Satire

Frei vom generischen Maskulinum.

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28.3.2018 (bz) – Der Bundesgerichtshof verweigerte einer Feministin das Recht auf die Ansprache "Kundin". Als kleine Entschädigung verweiblichen wir unseren Aufmacher.

 

 

Plötzlich Reichsbürgerin und Staatsfeindin.

Sicherheits-Berater direkt und auch der Sicherheits-Berater nutzen meist das sogenannte "generische Maskulinum", also die geschlechtsübergreifend männliche Form der Ansprache. Beispiel: "liebe Leser" oder "verehrte Abonnenten". Damit meinen wir ganz selbstverständlich immer auch die hochgeschätzten Damen.

Eine resolute Dame, die Kundin einer Sparkasse, hat gegen eine solche Wortwahl geklagt. Sie wollte explizit als "Kundin" und nicht als "Kunde" angesprochen werden. Der Fall ging bis zum Bundesgerichtshof. Der wies die Klage ab mit der Begründung, dass es sich nicht um eine Benachteiligung handele (eine ausführlichere Darstellung des Urteils findet sich auf kostenlose-urteile.de).  

Einerseits ist Sicherheits-Berater direkt natürlich erleichtert. Immerhin stehen wir mit unserem generischen Maskulinum offenbar auf dem Boden des geltenden Rechts. Andererseits will man auch Trost spenden. Anbei unser Heftaufmacher aus dem Sicherheits-Berater 6/2018 ohne generisches Maskulinum – mit ausschließlich weiblichen Personenbezeichnungen. Viel Spaß bei der Lektüre!

 

Seltsame Zeitgenossinnen mit Reichsführerschein

Die Szene der sogenannten Reichsbürgerinnen und Selbstverwalterinnen umfasst laut Verfassungsschutz rund 16.500 Personen, davon ca. 900 Rechtsextremistinnen. Diese Leute bestreiten die legitime Existenz der Bundesrepublik Deutschland. Ein nicht unerheblicher Teil von ihnen ist bewaffnet (lt. Verfassungsschutz 1.100 Personen) und als rechtsextrem einzuschätzen. Das lässt keinen anderen Schluss zu, als sie als Staatsfeindinnen betrachten zu müssen. Und es werden immer mehr, die jetzt plötzlich feststellen, dass unser seit Jahrzehnten existierender Staat (zweitweise als zwei Staaten) eigentlich gar nicht existiert. Vielleicht ist es ja einfach nur die Freude am Widerstand, die solche Blüten treibt. Man fragt sich jedenfalls, wo diese Leute entbunden wurden und zur Schule gegangen sind … wenn nicht auf deutschem Boden. Das Psychogramm von aktiven "Reichsbürgerinnen" dürfte dem von Brandstifterinnen sehr ähnlich sein – die wissen auch nicht, was sie tun.

Es sei jederfrau freigestellt, ein Grundstück zu erwerben, darauf ein Haus zu bauen, darin einen Thron aufzustellen, sich mit Zepter und Reichsapfel aus dem Kostümverleih zu bewaffnen und ihr königliches oder gar kaiserliches Hoheitsprivatgebiet zu zelebrieren – solange sie ihre Steuern zahlt und sich an die Gesetze der Bundesrepublik Deutschland hält. Aber wer sich weigert, Gerichtsbeschlüsse und Verwaltungsentscheidungen zu beachten, der sollte der Staat unmissverständlich klarmachen, dass es ihn noch gibt. Und wer gar finanzielle Unterstützungen der Bundesrepublik, z. B. Leistungen nach Hartz IV, erhält, die sollte doch wohl das "Recht", als unabhängige und autarke "Reichsbürgerin" zu leben, eindeutig verwirkt haben.

Wer die faktische Existenz der Bundesrepublik Deutschland in Frage stellt, hat einfach nicht mehr alle Tassen im Schrank – genau wie diejenigen Zeitgenossinnen, die allen Ernstes den tausendfach und unzweifelhaft dokumentierten Holocaust in Frage stellen (Holocaustleugnerinnen finden sich unter Reichsbürgerinnen auffallend viele). Nun muss frau nicht jede Menschin mit grenzdebiler Lernbehinderung oder irrer Provokationslust inhaftieren – solange sie keine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt, möge sie sich ihres exotischen Lebens im Rahmen unserer Inklusionsbemühungen erfreuen. Aber wer z. B. sein Auto in der völlig irrigen Annahme, im Recht zu sein, nur noch mit "Reichsführerschein" fährt, begeht nicht nur Urkundenfälschung. Wer bei einer Verkehrskontrolle allen Ernstes behauptet, sie sei Königin von Deutschland, und die Autorität der Polizei in Frage stellt, sorry, was soll frau mit der anderes tun als ihre Zuverlässigkeit im Straßenverkehr anzuzweifeln und auf der Stelle ihre Fahrerlaubnis einzuziehen? Die Bundesratsinitiative der hessischen Innenministerin, Extremistinnen wie Reichsbürgerinnen schneller ihrer (legalen) Waffen zu entledigen, ist nur folgerichtig: Die Behörden sollen zur Regelanfrage an die Verfassungsschutzbehörden verpflichtet werden. Liegen dort entsprechende Daten vor, sollen die Waffenbesitzerinnen automatisch als unzuverlässig im Sinne des Waffengesetzes gelten.

Die Reichsbürgerinnenseuche scheint mittlerweile schon derart heftig zu wüten, dass sich das NRW-Innenministerium dazu genötigt fühlte, den Behörden eine Broschüre "Reichsbürgerinnen und Selbstverwalterinnen – erkennen, einordnen, richtig handeln" bereitzustellen (Kurzlink bit.ly/2CqNzc6). Die Warnung darin ist deutlich – man solle sie nicht einfach als harmlose Querulantinnen abtun. Und: Bislang sind die Ziele der selbsternannten Reichsbürgerinnen überwiegend Behörden. Das wird nicht so bleiben. Es ist zu befürchten, dass auch Unternehmen angegangen werden. Daher sollten auch deren Sicherheitsverantwortlichinnen die Broschüre des NRW-Innenministeriums lesen und sich mit ihren Justiziarinnen auf Angriffe vorbereiten – Stichwort "Malta-Masche" (Inkassobetrug). Die Sicherheits-Beraterin rät eindringlich: Bitte nehmen Sie diese Gefahr nicht auf die leichte Schulter! RAINA VON ZUR MÜHLEN/BERNHARDINE ZIMMERFRAU

Stichworte:    Malta-Masche – ReichsbürgerinnenSelbstverwalterinnen – Verfassungsschutz

 

Hand aufs Herz, ob die Themen, die der Sicherheits-Berater regelmäßig behandelt, immer so schmeichelhaft rüberkämen, wenn wir künftig nur noch weibliche Formen benutzten?  Plötzlich hat man es nämlich gehäuft mit Verbrecherinnen zu tun.

Das männliche Original des Beitrags finden Sie übrigens hier.

 

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bz@sicherheits-berater.de (Bernd Zimmermann)