Kommentar

Die Lieblingsopfer von Kriminellen.

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31.1.2018 (bz) – Alte Leute, vor allem alleinstehende, werden brutal abgezockt, bei Alltagsgeschäften übervorteilt und von Kriminellen um ihre Existenz gebracht. Kümmern Sie sich um Ihre (Groß-)Eltern!

 

 

Alte Leute brutal abgezockt.

Manchmal muss man einfach Tacheles reden: Ich könnte kotzen, wenn ich sehe, wie brutal alte Menschen abgezockt werden. Das Delikt des Alte-Menschen-Betrügens kommt für mich gleich hinter der Kinderschändung – und es sollte auch entsprechend geahndet und bestraft werden. Als Seniorin oder Senior scheint man heutzutage zum Lieblingsopfer von Kriminellen und geschäftstüchtigen netten Mitmenschen zu werden. Sehr beängstigend ist das – so weit entfernt von dieser Rolle bin ich als fortgeschrittener Erwachsener ja nun auch nicht mehr. Wenn es nur damit getan wäre, dass in der Straßenbahn kaum noch jemand für Alte aufsteht und einen Platz anbietet – kein Wunder, wenn fast alle alt sind.

Der Seniorenbeschiss beginnt indirekt, machen wir uns schon einmal darauf gefasst: Wenn Sie alt sind, sagen wir, ohne jemandem weh tun zu wollen, so ab 75, werden Sie es schätzen, wenn man Ihnen mit Servicefreundlichkeit begegnet. Seien Sie froh, Sie werden darauf nicht verzichten müssen – Hauptsache, Sie bezahlen dafür. Natürlich versichert Ihnen der freundliche Herr von der ortsansässigen Assekuranz gern Ihr neues Auto. Wenn Sie wirtschaftlich halbwegs gut versorgt aussehen, wird er garantiert nicht danach fragen, ob Ihr neues Gefährt ein Garagenfahrzeug ist, ob Sie es nur 500 Kilometer im Jahr zu bewegen gedenken, ob es irgendwelche Anhaltspunkte für einen Nachlassbonus gibt. Nein, er verkauft Ihnen die Alles-in-allem-rundum-glücklich-Police zu einem Preis, bei dem jeder jüngere Autofahrer den Versicherungsvertreter sofort als Halsabschneider des Tages in den sozialen Netzwerken outen würde.

Der gesamte Dienstleistungsbereich, vom Zahnarzt, der einer 87-jährigen Frau eine neue Kauleiste für 11.000 Euro verpasst, über den freundlichen Klempner, der sich beim viermaligen Nachbessern einer Installation auch viermal bezahlen lässt, bis hin zum Schlüsseldienst, dem Sie hilflos ausgeliefert sein werden – fährt bisweilen ganz gern das volle Serviceprogramm (Ausnahmen bestätigen selbstverständlich die Regel). Lang lebe die investigative WISO-Oma mit dem (Lautsprecher-)Knopf im Ohr, über den ihr ein Fachmann mit Sachverstand unter die Arme greift!

Aber das sind nur so die legalen Über-den-Tisch-zieh-Gefahren, die auf Sie lauern. Richtig kreativ werden dagegen Profikriminelle bei ihrer Lieblingsbeschäftigung, nämlich Sie von Ihrem Geld zu trennen. Wobei die professionelle Dreistigkeit so weit reicht, Sie nicht mit bloßer Kaffeefahrtkriminalität zu schädigen, sondern Sie auch von Ihrer kompletten Existenzgrundlage zu befreien. Da werden Senioren in betrügerischer Absicht angerufen und auf dem Telefondisplay der Angerufenen wird die Rufnummer 110 angezeigt. Da geben sich Anrufer als Bankangestellte oder Polizeibeamte aus und bringen die Senioren tatsächlich dazu, horrende Beträge, bis hin zu den gesamten Ersparnissen, vom Konto abzuheben und den Betrügern zu übergeben (recherchiert z. B. von der ARD und in der ARD Mediathek anzusehen). Da kann man schon froh sein, wenn man mittels Enkeltrick nur um einen Tausender erleichtert wird. Hand aufs Herz: Auf solche kaum zu durchschauenden Tricks würden auch viele Jüngere jederzeit hereinfallen.

Deshalb folgende Empfehlung: Wenn Sie Eltern, Verwandte, Nachbarn und Freunde im Seniorenalter haben, helfen Sie ihnen. Machen Sie sie auf Warnhinweise in Zeitungen oder im Netz aufmerksam, z. B. auf die Broschüre "Rate mal, wer dran ist!" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend oder die Seite www.pfiffige-senioren.de. Oder haben Sie lange Jahre als Sicherheitsverantwortlicher im Unternehmen oder als Polizeibeamter gearbeitet? Dann haben Sie gute Chancen, Ihr Wissen ehrenamtlich als Sicherheitsberater für Senioren (gelegentlich auch Sicherheitsbeauftragte genannt) weitergeben zu können. Ihre Stadtverwaltung (Ordnungsamt) oder auch die nächste Verbraucherberatungsstelle klärt Sie gern über die entsprechenden Möglichkeiten (oft verbunden mit Schulungsangeboten) auf. Und sollte es in Ihrer Kommune noch keinen Seniorenberater geben sollte, könnten Sie sich ja einmal aktiv anbieten.

 

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bz@sicherheits-berater.de (Bernd Zimmermann)