Verhalten

Sicherheitserziehung mit Comics.

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31.8.2017 (bz) – Wie bereitet man Kinder auf Terror vor? Wie bringt man ihnen sicheres Verhalten im Brandfall, im Internet oder in allen Lebenslagen bei? Viele setzen auf Comics.

 

 

Kinder mit Bildchen stark machen

Die Überschrift der folgenden Pressemeldung las sich schon reichlich befremdlich: "Kinderbuch soll Grundschüler auf Terror vorbereiten". Auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick macht das Kinderbuch, das britische Grundschulen jetzt in ihren Lehrstoff integrieren, wahrscheinlich durchaus Sinn: "Moggy’s Coming" "erzählt spielerisch von einer fiktiven Mäuse-Stadt, die von bösen Mäusen, verkleidet als große Katzen, heimgesucht wird." Dabei, so die Meldung, werde der Begriff Terrorismus nicht direkt angeschnitten. Stattdessen würden "Angriffsszenarien, wie etwa durch einen Täter mit einem Messer, Beschuss oder eine Bombe, thematisiert und Verhaltensanweisungen beschrieben." Damit sollen die Kinder dazu animiert werden, wegzurennen, sich zu verstecken oder die Geschehnisse der Polizei zu erzählen. Vom Comic zum Videoclip ist es dann nur noch ein winziger Schritt: "Nuclear Boy" unterstützte 2011 japanische Eltern bei der schwierigen Aufgabe, ihren Kindern den Super-GAU von Fukushima zu erklären.

Derlei Didaktik ist allerdings keineswegs neu. Heinrich Hoffmanns "Struwwelpeter" verfolgte im Prinzip – wenn auch drastisch – den gleichen Ansatz,  nämlich Kinder vor unvorsichtigem Verhalten zu warnen: z. B. am Essenstisch herumzuzappeln und rücklings umzukippen oder mit Streichhölzern zu spielen und zu verbrennen. Das Ganze wurde auch damals schon bunt illustriert und in leicht verständliche Sprache übersetzt: "Paulinchen war allein zu Haus, die Eltern waren beide aus." Wer alt genug ist und Sehnsucht nach den aus heutiger Sicht politisch absolut unkorrekten Sprüchen ("klipp und klapp mit der Scher die Daumen ab") und Darstellungen hat, der besuche http://www.lyrikheute.com/2012/06/morgen-hier.html.

Hoffmann wäre wahrscheinlich begeistert über die heute möglichen Kanäle, in die er seine Geschichten hätte einspeisen können: So bietet der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. (VDE) seine Empfehlungen für Kinder, sich vor Blitzeinschlägen zu schützen, als kostenlose App an: "Donner-Wetter! für Kids" an. Zwar gab es zu seiner Zeit bereits Kasperltheater – die besaßen aber damals noch nicht den pädagogischen Anspruch, wie man ihn seit dem 20. Jahrhundert kennt. In seiner Anfangszeit präsentierte sich der Kasper nämlich auf Jahrmärkten noch als gewalttätiger Totschläger zur schaurigen Belustigung Erwachsener.

Die "Rakuns", zwei Waschbären, wollen das Gesundheitsbewusstsein von Kindern im Vorschulalter fördern: Körper- & Selbstwahrnehmung, Bewegung & Entspannung, Körperpflege und –hygiene, Ernährung und Medienkompetenz sind die Themen, die sie transportieren. Letztere können die Kleinen auch bei www.internet-abc.de im Rahmen sogenannter "Lernmodule" – und natürlich in Comicform - erwerben.

Die DLRG-Jugend Bayern hat zusammen mit weiteren Partnern die Webseite www.eisregeln.de veröffentlicht. Hier vermitteln die Comics "Das Eisvergnügen" z. B. die lebensrettenden Eisregeln oder "Sicher am Wasser" die entsprechenden Baderegeln. Die Comics dürfen sich sogar als "Ausgezeichnete Medien der Kinderunfallprävention" sehen, sagt die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung. Die MISSION SICHERES ZUHAUSE bietet dagegen einen Comic für das richtige Verhalten im Brandfall an - ebenso die Initiative www.rauchmelder-lebensretter mit "Philipp und sein Rauchengel". Selbst die Bibel gibt es als Comic.

Zu guter Letzt darf der Hinweis nicht fehlen, dass Kinder per Comic natürlich auch in die absolute Unsicherheit getrieben werden können. So sorgte ein Kinder-Comic der staatlichen Behörde Diyanet "Wie schön, ein Märtyrer zu sein!" in der Türkei für Aufregung … (zitiert nach stern.de).

 

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