Glosse

Rettungsgassenverweigerer.

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27.9.2018 (bz) – Bernd Zimmermann fragt sich, warum so viele Leute immer noch keine Rettungsgasse bilden. Das können doch nur Verschwörungstheoretiker sein!

 

 

Nur mit Verschwörungstheorie erklärbar.

Ich mag Exzentriker sehr. Sie führen mir auf so erfrischende Weise vor, dass man bestimmte Dinge auch einmal komplett anders sehen kann. Unter diesen Leuten gibt es welche, die glauben allen Ernstes, die Erde sei eine Scheibe. Immerhin eine sehr interessante, aber soweit ich weiß harmlose Sichtweise, bei der sich deren Verfechter ganz offensichtlich mit ihrer Argumentation nur ein wenig im Kreise drehen (hoffentlich nicht zu schnell wegen der Zentrifugalkräfte). Solche liebenswürdigen Zeitgenossen verlieren jedoch ihren Exzentrikerbonus, wenn sie Verschwörungstheorien vertreten, die auf Kosten der allgemeinen oder individuellen Sicherheit gehen. Also nicht die Typen, die die Mondlandung anzweifeln. Sollen sie weiter an den Mann im Mond glauben. Sondern seltsame Gestalten, die den tausendfach dokumentierten Holocaust ebenso leugnen wie den Klimawandel. Oder jene, die den Sinn von Masernschutzimpfungen in Frage stellen und mit ihren Kindern Impfpartys besuchen. Oder eben Rettungsgassenverweigerer.

Ich will ja nicht behaupten, dass Sicherheits-Berater direkt, Ausgabe 1/2017, bereits die gesamte deutsche Öffentlichkeit aufgeklärt hat. Aber man nenne mir ein Massenmedium, Film, Funk, Fernsehen, Onlinemedien, Zeitungen, Zeitschriften usw., das noch nicht darüber berichet hat, wie – und vor allem wann - Rettungsgassen zu bilden sind. Wer das nicht mitbekommen hat muss doch komplett tumb sein. Ich sehe sie täglich auf Deutschlands Straßen. Grob geschätzt sind es immer noch einer von fünf Autofahrern, der es einfach nicht in den Kopf hinein bekommt, dass sich die Straßenverkehrsordnung zum 1.1.2017 geändert hat. Viel zu verstehen gibt es dabei jedenfalls nicht. § 11 StVO im Wortlaut:

"Sobald Fahrzeuge auf Autobahnen sowie auf Außerortsstraßen mit mindestens zwei Fahrstreifen für eine Richtung mit Schrittgeschwindigkeit fahren oder sich die Fahrzeuge im Stillstand befinden, müssen diese Fahrzeuge für die Durchfahrt von Polizei- und Hilfsfahrzeugen zwischen dem äußerst linken und dem unmittelbar rechts daneben liegenden Fahrstreifen für eine Richtung eine freie Gasse bilden."

Wie gesagt, geschätzt ein Fünftel der autofahrenden Verkehrsteilnehmern beharren darauf, dass sie Rettungsfahrzeugen, wenn überhaupt, erst dann Platz zu machen haben, wenn sie diese im Rückspiegel sehen. Sie verfahren weiterhin nach dem Motto "Kein Rettungswagen in Sicht, keine Rettungsgasse". Das lässt sich nur mit Verschwörungstheorie begründen. Selbst wenn jemand keine Zeitung liest – es müsste diesen Totalverweigerern doch auffallen, dass vier von fünf Autos, die z. B. auf der Überholspur fahren, im Falle eines Staus oder Stopps sich ordnungsgemäß ganz links halten, um rechts Platz zu schaffen für Rettungsfahrzeuge. Komisch, alle anderen sind anders als ich – sollte das abweichende Verhalten etwa an mir liegen? So denken sie aber nicht. Sie stehen hart am rechten Rand ihrer Fahrbahn und selbst ein Blinder sieht, dass das im Notfall kaum noch durch hektisches Ummanövrieren zu korrigieren ist. Schon gar nicht, wenn auf der benachbarten Spur noch ein zweiter  Rettungsgassenverweigerer steht. Warum tut Ihr das? Habt Ihr geheimdienstliche Informationen, dass nur noch Rettungshubschrauber eingesetzt werden? Wisst Ihr aus zuverlässiger Quelle, dass keine Unfälle mehr geschehen? Oder wollt Ihr Euren Beitrag dazu leisten, dass mehr Unfallopfer sterben, weil Ihr Rettungswagen aufhaltet? Was um alles in der Welt treibt Euch dazu, Euch der Vernunft zu verweigern? Schreibt mir doch mal. Würde mich ehrlich interessieren.

 

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