Glosse

Diebstahlschutz: So wird das nichts.

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30.8.2018 (bz) – Verstecke für Wertvolles in der Wohnung sind super – solange sie der Einbrecher nicht kennt. Und davon ist nicht auszugehen.

 

 

Den Klunker bloß nicht ins Eisfach! 

Gibt es eigentlich noch Verstecke, die der Einbrecher nicht kennt? Wohl kaum – denn über die allerbesten kann er sich auf Youtube informieren. So entsteht eine paradoxe Situation … 

"Es gibt kein Versteck, dass der Einbrecher nicht kennt", heißt es auf www.nicht-bei-mir.de, einer Initiative, hinter der nicht nur die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes stehen, sondern auch verschiedene Verbände der Sicherheitsbranche. Dass Letztere ein Interesse an der Weiterverbreitung dieser Erkenntnis besitzen, liegt auf der Hand. Schließlich wollen sie den Absatz von Sicherheitstechnik fördern. Nichtsdestotrotz ist die Aussage natürlich nicht anzuzweifeln: Warum in aller Welt sollte ein Einbrecher nicht die gleiche Fantasie mitbringen wie jemand, der seine Kronjuwelen im Eisfach versteckt? Oder im Spülkasten der Toilette? Oder hinter Zierleisten? Es gehört schon eine gehörige Portion Ignoranz dazu, an die auf Youtube angepriesenen "geheimen" Verstecke in der Wohnung zu glauben. Auch in Spielfilmen wurden originelle Geheimverstecke bereits gezeigt. 

Ehemalige Einbrecher, die sich, einmal geläutert, als Sicherheitsberater nützlich machen, verraten ihre Erkenntnisse: Der Aussteiger Hammed Khamis sagte in der ZDF-Sendung drehscheibe, es gebe kein sicheres Versteck. Und er beschreibt seine einfache und zwingend logische Denkweise: "Überall, wo ein Hohlraum ist ( … ) versucht man ein intelligentes Versteck zu finden". Eine Mehldose hält er zum Beispiel für ein solches kluges Versteck und schränkt sogleich ein, dass man sich darauf eben auch nicht verlassen könne. Auch Ex-Einbrecher Hermann Wenning hat einen tollen Tipp: Geldscheine kann man unter die Einlegesohle der Sportschuhe legen. Herzlichen Glückwunsch! Der 74-jährige Siegfried Massat verrät dem SWR Fernsehen seine ehemalige Vorgehensweise: Er begann stets im Schlafzimmer zu suchen, danach im Wohnzimmer. In einem Test findet er von 12 versteckten Dinge auf Anhieb neun. 

Alle Verstecke, die bereits öffentlich angepriesen wurden, taugen garantiert nichts. Dazu zählen nicht nur besagte Mehldose, sondern auch Verstecke, die zunächst einmal mit handwerklichen Mitteln gebaut werden. Do-it-yourself-Rainer z. B. hat einen Film gedreht und stellt sein neues "Projekt" vor: "Geheimversteck im Haus für Wertsachen". Das betonierte Loch im Kellerboden hat er allerdings schon beim Bau seines Hauses miteinplanen müssen. In einem anderen Video, das über 500.000-mal angeklickt wurde, tarnt er eine Tür mit einem IKEA-Regal. Würde ich als Einbrecher sofort einmal umzuwerfen versuchen … Übrigens argumentiert Do-it-yourself-Rainer dagegen, dass die Veröffentlichung seiner Verstecktipps den Schutz nicht konterkariere: "Seid mal ganz ehrlich, ja, wieviele Einbrecher sehen das Video?" Klare Antwort von Sicherheits-Berater direkt: alle!" 

Im Grunde verboten werden müssten Tipps, die "SteFun" als sogenannte "Lifehacks" präsentiert: Papiergeld in einer stromführenden Steckdose oder hinter Lichtschaltern zu verstecken, dürfte in keinem Fall TÜV-kompatibel sein. Harmlos zwar, aber auch wirkungslos, dürfte SteFuns Tipp sein, Geld mit einem Klebestreifen unter einer Schrankschublade zu befestigen. Immerhin dokumentiert er mit seinem Video, dass er sich für einen großen Entertainer hält, der die grobmotorische Mimik der Hiphopgeneration leidlich gut beherrscht. 

Tarnverstecke, z. B. täuschend echt aussehende Konservendosen, gibt’s auch im Handel zu Kaufen. Gut zu wissen, dass es große Schrauben gibt, in deren Innersten man eingerollte Geldscheine verstecken kann. Sehr schön auch der gebastelte Hundekot, unter dem sich prima ein paar tausend Euroscheine verstecken lassen. Youtube ist voll von derart sinnvollen Zeitvertreibversuchen. Dumm bloß, dass sich das alles so einfach recherchieren lässt. Kettner Edelmetalle bietet zum Beispiel diverse Dosensafes an. Ein schöner Service für potenzielle Kunden, denen diese Firma Gold und Silber zum Kauf anbietet. In einem Youtube-Clip empfiehlt Unternehmer Kettner höchstpersönlich einen Mülleimer mit doppeltem Boden als Versteck – allerdings einen mit Metalleinsatz, dem der Einbrecher selbst mit einem Metalldetektor nicht ansehen könne, dass er "gewisse Edelmetalle" enthalte. Er empfiehlt auch Wäschekörbe als Verstecke für Edelmetalle. Er hält das für einen guten Tipp bzw. eine gute Tarnung, weil niemand gern in der schmutzigen Wäsche von anderen Leuten wühlt. Wer jedoch – ganz wichtiger Tipp! – seinem Vorschlag folgend Wertgegenstände nicht in einem vorhandenen Tresor lagere und stattdessen in der Wohnung versteckt verteile, der solle doch wenigstens die "Schatzsuchanleitung", wo diese Wertgegenstände zu finden seien, in den Safe legen. Usw. usw. Sehr lustig. 

Fazit: Es nützt alles nichts. Alle Verstecke – und seien sie auch noch so gut – kann sich auch ein Einbrecher ausdenken bzw. kann er deshalb auch finden. Es ist nur eine Frage der zur Verfügung stehenden Zeit – und die kann lang sein, wenn er vorab die voraussichtliche Abwesenheitsdauer seiner Opfer recherchiert hat. Die Polizei empfiehlt daher landauf landab den soliden mechanischen Grundschutz kombiniert mit Einbruchmeldetechnik. Auch Versicherer wie die Axa halten aus nachvollziehbaren Gründen überhaupt nichts von Verstecken in Haus oder Wohnung: "Denn die 'absolut sicheren' Verstecke kennen die Diebe nur zu gut."

 

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