Prävention

Patientenverfügung auch für Jüngere?

© LIGHTFIELD STUDIOS - Fotolia.com

20.12.2017 (bz) – Die Besinnlichkeit der bevorstehenden Feiertage eignet sich ideal, einmal über eine Patientenverfügung nachzudenken – oder ist das nur etwas für alte Leute?

 

 

Ein Unfall kann jeden jederzeit treffen.

Es gibt Hausärzte, die ihren Patienten, die im Traum noch nicht daran gedacht haben, eine Patientenverfügung zu verfassen, genau dieses empfehlen. Die ärztliche Argumentation ist schlüssig:

  1. Die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken, einen Schlaganfall zu erleiden oder einen Herzinfarkt, steigt mit jedem Lebensjahr.
  2. Ein Arbeits-, Verkehrs-, Sport- oder Freizeitunfall kann zudem jedermann, völlig unabhängig vom Lebensalter, treffen.

In der sozusagen amtlichen Broschüre "Patientenverfügung" des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) heißt es zum Sinn und Zweck:

"Auf diese Weise können Sie Einfluss auf eine spätere ärztliche Behandlung nehmen und damit Ihr Selbstbestimmungsrecht wahren, auch wenn Sie zum Zeitpunkt der Behandlung nicht mehr ansprechbar und nicht mehr einwilligungsfähig sind."

Die Broschüre enthält vorformulierte Textbausteine, mit denen Sie sich Ihre individuelle Patientenverfügung zusammenstellen können. Alternativ existiert für gläubige Menschen auch eine Broschüre "Christliche Patientenvorsorge" der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der Evangelischen Kirche.

Achtung: Die aktuelle BMJV-Broschüre (Stand: 1. November 2017) können Sie sich im Internet herunterladen. Die gedruckte Fassung wird zurzeit überarbeitet und neu gedruckt. Sie soll Ende Dezember 2017 wieder bestellbar sein.

Sie haben es in der Hand, ob Sie sich in Ihrer Patientenverfügung zum Beispiel so äußern:

"Ich wünsche, dass eine künstliche Ernährung und ebenso eine künstliche Flüssigkeitszufuhr und eine künstliche Beatmung begonnen oder weitergeführt werden, wenn mein Leben dadurch verlängert werden kann."

oder (z. B.):

"Wenn ich einmal so verwirrt bin, dass ich nicht mehr weiß, wer ich bin, wo ich bin und Familie und Freunde nicht mehr erkenne, so soll es dann auch nicht mehr lange dauern, bis ich sterbe. Daher möchte ich dann keine Behandlung und auch keine Maschinen, die mein Sterben nur hinauszögern."

Zugegeben, eine Patientenverfügung zu verfassen bedarf etwas mehr Aufwand als sich für eines dieser beiden Zitate zu entscheiden. Ein Beispiel für eine relativ kurz formulierte Patientenverfügung findet sich auf der Seite des Bundesanzeiger-Verlages. Alternativ bieten Hilfsorganisationen wie der Malteser Hilfsdienst e. V. oder der Johanniter Unfallhilfe e.V. Vordrucke für eine Patientenverfügung an, bei der Sie fast nur noch vorabgedruckte Textbausteine ankreuzen müssen.

Mindestens empfohlen wird in der BMJV-Broschüre folgender Aufbau (vgl. dort S. 19):

  • Eingangsformel
  • Situationen, für die die Patientenverfügung gelten soll
  • Festlegungen zu ärztlichen/pflegerischen Maßnahmen
  • Schlussformel
  • Datum, Unterschrift

Nicht vergessen: Wenn Sie Ihre Patientenverfügung formuliert haben, sollten Sie immer  einen entsprechenden Hinweis auf die Existenz einer solchen Verfügung und zu deren Aufbewahrungsort bei sich tragen. Am besten zusammen mit dem Personalausweis, denn der Notarzt oder Rettungsassistent und das Krankenhaus werden bei der Einlieferung die Identität des Patienten wissen wollen. Den Zettel legen Sie daher am besten in Ihr Portmonee zu Ihrem Personalausweis – jedenfalls dorthin, wo Rettungskräfte im Falle eines Notfalls suchen würden.

Eine sehr gute Hilfe mit aus dem Internet kostenlos abrufbaren Vordrucken und geprüfter Rechtssicherheit bietet die "Deutsche Gesellschaft für humanes Sterben" (DGHS). Mitgliedern bietet sie zudem den Notfall-Ausweis, den man sinnvollerweise bei seinem Personalausweis tragen sollte. Der Ausweis enthält einen Code, unter dem Notfallärzte telefonisch abfragen können, welche Behandlungsverfügung der Patient getroffen hat.

Für alle, die noch keinen Anlass sehen, aktiv zu werden, noch ein Argument zum Schluss: Wenn Sie Kinder haben, tun Sie’s für diese. Sie entlasten sie nämlich damit von Spekulationen im Ernstfall ("Hätte Vater/Mutter das so gewolllt?) und beugen unter Umständen auch Streit bei Uneinigkeiten zwischen Kindern vor.

 

Kontakt zur Redaktion:
bz@sicherheits-berater.de (Bernd Zimmermann)