Alarmierung

Notruf-Faxen wie im letzten Jahrhundert.

Bildquelle: bz / TeMedia

2911.2018 (bz) – Faxen ist eigentlich eine Technik aus dem letzten Jahrhundert. Allerdings gibt es noch immer ein ganz wichtiges Einsatzgebiet: das Notruf-Fax mit Menschen für Sprach- und Hörbeeinträchtigung.

 

Notruf-App in Sicht - Testphase abgeschlossen.

"Sie sind der letzte Kunde, der die Beauftragung noch faxt!" – diese Ansage saß. Aber Recht hatte der Dienstleister schon, den wir mit der Konfektionierung und dem Versand unserer Sicherheits-Berater Hefte betrauen. Er machte uns vor einiger Zeit klar, dass Faxen doch eigentlich eine Technik aus dem letzten Jahrtausend ist. Seitdem erhält er unseren Auftrag per E-Mail.

Und dennoch - es gibt noch mindestens ein wichtiges Einsatzgebiet für Faxgeräte: das Faxen im Notfall. Für Menschen mit einer Sprach- und Hörbeeinträchtigung ist dies ein probates Mittel, auf eine Notlage aufmerksam zu machen. Auf www.notfall-telefax112.de heißt es explizit, dass das Notfall-Telefax nach wie vor "das Notrufmittel der ersten Wahl" für hör- und sprachgeschädigte Menschen und heute in allen Leitstellen möglich ist. Einen Notruf per Telefax an die 112 oder die 110 senden zu können – für dieses Ziel hat der Deutsche Schwerhörigenbund einst sogar über 10.000 Unterschriften gesammelt. Wie’s funktioniert, ist auf der Webseite der Stadt Düsseldorf beschrieben:

"Der Hilfeersuchende schickt über das häusliche bzw. handelsübliche Faxgerät seine Meldung an die Notrufnummer 112. Der Leitstellendisponent erkennt das eingehende Notruf-Faxsignal und druckt das Fax aus. Die Einsatzbearbeitung erfolgt in der gleichen Qualität und Schnelligkeit und macht keinen Unterschied,  ob der Notruf als "normales" Telefongespräch oder als Fax ankommt. Nach Einleitung aller wichtigen Maßnahmen bestätigt der Mitarbeiter der Feuerwehrleitstelle den Eingang mit einem Antwort-Fax, um auch eine entsprechende Sicherheit zu geben."

Das Notruf-Fax ist letztendlich der Tatsache geschuldet, dass es immer noch keine Notruf-App für Smartphones gibt. Auch für diese App macht sich der Schwerhörigenbund stark – mit gutem Argument: "Verunglücken sie aber in Wald und Flur, wird das Melden eines Notfalls zu einem echten Problem für sie, auf jeden Fall dann, wenn sie alleine unterwegs sind."

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) hat zwar einen Versuch gestartet, zu dem es jedoch im Jahr 2016 hieß: "Einen Zeitplan für ein bundesweites Pilotprojekt gibt es demnach bislang nicht."  Immerhin hieß es auf der BMWi-Webseite im Februar 2018, dass das Ministerium die Entwicklung einer Notruf-App im Rahmen der Strategie "Intelligente Vernetzung" fördere und mit der praktischen Erprobung begönne. Auf Nachfrage antwortete das BMWi jetzt am 27. November, dass die Erkenntnisse der Erprobungsphase derzeit von den Ländern ausgewertet würden. Einen konkreten Zeitpunkt für die Einführung nannte das BMWi jedoch nicht. Allerdings steht offenbar der künftige Leistungsumfang der App fest:

"Die Notruf-App ermöglicht eine genaue Ortsbestimmung. Sie bietet darüber hinaus weitere Vorteile und soll möglichst inklusiv nutzbar sein. Die vorgesehene Chatfunktionalität bietet insbesondere Menschen mit Hör- und Sprachbehinderungen die Möglichkeit, einen Notruf abzusetzen. Zudem kann über die App ein Notruf in Situationen abgesetzt werden, in denen man sich mit einem Telefongespräch möglicherweise selbst in Gefahr begeben würde. ( … ) Der Prototyp umfasst sowohl die Software, die in den Leitstellen zum Einsatz kommen soll, als auch eine Smartphone-App für iOS und Android. Die App soll neben einer kurzen, strukturierten Abfrage zu wesentlichen Eckpunkten des zu meldenden Ereignisses auch die Möglichkeit bieten, Bilder und Videos vom Ereignisort zu übertragen. Ebenso soll ein textbasierter Chat mit der Leitstelle möglich sein. Der Standort der meldenden Person wird vom Endgerät ermittelt (Geoposition) und mit an die Leitstelle übermittelt."

Blanko-Notfall-Telefax
Bildrechte: www.notfall-telefax112.de

Solange es die Notruf-App noch nicht gibt, macht ein Link auf folgende Seite, auf der Sie das Notfall-Telefax-Formular in zahlreichen Fremdsprachen zum Download vorfinden, durchaus noch Sinn. Bitte machen Sie Menschen mit Sprach- oder Hörbeeinträchtigung, die noch im Besitz eines Faxgerätes sind, auf die Existenz dieses Faxes aufmerksam:

 

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