogar verfügt haben, durch einen Stich ins Herz endgültig vor der Bestattung ins Jenseits befördert zu werden.

Der deutsche Begriff "Sicherheitssarg" kommt auf Wikipedia nur in einem Beitrag über Leichendiebstahl vor. Und darin meint er Särge oder ganze Grabstätten, die mit Hilfe von Technik vor Grab- bzw. Leichenräubern schützen. Engländer differenzieren hier – ähnlich wie im Fall Safety bzw. Security – stärker als Deutsche: Sie nennen solche Sicherheitssärge "Smart-Graves".

Laut Allgemeinarzt-online soll es beim Deutschen Patentamt zehn Einträge mit der Erfindung eines "Sarges zum Überleben" geben. Dazu gehört ein Patent aus dem Jahre 1999, das interne Bewegungsmelder, Infrarot-Wärmemesser und ein Mikrofon vorsieht. Im Falle eines Erwachens des Scheintoten soll die Beleuchtung im Sarg eingeschaltet und eine eingebaute Sauerstoffreserve freigesetzt werden.

Zur Taphephobie muss man wissen, dass diese Angst heute – verglichen mit dem 18. und 19. Jahrhundert – relativ unbegründet ist. Damals war die Medizin einfach noch nicht so weit, den Tod eines Menschen eindeutig feststellen zu können. Wie weit dagegen die Medizin heute darum bemüht ist, Hirnströme nachzuweisen und für das Überleben zu nutzen zeigt das aktuelle Projekt "NeuroComm Trainer" an der Uni Bielefeld. Dabei geht es darum, ein Gerät auf Basis der EEG (Elektroencephalographie) zu entwickeln, das es schwersthirngeschädigten, ins Wachkoma gefallenen Menschen sogar ermöglichen soll, mit anderen Personen zu kommunizieren.

Wer immer noch Zweifel daran hegt, dass sein Tod nicht sicher festgestellt werden könnte, weil ein Arzt leichtfertig oder irrtümlich den Totenschein ausstellt, der vertraue besser nicht auf einen Sicherheitssarg, sondern greife zu Lebzeiten zum Organspenderausweis. Das "Gesetz über die Spende, Entnahme und Übertragung von Organen und Geweben, kurz: Transplantationsgesetz" sieht nämlich in § 3 vor, dass der Tod des Spenders "nach Regeln, die dem Stand der Erkenntnisse der medizinischen Wissenschaft entsprechen" festgestellt sein muss. Dazu zählt der "nicht behebbare Ausfall der Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms". Spätestens nach der Entnahme lebenswichtiger Organe mit anschließender Einäscherung dürfte jeder Spender noch toter als tot sein …

 

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