Veranstaltung

Die Konferenz der Skeptiker.

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31.7.2018 (bz) – Sie nennen sich "Skeptiker" und pflegen das kritische Denken. Ihre Konferenz "Skepkon2018" bot ein paar interessante Einsichten.

 

 

Keine Chance dem Hokuspokus.

Skeptiker zeichnen sich laut Wikipedia durch ein Denken und Verhalten aus, das zur Skepsis, also zum Zweifel, neigt. Dass es sich dabei nicht um weltfremde Eigenbrötler handeln muss, zeigt die Skeptikerbewegung, in der sich solche Menschen – viele davon Wissenschaftler - organisieren. Vom 10. bis 12. Mai 2018 veranstalteten sie ihre Konferenz SKEPKON in Köln mit dem Ziel, zum kritischen Denken anzuregen.

Die Referenten auf der SKEPKON vertreten durchaus die Meinung, dass es viele Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die wir (noch) nicht verstehen – sie wollen aber zugleich auch nicht einsehen, dass man die Interpretation solcher Dinge den Quacksalbern, Wunderheilern, Sternendeutern, Wünschelrutengängern, Glaskugelschauern, Pendelschwingern und Verschwörungstheoretikern aller Art überlassen sollte. Die SKEPKON wird organisiert von der GWUP, der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V. Diese untersucht parawissenschaftliche Thesen nach dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand und berichtet öffentlich und allgemeinverständlich über ihre Ergebnisse.

Sicherheits-Berater direkt nutzte die Auftaktveranstaltung SKEPTICAL zu einem Besuch, um sich einen Eindruck von der Veranstaltung zu verschaffen.

Volles Haus im Kölner Mediapark beim "SKEPTICAL", der Auftaktveranstaltung der SKEPKON
Bildquelle: TeMedia Verlags GmbH

Hier waren, das darf man sicher so sagen, gleich mehrere Stars der Skeptikerszene zu sehen, z. B. die ehemalige Homöopathin und heute aus Funk und Fernsehen bekannte Homöopathiekritikerin Dr. Natalie Grams vom Informationsnetzwerk Homöopathie (INH), die vor allem in Internet und in Social-Media-Kanälen bekannte Dr. Anna Zakrisson ("Doctor Anna's Imaginarium") oder die Kriminalpsychologin und Buchautorin ("Die Psychologie des weiblichen Bösen") Lydia Benecke.

Veranstalter der SKEPKON ist die GWUP
Bildquelle: TeMedia Verlags GmbH

Die Auftaktveranstaltung der SKEPKON, die SKEPTICAL, begann gleich mit einer 50.000-Euro-Challenge: Wer bei einem Globuli-Fläschchen ohne Beschriftung den Wirkstoff beziehungsweise die Urtinktur angeben kann, gewinnt 50.000 Euro. Natalie Grams sagte jedoch voraus, dass sich kein Homöopath dieser Herausforderung stellen würde.

Skeptiker lesen gern skeptische Literatur: Bücherstand im Foyer
Bildquelle: TeMedia Verlags GmbH

Wer sich mit den Argumenten der Skeptiker auseinandersetzen mag, der findet im Netz zahlreiche Videomitschnitte nicht nur von der Auftaktveranstaltung, sondern von der gesamten SKEPKON. Hier nur drei ausgesuchte Beispiele:

Der Personaldiagnostikexperte Prof. Dr. Uwe Peter Kanning widmete sich einem Thema, das auch Unternehmen interessieren dürfte, die fachlich und charakterlich geeignete Sicherheitsmanager einstellen möchten:

Fragwürdige Testverfahren in der Personalarbeit

Prof. Kanning hält Testverfahren im Rahmen der Personalauswahl durchaus für sinnvoll. Er bezeichnet allerdings viele aktuell in den Unternehmen praktizierte Testverfahren aus wissenschaftlicher Sicht für völlig überholt. Er beklagt:

"Die Wahrscheinlichkeit, dass die Intelligenz einer Spitzenführungskraft in Deutschland gemessen wird, liegt bei unter einem Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Handschrift gedeutet wird, ist dreimal höher."

