Umwelt

Was, wenn die Pegel weiter sinken?

©  Bernd Zimmermann/TeMedia Verlags GmbH

30.10.2018 (bz) – Bernd Zimmermann fragt sich bei einem Spaziergang durch das stellenweise ausgetrocknete Rheinbett, welche Folgen eine weiter anhaltende Dürre noch haben könnte.

 

 

Aktuelle und künftige Folgen der Dürre.

Die Bundesanstalt für Gewässerkunde hat bereits am 18. Oktober die niedrigsten Wasserstände seit Beginn der Messungen in unseren Flüssen festgestellt - allerdings mit der Einschränkung, dass sich heutige Pegelstände z. B. wegen der Rheinbettvertiefung nur bedingt mit den historischen Pegelständen vergleichen lassen. Die Pegel werden nämlich nach Bauarbeiten oder einem biologischen Absacken nicht nachgeführt.

Für Anlieger des Rheins (und anderer Flüsse) ist die historische Niedrigwasserlage in Folge der monatelangen Niederschlagsarmut augenfällig. Selbst die ältesten Zeitgenossen können sich nicht an noch niedrigere Pegelstände erinnern:

 
Der Rhein ist an manchen Stellen kaum noch zu erkennen.
Hier ein Blick rheinabwärts (Standort Bad Honnef): Rechts oben der Drachenfels.
Bildquelle: bz/VZM
  Das Flussbett des Rheins zwischen Bad Honnef und Königswinter.
Die Baumgruppe in der Bildmitte steht normalerweise auf einer Insel mitten im Rhein (Standort Rhöndorf)
Bildquelle: bz/VZM

 

Aktuelle Folgen der Dürre:

  • Der Deutsche Bauernverband spricht in seinem Erntebericht 2018 von einem katastrophalen Ausmaß der Dürreschäden. Statt mit 41 Millionen Tonnen Getreide rechnet er für 2018 nur noch mit einem Ertrag von 36 Millionen Tonnen Getreide. Je nach Getreideart liegt der Ernteausfall bei bis zu 25 Prozent.
  • Grünflächen inklusive Bäume in den Städten werden ihrer Bezeichnung ("Grün") streckenweise kaum noch gerecht. Die Städte und Gemeinden müssen außergewöhnlich hohe Mengen an Wasser zum Gießen einsetzen.
  • Die Waldbrandgefährdung stieg deutlich an. Zeitweise wurde für große Teile Deutschland die höchste Waldbrandgefahrenstufe 5 ausgerufen (Wälder dürfen dann durch die zuständigen Behörden gesperrt werden). Der Deutsche Forstwirtschaftsrat zog bereits am 31. August eine erste Schadenszwischenbillanz: fast zwei Milliarden Euro Schaden durch Waldbrände.
  • Symptomisch für das Niedrigwasser:
    Es fehlt an Zuläufer.
    Bildquelle: bz/VZM
     
    Zum Glück nur eine große verrostete Mutter,
    kein Blindgänger.
    Bildquelle: bz/VZM

    Die Köln-Düsseldorfer (touristische Rheinschifffahrt) hat Fahrten zwischen Köln und Mainz komplett eingestellt. Auch viele Auto- und Personenfähren können Flüsse nicht mehr überqueren. Transportschiffe können nur noch mit reduzierter Ladung fahren, um den Tiefgang zu begrenzen. Zur Einschränkung bzw. Behinderung der Schiffahrt gehört auch, dass mehr Schiffe (mit jeweils weniger Ladung) unterwegs sein müssen, um die gleichen Gütermengen transportieren zu können, wodurch die Unfallgefahr deutlich steigt. Das Niedrigwasser im Rhein sorgt zudem auch für eine spürbare Verteuerung der Transporte bzw. des Transportgutes (z. B. Heizöl).

  • Im Rhein werden bei extremem Niedrigwasser vermehrt Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Es vergeht kaum ein Tag, an dem allein in der Region Köln-Bonn nicht täglich (teils sogar mehrere) Blindgänger im ausgetrockneten Flussbett gefunden werden.
  • In der Aktuellen Stunde des WDR wurde das Niedrigwasser als "Stresstest für Natur und Wirtschaft" bezeichnet und der Blick auch z. B. auf Vögel gelenkt, für die es immer schwerer werde, Nahrung zu finden.

Künftige Folgen der Dürre:

  • Nach einem Bericht der Nachrichtensendung heute/ZDF haben die niedrigen Pegelstände bei Thyssenkrupp und der BASF bereits zu Produktionsdrosselungen geführt. Wenn ein gewisser Mindestpegelstand der Flüsse unterschritten wird und Wasserstraßen als Verkehrswege komplett ausfallen, dürfte das weitaus drastischere Folgen haben. Das ZDF lässt übrigens einen Flottenchef zu Wort kommen, der für die Zukunft bereits neue Schiffskonstruktionen mit niedrigerem Tiefgang prognostiziert.
  • Auch von AKW und Kohlekraftwerken werden  Leistungsreduzierungen gemeldet. Das hat aber noch nichts damit zu tun, dass kein Kühlwasser mehr zur Verfügung stünde. Vielmehr geht es darum, die Wassertemperatur in den Flüssen nicht über Gebühr zu erhöhen. Sollte dagegen überhaupt kein Kühlwasser mehr bereitstehen, müssten die Kraftwerke komplett abgeschaltet werden. Brennstäbe von Kernkraftwerken sind jedoch auch nach dem sogenannten Abschalten des Reaktors noch lange Zeit weiter zu kühlen. Geschieht dies nicht, besteht das Risiko einer Kernschmelze.
  • Landauf, landab hörte man, die Trinkwasserversorgung sei bislang nicht gefährdet. Eine der wenigen Ausnahmen: zwei Landkreise aus dem Südwesten Brandenburgs – aber auch z. B. in Bayern. Sollte die Dürre weiter anhalten, ist das Ausmaß an Konsequenzen noch gar nicht absehbar – zunächst einmal würde es zu einer Rationierung und vorgeschriebenen Zweckbestimmung (kein Wagenwaschen, kein Duschen etc., wie das z. B. in Südspanien gang und gäbe ist) kommen. Schlimmeres kann man sich immer vorstellen: Weltweit werden heute bereits Kriege um Trinkwasser geführt. Zum Glück kommt eine bedeutende Firma, die Technologien zur Entsalzung von Wasser entwickelt, aus Deutschland …
  • Tiefer geht's nicht mehr:
    ein Anleger auf der Höhe von Königswinter
    Bildquelle: bz/VZM

    Schon gibt es einen neuen Begriff als Unterpunkt des Risikomanagement: "Niedrigwassermanagement". So nachzulesen auf der Webseite der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg. Hier sieht man "wesentliche Auswirkungen auf die Energiewirtschaft, die Wasserversorgung, die Wassergüte- und Wassermengenwirtschaft, die Binnenschifffahrt, auf die Gewässerökologie und Fischerei."

  • Flächendeckend versteppte Landschaften oder durch Dürre absterbende Wälder werden der Ausbreitung von Wüsten Vorschub leisten und das Klima nachhaltig verändern. www.aktion-deutschland.de, eine Initiative unter der Schirmherrschaft von Horst Köhler, Bundespräsident a. D., bringt die Erfahrungen mit Dürren auf anderen Erdteilen auf den Punkt: "Ein Kreislauf von Hunger und Armut entsteht."

Anmerkung: Die Fotos stammen vom 21. Oktober. Das quadratische Foto zu Beginn dieses Beitrages zeigt die Aalschokker Aranka, ein "schwimmendes Denkmal" in Bad Honnef. 

 

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