Kommentar

Lesen, schreiben, schwimmen lernen.

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28.3.2018 (bz) – In Deutschland ertrinken Menschen, weil sie nicht schwimmen können. Als Schwimmer wären sie nicht nur noch am Leben – sie hätten auch mehr Spaß daran, meint Bernd Zimmermann.

 

 

Ertrinken macht keinen Spaß. Schwimmen schon.

Laut DLRG Barometer sind 2017 mindestens 404 Menschen ertrunken – die meisten von ihnen in Binnengewässern, die von den DLRG-Rettungsschwimmern unbeaufsichtigt waren. Dass überhaupt Menschen ertrinken, weil sie nicht schwimmen können, kommt mir so vor, als könne jemand nicht lesen und schreiben. Ich versuche mir vorzustellen, wie das ist, wenn man mit dem Ruderboot auf dem Wannsee kentert – und untergeht. Für einen einigermaßen erfahrenen Schwimmer wie mich eigentlich unvorstellbar, dass jemand nicht weiß, wie man mit minimalen Bewegungen der Gliedmaßen den Kopf über Wasser halten kann. Hermann Feldmeier hat die Folgen dieser Unfähigkeit damals nach dem Tsunami im Indischen Ozean in der WELT einmal ausführlich beschrieben. Nicht schön: Gerät der Nichtschwimmer mit Nase und Mund unter Wasser, hält er bestenfalls eine Minute lang die Luft an. Dann zwingt ihn der Körper zum Einatmen – in diesem Falle leider Wasser. Den Rest sollte nur nachlesen, wer starke Nerven besitzt ("Der nasse Tod"). Nur so viel noch: Im Süßwasser stirbt es sich langsamer als im salzigen Meerwasser. Wer das Schwimmen beherrscht ist da klar im Vorteil.

Laut DLRG (Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e. V.) ist Schwimmen und Schwimmen jedoch zweierlei. Nur das "sichere" Schwimmen könne die Unfallgefahr senken. Und das sei mit dem Erwerb der sogenannten "Seepferdchen"-Bescheinigung nicht erreicht: "Als sicherer Schwimmer kann nur gelten, wer die Disziplinen des Jugendschwimmabzeichens in Bronze sicher beherrscht", so der DLRG-Vizepräsident. Früher nannte man das "Freischwimmer" – womit mindestens ein Kopfsprung vom Beckenrand eines Schwimmbades mit anschließendem 15-minütigen Schwimmen gemeint ist.

Sinn, Zweck und Didaktik des Schwimmenlernens sind in aller Ausführlichkeit in einem Dokument der Kultusministerkonferenz erläutert, über weite Strecken jedoch etwas zu trocken und langatmig ("Die Schwimmbewegungen lassen sich für den Vortrieb einsetzen, indem das Wasser als Widerlager für den Abdruck genutzt wird … "). Ein bisschen kurz kommt in dem Papier auch der Ausdruck von Lebensfreude, die jeder Schwimmer kennt, wenn er die Erdanziehungskraft einmal etwas anders erlebt. Deshalb möchte ich, zugegeben etwas unkultivierter als die Ministerkonferenz, hinzufügen: "Es ist total geil für einen Jugendlichen, mit Anlauf vom Dreiersprungbrett zu springen und eine meterhohe Arschbombe hinzubekommen." Springen, tauchen, schwimmen – das macht einfach höllischen Spaß und vermittelt ein exklusives Körpergefühl. Wo sonst als im Schwimmbad kann man sich noch annähernd schwerelos im dreidimensionalen Raum bewegen – und das auf relativ preiswerte Art? Wie könnten Eltern ihre Kinder besser vor dem Verfetten schützen als durch die Teilnahme am Schwimmunterricht mit anschließender Jahresfreikarte fürs Frei- oder Hallenbad? Das setzt allerdings auch das aktive Engagement voraus, sich laut gegen die Schließung von Bädern zu artikulieren. Und noch eines zu guter Letzt: Regelmäßige Schwimmer, respektive Schwimmerinnen aller Altersklassen, erkennt man daran, dass sie ganz einfach eine bessere Figur abgeben!

 

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bz@sicherheits-berater.de (Bernd Zimmermann)