Er hält Deutschland für ein Entwicklungsland, wenn es um die Eignungsdiagnostik geht. Und er kritisiert die nach wie vor oft praktizierten sogenannten "typologischen Verfahren", die auf völlig veraltete Theorien von C. G. Jung (Schüler Sigmund Freuds) zurückgingen. Im Rahmen solcher Verfahren würden zum Beispiel Mitarbeiter als Farbtypen ("Du bist ein blauer Typ, Du bist ein gelber Typ" etc.) charakterisiert und sozusagen in unzutreffende Schubladen gesteckt. In der Praxis führe das dann zum Beispiel zu der irrigen Annahme, beim "roten" Typ müsse man nur emotional argumentieren. Dabei würden völlig unterschiedliche Typen in gleiche Schubladen ("Stereotypen") gesteckt, was in keinster Weise zur Problemlösung im Unternehmen führen könne.

Interessant für alle, die sich mit der Sicherheit der Erkenntnis und dem Wahrheitsgehalt von Studien und vermeintlichen Forschungsergebnissen befassen, ist der Beitrag von Prof. Dr. Wolfgang Hell:

Signifikant! Replikationskrise in der Psychologie

Prof. Hell räumt auf mit vielen Forschungsergebnissen aus dem Bereich der Psychologie. Er hält deren vermeintliche Forschungsergebnisse zum Teil für zweifelhaft. Das heißt, er setzt sich kritisch auseinander mit dem, was man als seriöse Forschung bezeichnet – also ausnahmsweise nicht mit den sogenannten Parawissenschaften. Aussagen wie "Wer Kaiser, König oder Fürst heißt, arbeitet häufiger in Spitzenpositionen als Kollegen mit Namen Bauer, Schäfer oder Maier", sagt er, seien nicht replizierbar (mit diesem Ergebnis wiederholbar). Er erklärt dann detailliert, wie es zu vielen Fehlern beim Experimentieren kommen kann und warum vermeintlich signifikante (deutliche) Forschungsergebnisse eben doch falsch sein können. Der Vortrag setzt ein gewisses Maß an akademischer Vorbildung oder Sympathie voraus.

Absolut allgemeinverständlich ist dagegen der Vortrag von Sebastian Herrmann, Chef vom Dienst einer Wissenschaftsredaktion, mit

Gefühlte Wahrheiten

Er gibt "ein paar Handreichungen für den Umgang mit Starrköpfen", also mit Menschen, die entgegen der Faktenlage Dinge vertreten, an die sie ohne Rücksicht auf den Wahrheitsgehalt fest glauben. Dabei vertritt Herrmann nicht die eigentlich plausible Haltung, man müsse solchen Menschen nur genügend Fakten entgegenhalten, um sie zu einer etwas objektiveren Sicht der Welt zu befähigen. Vielmehr müsse man ein Gefühl von Wahrheit erzeugen, wenn man es mit Starrköpfen zu tun habe. Dazu einer seiner Tipps:

Wiederholen Sie keine Falschinformationen – auch nicht, um sie zu widerlegen. Andernfalls geraten Sie in das Dilemma eines jeden Aufklärers, der glaubt, mit einem "Faktencheck" eine Diskussion versachlichen zu können. Er rät explizit dazu, damit aufzuhören, z. B. die Themen der AFD und anderer Populisten zu kommentieren und zu teilen. Dadurch würde man die Aufmerksamkeit für deren Botschaften noch vergrößern. Das Allerschlimmste für Parteien wie diese sei es nämlich, wenn sie ignoriert würden. Stattdessen solle man die Argumentationskette umkehren: So könne man z. B. Fakten zur Flüchtlingsfrage (Beispiel: Die gefühlte Anzahl der Flüchtlinge ist deutlich höher als die tatsächlich belegbare Anzahl) auch ohne Nennung der AFD und deren Mythen kommunizieren. Sein Gegenmittel bei Starrköpfen sei es daher, Fakten unabhängig vom Verweis auf irgendwelche Mythen zu verbreiten.

Auf Youtube gibt es übrigens auch zu den SKEPKONs der vergangenen Jahre noch erhellende Beiträge zu sehen. Die SKEPKON 2019 findet vom 30. Mai bis 1. Juni 2019 in Augsburg statt.

 

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bz@sicherheits-berater.de (Bernd Zimmermann)