Interview

Auf Du und Du mit der Drohne.

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2.3.2018 (bz) – Christian Caballero (cc) gewann gerade den Hamburger Sicherheitspreis 2017/2018 – mit einem Ausbildungskonzept für Drohnenpiloten, das er mit seiner FlyNex GmbH bereits erfolgreich anbietet. Bernd Zimmermann (bz) sprach mit ihm.

 

"Und dann können Sie professionell eine Drohne steuern."

Christian Caballero
Co-Founder and COO
FlyNex GmbH, Leipzig

bz: Herzlichen Glückwunsch, Herr Caballero, zum zweiten Platz beim Hamburger Sicherheitspreis 2017/2018. Ausrichter sind die Handelskammer Hamburg, die Hochschule für Management und Sicherheit NBS in Hamburg und die Polizei Hamburg. Sie erhalten den Preis für Ihren Beitrag "Konzept für die Ausbildung von Steuerern und Bedienern von unbemannten Luftfahrtsystemen/Drohnen". Von der Jury ist zu hören, dass diese den "innovativen Charakter" und den "sehr hohen Praxisbezug" Ihres Konzeptes besonders lobte.

cc: Vielen Dank. Mit dem sehr hohen Praxisbezug ist gemeint, dass ich den Fokus gelegt habe auf die sogenannten BOS, das sind Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, also zum Beispiel Feuerwehr, Rettungsdienst, Katastrophenschutz, Polizei. Die benötigen laut § 21a Abs. 2 der Luftverkehrs-Ordnung eigentlich gar keine Erlaubnis für den Betrieb von Drohnen, die sie zum Beispiel für die Branderkennung oder die Suche nach Vermissten einsetzen. Aber in diesen Organisationen ist offenbar ein Bewusstsein dafür vorhanden, wie komplex das Anforderungsprofil von Drohnenpiloten sein kann. Die halten Human Factors für ein riesen Thema, weil sie Belastungen, den Schichtdienst und den Stress ihrer eigenen Einsatzkräfte natürlich kennen. Human Factors ist ein in der Sozialwissenschaft sehr rege diskutierter Fachbegriff. Es geht dabei um den menschlichen Faktor im Bereich der Mensch-Maschine-Kommunikation – ohne zu tief ins Detail gehen zu wollen. Damit wären wir dann auch gleich bei SORA, also dem "Specific Operations Risk Assessment"  von JARUS, einem internationalen Expertengremium. Kurzum und stark vereinfacht, es steht die Empfehlung im Raum, Drohnenpiloten so auszubilden, dass sie einer hochkomplexen Aufgabe – auf Basis von Wissen, von motorischen Fähigkeiten im dreidimensionalen Raum, von Gesetzesgrundlagen und vielem mehr - gewachsen sind. Und diesem Anspruch wird mein Ausbildungskonzept gerecht.

bz: Als Preisträger dürfte Ihnen jetzt die akademische Karriereleiter offenstehen.

cc: Das führt Sie jetzt auf eine völlig falsche Fährte. Ich habe den Preis nämlich als Privatmensch und nicht als Uni-Angehöriger eingereicht. Ich bin Mitgründer und COO, also Chief Operating Officer, des Startup-Unternehmens FlyNex, mit Standorten in Hamburg und in Leipzig, in dem mittlerweile 15 Angestellte arbeiten. Irgendwann kam mein ehemaliger Professor Dr. Röhl mit einer Teilnahmeempfehlung auf mich zu, weil er meine Firma kennt und weiß, dass ich mich mit der sicherheitsrelevanten Drohnenthematik intensiver befasse. Er kennt ja auch meine Biografie, aus der hervorgeht, dass ich bereits Bundeswehroffizier mit Bezug zum Luftsicherungsbereich war. Schließlich und endlich trete ich auch als Referent beim NBS-Sicherheitsforum am 28. Februar auf, bin in einem DIN-Normungsausschuss aktiv und Speaker bei diversen UAV-Veranstaltungen.

bz: Dann sprechen wir über Ihr Unternehmen und darüber, wie Sie mich zum Drohnenpiloten machen können. Ich habe mir auf Ihrer Webseite die kostenlose Landkarte "Map2Fly" angesehen. Da kann man sich alle möglichen Einschränkungen des Drohnenflugbetriebes für jeden beliebigen Ort in Deutschland anzeigen lassen. Weder an meinem Arbeitsplatz in Bonn noch an meinem Wohnort dürfte ich wohl eine Drohne aufsteigen lassen. Entweder ist es die Zweimann-Polizeidienststelle in der Nachbarschaft oder die Bundesstraße oder das Wohngebiet oder das Naturschutzgebiet usw. usw., was als Ausschlusskriterium gilt. Wozu brauche ich da noch einen Drohnenführerschein, wenn es doch überall nur Verbote gibt?

