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Sicherheitsrisiko Frau?

Surf_matador - Fotolia.com

27.9.2018 (bz) – Wie Gegner und Bremser der Gleichberechtigung Sicherheitsfragen als vermeintliche Argumente gegen Frauen ins Feld führ(t)en.

 

 

Nicht verkehrstüchtig ...

Die Verbote, mit denen sich Frauen in allen Zeiten bis heute immer noch konfrontiert sehen, werden so skurril wie kreativ begründet. Da verschwinden Frauengesichter hinter kartoffelsackartigen Umhängen, damit sie Männer nicht in Versuchung führen können (tagtäglich und dutzendfach in Bad Godesberg zu beobachten). Man fragt sich, warum diejenigen, die in einem Frauengesicht ein Sicherheitsrisiko sehen, nicht einfach selbst eine Augenbinde tragen, um sich vor der vermeintlichen Gefahr unsittlicher Erregung zu schützen.

Frauen wurden und werden immer noch als Sicherheitsrisiko gesehen. Ein paar Beispiele anbei:

 

Sicherheitsrisiko Hexe
Dass Frauen mit allerlei abstrusen und höchst lebensgefährlichen Beschuldigungen zu kämpfen hatten, ist auch im zivilisierten Mitteleuropa noch gar nicht so lange her. Hexenverfolgungen und Hexenverbrennungen fanden hier bei uns bis (mindestens) 1750 statt (zum Vergleich: Die USA gibt es seit 1776). Die Vorwürfe waren an den Haaren herbeigezogen und lauteten im Kern "Pakt mit dem Teufel". Wer eine Frau als Hexe denunzierte, wurde oftmals am zu verteilenden Besitz der verbrannten Frau beteiligt.

 

Kein Führerschein für saudische Frauen
Lange Jahre berichtete die Presse über vermeintliche Argumente, die dagegen sprechen, dass Frauen in Saudi-Arabien Auto fahren dürfen. So zitiert der Berliner Kurier einen Scheich mit der Aussage: "Die Körperhaltung beim Autofahren drücke das Becken nach oben und könne die Eierstöcke spontan schädigen" (seltsam, dass der Scheich im Konjunktiv redet, lieber Berliner Kurier). Laut ZEIT ONLINE hätten Imame auch argumentiert, Frauen seien zu dumm für das Steuer. Oder sie könnten bei einer Reifenpanne in verbotenen Kontakt mit Männern kommen. Kurzum, Frauen sind aus Sicherheitsgründen einfach nicht verkehrstüchtig.

 

Von Eva bis Mata Hari 
Frauen gelten von Anbeginn der Menschheit an als Sinnbild zerstörerischer Verführungskraft. Gleich in der Schöpfungsgeschichte geht’s los: Eine gewisse Eva soll für die Vertreibung aus dem Paradies und alles Unglück auf Erden verantwortlich sein. Mata Hari, eine tatsächlich historisch belegte Figur – auch in physiologischer Hinsicht – soll als exotische Nackttänzerin den deutschen Geheimdienst hinters Licht geführt und spioniert haben.

 

Sicherheitsrisiko Chinesin 
Die Rechtsanwaltskanzlei kaarst berichtet von der Kündigung eines Arbeitnehmers, weil er eine Chinesin geheiratet hat. Die Kündigung wurde später vor Gericht als sittenwidrig eingestuft. Der Wunsch des Arbeitgebers, sich vor Industriespionage zu schützen verstoße gegen das Grundrecht der Eheschließungsfreiheit.

 

Verletzungsrisiko Silikonbrust 
Wie der Rheinische Merkur berichtete, hat das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen zugunsten einer Bewerberin für den Polizeidienst entschieden. Die junge Dame sollte abgelehnt werden, weil ihre Brustimplantate aus Silikon ein zu großes Verletzungsrisiko mit sich brächten. Für die Entscheidung bedurfte es jedoch eines Gutachtens, das das Verletzungsrisiko bei unter 20 Prozent sah.

 

Frauen unter Terrorverdacht 
n-tv berichtete Ende 2017 von einem Streit um die Beförderung von Frauen in der Fluggesellschaft Emirates. Zu dem Streit sei es zwischen Tunesien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) gekommen, nachdem Zeitungsberichten zufolge tunesische Frauen auf Seiten der Terrormiliz "Islamischer Staat" gekämpft hätten und nun per Flugzeug zurückkehren wollten. Daraufhin habe Emirates tunesischen Passagierinnen den Einstieg in seine Flugzeuge verweigert.

 

Die erpressbare Putzfrau 
Laut Basler Zeitung (Schweiz) berichtet über die Rehabilitierung einer Putzfrau, die von der Fachstelle Personensicherheitsprüfungen des Bundes im Rahmen einer Routineprüfung als Sicherheitsrisiko abgestempelt worden sei. Der Frau war nach 23 Jahren fristlos gekündigt worden, nachdem sie ihren Schuldenberg von 90.000 Franken offenlegen musste. Damit sei sie erpressbar geworden und stelle ein Sicherheitsrisiko dar.

 

Vagina als Waffenversteck 
Tatsächlich um ein Sicherheitsrisiko im doppelten Sinne (einerseits für die Umwelt, andererseits u. U. auch für die Frau selbst) handelt es sich, wenn eine Frau eine Waffe in ihrer Vagina versteckt.

 

Dirndl kein Sicherheitsrisiko!
Ganz aktuell meldet sich die FAZ zu Wort mit einem Zitat von Kristina Gottlöber von der Initiative "Sichere Wiesen für Mädchen und Frauen", die versichert, dass das Dirndl kein Sicherheitsrisiko sei. Auf dem Oktoberfest begrapscht zu werden könne einem auch passieren, wenn man hochgeschlossene Kleidung trage.

 

Apropos Sicherheitsrisiko: Es gibt eine ganze Reihe von Frauen, die hauptberuflich als Sicherheitsverantwortliche in Unternehmen arbeiten. Die "Woman in Security Community" sucht solche Frauen. 

 

Kontakt zur Redaktion:
bz@sicherheits-berater.de (Bernd Zimmermann)