Analyse

Lassen sich Sicherheitsthemen systematisieren?

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31.1.2018 (bz) – Stellen Sie sich vor, Sie müssten sämtliche Sicherheitsbegriffe auf vier Oberbegriffe zurückführen. Bernd Zimmermann hat’s versucht, ist ziemlich frustriert und freut sich auf Ihre Hilfe.

 

 

Das thematische Zuordnungsdilemma.

Im Sicherheits-Berater gibt es zweimal im Monat eine bunte Mischung an Sicherheitsthemen. Um die ein wenig zu ordnen, hat sich im Laufe der Zeit eine Anzahl von aktuell 22 Rubriken herausgebildet* - wobei einzelne schon zu Kleingruppen zusammengefasst worden sind:

  • Arbeitsschutz
  • Banken
  • Brandschutz/Katastrophenabwehr
  • Business Continuity
  • Datenschutz
  • Gebäudemanagement
  • Informationsschutz/Spionage
  • IT-Sicherheit
  • Krisenmanagement/-Kommunikation
  • Personenschutz
  • Recht/Versicherung/Kriminalität
  • Revision
  • RZ-Planung
  • Seminarkritik/Schulung
  • Sicherheit durch Technik
  • Sicherheitslage/Warnung
  • Sicherheitsmanagement/-Planung
  • Sicherheitssoftware
  • Terrorismus
  • Werkschutz/Sicherheitsdienstleistungen

*Themenübergreifende Rubriken wie "Editorial", "Das Stichwort" oder "Für Ihre Sicherheitsbibliothek", "Gedruckt und direkt" bleiben hier unberücksichtigt.

Das waren sogar einmal deutlich mehr – zeitweise wurden die sozusagen fallweise erfunden, um einem Beitrag eine Über-Überschrift mit dem Ziel der Nutzerführung zu geben. Ob die alten oder neuen Rubrikenlisten jeweils der Weisheit letzter Schluss waren bzw. sind … daran hatten wir schon immer Zweifel. Sicherheitsthemen unterliegen zudem einem permanenten Wandel – und das immer schneller.

Nun will der Sicherheits-Berater in absehbarer Zukunft seinen Online-Auftritt überarbeiten und eine nutzerfreundlichere Menüführung anbieten. Die Frage, die sich dabei stellt: Wie kann man zwanzig Rubriken so straffen, dass auf der obersten Ebene am Ende nur noch vier bis maximal sechs – dann etwas weiter gefasste – Rubriken übrig bleiben? Oder anders ausgedrückt: Wie lässt sich die Themenvielfalt rund um sicherheitsrelevante Inhalte auf eine Handvoll "Schubladen" reduzieren?

Vorweg ist festzuhalten: Das Thema Sicherheit ist uferlos, allumfassend und praktisch nicht begrenzbar. Der Beweis: Im Deutschen ist praktisch jedes Substantiv – und damit jeder Inhalt – mit dem Wort "Sicherheits" erweiterbar:

  • Sicherheitsberater
  • Sicherheitskugelschreiber
  • Sicherheitsmann
  • Sicherheitsmanager
  • Usw.

Selbst auf den ersten Blick ungebräuchliche bzw. unnütze Kombinationen wären durchaus vorstellbar:

  • Sicherheitsgemüse
  • Sicherheitsfoto
  • Sicherheitsschienbein
  • Sicherheitsträume
  • Sicherheitstraurigkeit

Lässt sich diese potenzielle Themenvielfalt dennoch strukturieren und lassen sich sinnvolle Themenfelder identifizieren?

Wie wäre es mit der angloamerikanischen Sichtweise? In den englischsprachigen Ländern bietet sich bekanntlich das kleinstmögliche Unterscheidungskriterium für eine Einstiegskategorisierung an:

  

Vorteil: Die beiden Begriffe würden tatsächlich alle denkbaren Sicherheitsthemen abdecken. Problem: Die allermeisten der oben genannten Rubiken wären allein unter dem Begriff SECURITY zu subsumieren. Insofern wäre die Aufgabe einer Gliederung, nämlich die Themenvielfalt zu entwirren, gescheitert. Ganz davon abgesehen sind die allgemein bekannten Definitionen von Security und Safety für Nicht-Angloamerikaner nicht immer so ohne Weiteres nachvollziehbar bzw. verständlich. Genauso gut kann die Unterscheidung zwischen Arbeitsschutz und Arbeitssicherung in Haarspalterei ausarten.

Aber es bleiben ja noch zwei weitere zu besetzende Menüpunkte. Um es abzukürzen: Wir haben verschiedene viergliedrige Menüführungen auf Zuordnungspraktikabilität getestet – immer hakte es irgendwo. Die einzelnen in der Rubrikenliste oben genannten Punkte ließen sich nicht vollständig und eindeutig einem Menüpunkt zuordnen. Die Zuordnungsexperimente mit Oberbegriffen wie "Physische Sicherheit" (z. B. Sicherheitstechnik, Türen, Fenster … ), "Virtuelle Sicherheit" (z. B. Sicherheitsplanung, Konzepte), "IT-Sicherheit", "Rechtssicherheit", "Präventionssicherheit" (also das Umfeld der Sicherheitsplanung), "Reaktionssicherheit" (also das Umfeld der Schadensbehebung, z. B. im Rettungswesen) etc. etc. blieben unbefriedigend.

Natürlich haben wir uns auch bei der Medienkonkurrenz umgesehen. Ergebnisse: Jeder macht es anders. Es existiert offenbar keine übereinstimmende Nomenklatur. Und: Die Systematisierungen der anderen sind auch nicht besser, sprich uneindeutig.

Einen unserer diskutierten Ansätze möchten wir hier nicht unter den Tisch fallen lassen, sondern zur Diskussion stellen:

Unter "Rechtssicherheit" verstehen wir z. B. Compliance, Sicherheitsnormen, Gesetze, Zertifizierungsthemen, Revisionsthemen – immer wieder wichtige Themen im Sicherheits-Berater. Die lassen sich relativ gut dem Menüpunkt "Rechtssicherheit" zuordnen. Bei anderen Sicherheitsthemen hat die eindeutige und exklusive Zuordnung zu einem dieser vier Menüpunkte wieder nicht funktioniert. Beispiele: Personenschutz, Kriminalität, Brandschutz lassen sich mehr als einem Menüpunkt zuordnen.

Quod erat demonstrandum: Wie man’s macht, es ist verkehrt. Oder hat jemand einen rettenden Einfall? Fällt Ihnen als Leser etwas Besseres ein? Wie würden Sie die Welt der Sicherheitsthemen systematisieren? Wir freuen uns auf Ihre Anregungen!

 

Kontakt zur Redaktion:
bz@sicherheits-berater.de (Bernd Zimmermann)