Bildausschnitt Map2Fly Pro
Bildquelle: FlyNex GmbH

cc: Erst einmal bleibt festzuhalten, dass wir unser erzieherisches Ziel der Sensibilisierung für die extrem anspruchsvolle Gesetzeslage bei Ihnen – wie bei mehr als 70.000 weiteren Usern - offenbar schon erreicht haben. Als Privatdrohnenpilot laufen Sie andernfalls schnell Gefahr, empfindlich hohe Strafen im Falle von Gesetzesverstößen zahlen zu müssen. In unsere Karte lassen wir tatsächlich alle Geodaten, an die wir gelangen können, einfließen. Damit  bieten wir  auch Kartendaten der Deutschen Flugsicherung und vieler weiterer relevanter Stellen, welches meines Erachtens einmalig ist in Deutschland. Hinter vorgehaltener Hand erfahren wir sogar, dass auch Behörden bevorzugt mit unserer Karte arbeiten. Und das alles können Sie in der Standardversion gratis, wenn Sie nicht unsere kostenpflichtige Version Map2fly Pro für knapp 50 Euro pro Jahr buchen wollen. Mit der Pro-Version können Sie dann auch konkrete Flugrouten einzeichnen, planen, validieren und einiges mehr. Aber zurück zu Ihrem Einwand: Wir weisen darauf hin, wo in welchen Räumen nicht einfach ohne jegliche Genehmigungen geflogen werden darf. Wenn Sie also in einem Gebiet mit einem Betriebsverbot aufsteigen wollen, müssen Sie also die Zustimmung des Betreibers einholen oder bei der zuständigen Behörde eine Zulassung zur Ausnahme beantragen. Dann dürfen Sie auch dort fliegen. Unsere Softwarelösung hilft Piloten dabei diese Genehmigungen einzuholen.

bz: Zurück zum Stichwort Ausbildungskonzept. Wer Drohnenpilot werden will, muss jede Menge über solche Vorschriften wissen.

cc: Das Wissen um das Luftrecht ist nur eines der großen drei Inhaltsgebiete unseres Syllabus. Das zweite ist die Meteorologie. Und das dritte der Flugbetrieb und die Navigation selbst. Was das Pauken von Inhalten angeht, bieten wir eine kostenlose App "FlySchool" an. Die enthält knapp 700 Fragen und dokumentiert Ihren Lernfortschritt statistisch. Wenn Sie diese Fragen allesamt beantworten können, haben Sie gute Chancen, den sogenannten Kenntnisnachweis zum Führen einer Drohne zu erhalten, indem Sie bei einer anerkannten Stelle eine entsprechende Prüfung bestehen. Solche Stellen sind auf der Seite des Luftfahrtbundesamtes gelistet.

bz: Pauken ist die eine Sache. Praktisches Üben eine andere. Auf Ihrer Website bieten Sie dazu Trainingsmöglichkeiten an.

Schulungsunterlagen (Beispiel)
Bildquelle: FlyNex GmbH

cc: Das ist richtig. Wir trainieren Trainer, indem wir ihnen unser Ausbildungskonzept mit allen darin beschriebenen Daten und Erkenntnissen und zahlreichen Schulungsunterlagen anbieten. Das heißt, Schulungsbetriebe und Ausbildungseinrichtungen können Lizenzen für unser Ausbildungskonzept erwerben. Aber Ihre Frage zielt darauf ab, ob wir selbst Sie auch trainieren würden. Die Antwort lautet JA, auch das ist möglich, macht aber nur im professionellen Bereich Sinn. Wenn Sie also Sicherheitsverantwortlicher eines großen Unternehmens sind und zum Beispiel Drohnen im Werkschutz oder Brandschutz einsetzen wollen, kommen wir auch persönlich in Ihren Betrieb, analysieren mit Ihnen zunächst die Bedrohungslage und üben dann im Rahmen eines Crashkurses auch das Drohnenfliegen mit Ihnen. Das Ganze orientiert sich dann natürlich am entsprechenden Schutzziel, d. h., wenn Sie Drohnen zu Observationszwecken einsetzen, zeigen wir Ihnen nicht nur, wie Sie Drohnen bei sogenannten "Air-to-ground-operations" zweckmäßig steuern, sodass Sie das Geschehen am Boden mit der Aktion der Drohne synchronisieren können. Wir schulen auch Ihre Fähigkeit zur sinnvollen Bildinterpretation. Ohne einen professionellen Blick auf die Daten, die Ihnen die Drohne liefert - zum Beispiel einer Foto-, Film- oder Wärmebildkamera - finden Sie vermutlich weder die Nadel im Heuhaufen, noch das verschüttete Erdbebenopfer noch den Aggressor, der Ihren Werkzaun übersteigt. Wenn wir Sie trainiert haben, können Sie jedenfalls professionell im Sicherheitsbereich oder im gewerblichen Bereich eine Drohne steuern.

bz: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Caballero.

HINWEIS:
Dieses Interview wurde auf Grund eines Irrtums am 1. März 2018 nicht in der letzten Textfassung hochgeladen. Die Publikation der letzten Textfassung erfolgte am 2.3.2018 – und nur diese wurde vom Interviewpartner autorisiert. 

 

Kontakt zum Interviewpartner:
c.caballero@flynex.de (Christian Caballero)

Kontakt zur Redaktion:
bz@sicherheits-berater.de (Bernd Zimmermann)