Verhalten

Scheinsicherheit für Leichtgläubige.

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31.5.2017 (bz) – Sicherheit kann man planen. Oder man wünscht sie sich einfach. Dabei helfen (vermeintlich) diverse Glücksbringer.

 

 

 

Wunschdenken als Risikominimierungsstrategie?

Im Eingangsbereich der von zur Mühlen’sche Sicherheitsberatung in Bonn steht ein Display, auf dem die folgende Werbeaussage abgedruckt steht:  "Glück ist kein zuverlässiger Partner. VZM schon." Will sagen, man solle doch lieber auf die Sicherheitsplanung der professionellen Sicherheitsberatung VZM vertrauen als auf pures Glück.

Der Hinweis ist durchaus angebracht. Denn auch in unserem aufgeklärten Kulturkreis ist Wunschdenken weit verbreitet. Dazu muss man noch nicht einmal in den Bereich der Religion schauen. Es gibt jede Menge symbolische Hilfsmittel, um dem Glück auf die Sprünge zu helfen – als Glücksbringer:

  • Glückspfennige
  • Glückspilze
  • Hufeisen
  • Glücksschweine
  • Glückskäfer
  • Glückskekse
  • Glücksklee
  • Mistel
  • Talismane: damit kann praktisch jeder halbwegs transportable Gegenstand zum Glücksbringer erklärt werden (z. B. die ersten Laufschuhe eines Kindes, die dann am Rückspiegel im Auto hängen), Amulette, Maskottchen (der Geißbock des 1. FC) und Findlinge (z. B. die erste Kastanie, die jemandem im Herbst vor die Füße fällt).
  • Schornsteinfeger (die in natura immerhin auch als Brandschützer aktiv sind).
  • etc.

Was das Funktionieren von Sicherheitstechnik oder Sicherheitssystemen betrifft, dürfte es als erwiesen gelten, das solche Glücksbringer keinen Einfluss auf das bestimmungsgemäße Funktionieren besitzen und somit als Mittel der Risikominimierung gänzlich ungeeignet sind. Möglicherweise besteht jedoch ein gewisser positiver Einfluss auf das Leistungspotenzial von Menschen. Zumindest weiß die Süddeutsche Zeitung  zu berichten: "Wie der Aberglaube hilft".  Demnach ist ein gewisser Placeboeffekt durch Glücksbringer zu beobachten: So helfe positiver Aberglaube, bessere Leistungen zu erzielen. Wer an die Macht des Talismannes glaube, fühle sich eben sicherer und könne bessere Ergebnisse erzielen. Bevor Sie nun zum Talisman greifen, um Ihren Einbruchschutz im Unternehmen zu optimieren: Dieses Studienergebnis gilt, wenn überhaupt, nur für abergläubische Menschen. Damit, so die Süddeutsche, sei nämlich der Beleg nicht erbracht, ob Menschen mit Glücksbringer besser abschneiden als ( … ) "Skeptiker, die von vornherein keine Hasenpfote mit sich herumschleppen."

Es bleibt also bei VZMs Aussage, Glück sei kein zuverlässiger Partner. Denn bei der Sicherheitsplanung kommt es auf Dinge wie Logik, Ursache-Wirkungs-Prinzip, Risikoanalyse und Antizipation von Entwicklungen an. Selbst im Sicherheitsmanagement dürfte das persönliche Engagement von Sicherheitsverantwortlichen mit Glücksbringer kaum besser werden als ohne. Wer z. B. eine Großveranstaltung plant und darauf verlässt, dass die Sache schon gut gehen werde, handelt fahrlässig und ist von vornherein vom Glück verlassen.

 

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bz@sicherheits-berater.de (Bernd Zimmermann)