Interview

Bonner InnovationsForum.

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20.12.2018 – Bernd Zimmermann (bz) sprach mit Peter Loibl (pl) über das neue Bonner InnovationsForum, über gute Gründe für eine Teilnahme und die IT-Strategie von morgen.

 

 

"Keine klassische RZ-Infrastruktur mehr."

Peter Loibl
Geschäftsführer der von zur Mühlen'sche Sicherheitsberatung

bz: Am 3. und 4. April 2019 findet das Bonner Innovationsforum "Next Level IT-Infrastruktur" statt. Die Seite www.bonner-innovationsforum.de informiert dazu. Warum sollte ich ausgerechnet diese Seite bzw. dieses Forum besuchen?

pl: Bei der IT-Infrastruktur zeichnet sich ein Generationenwandel ab. Ein Auslöser sind die gigantischen Datenmengen, die durch Industrie 4.0 und vor allem das  IoT, Internet of Things, gebraucht werden. Viele Daten müssen schnell verarbeitet, aggregiert, analysiert und gespeichert werden. Die "vorderste" Front der IT-Infrastruktur muss damit nahe an den Prozess (Straße, Produktion, …) heranrücken und große Netzkapazitäten bereitstellen.

bz: Macht das alleine schon einen Generationswandel aus?

pl: Klassische Client-Server-Installationen gehören der Vergangenheit an. Künftig werden Applikationen auf omnipotenten Plattformen, hyperkonvergenter Infrastruktur weitestgehend softwarebasiert gemanagt. Die Softwareanwendungen werden sich wandeln. Dies wiederum verändert die bislang klassische RZ-Landschaft: hin zum Edge-, Micro- oder Compound-RZ. Mit der passenden Software-Ausstattung können solche neuen RZ überregional verteilt werden und damit echte Georedundanz bieten.

bz:  Könnte man sagen, dass damit das klassische Rechenzentrum tot ist?

pl: Wir sprechen schon länger nicht mehr vom gemeinen Rechenzentrum. Unter Rechenzentrum wird in der Regel eine bauliche Hülle mit mehr oder weniger aufwendiger technischer Infrastruktur wie Elektro, Klima, Sicherheit, Betriebsparameter etc. verstanden. Normativ wird dieses Bild auch so abgebildet. Dieser RZ-Ansatz ist aber nur ein Teil einer funktionierenden IT-Infrastruktur. Ausgangsbasis sind die Anwendungen und IT-Prozesse und damit Hard- und Software, die im RZ ein hoffentlich gemütliches Zuhause finden.

bz:  Worin liegt damit in Zukunft die Hauptherausforderung und für wen?

pl: Alle werden betroffen sein. Nicht nur die großen Unternehmen, auch Kleinunternehmen und Mittelstand. Auch in Behörden und öffentlichen Verwaltungen wird der künftige IT-Ansatz Einzug halten. Und genau darin liegt die Herausforderung: Jetzt schon die Weichen für die Zukunft stellen und damit die IT-Infrastruktur strategisch und erfolgreich aufstellen und zwar, wie dies der Veranstaltungstitel auch aussagen will: vom obersten OSI-Layer bis zum Betonfundament.

bz: Vom obersten OSI-Layer bis zum Betonfundament?

pl: IT-Infrastruktur bedeutet bei uns: durchgehendes, abgestimmtes Sicherheitskonzept vom obersten Layer des OSI-Schichtenmodells (Prozess, Applikation, Betriebssystem, Hardware, Netze) über die Stromversorgung, Kühlung, Sicherheitstechnik und Bautechnik bis zum Betonfundament. Dadurch können angepasste Systeme auf Ebene der IT und auf Ebene der RZ-Technik aufgebaut werden. "Über-Sicherungen"  in den einzelnen Schichten werden vermieden, einfache und hochautomatisierte Infrastrukturen werden aufgebaut und effektiv mit regenerativer Energie betrieben (Photovoltaik, Außenluft, Regenwasser, etc.). Dadurch wird trotz massiver Redundanz ein wirtschaftlicher Betrieb solcher IT-Infrastrukturen sichergestellt.

bz: Als Initiator und Veranstalter tritt die Von zur Mühlen´sche GmbH (VZM) auf. Warum gerade Sie?

pl: Wir haben seit über 45 Jahren an weit mehr als 600 RZ-Projekten erfolgreich mitgearbeitet und bündeln so einen der größten Erfahrungsschätze in der Branche. Wir sehen, dass die Fokussierung auf die klassische RZ-Infrastruktur seit langem zu kurz greift. Diese Erkenntnis und vor allem diese Überzeugung ist es, die uns treibt.

bz: Der Verweis auf die Bonner Location lässt auf eine Regionalveranstaltung schließen.

pl: Mitnichten! Bonn ist und mausert sich rapide zu einem anerkannten Zentrum für IT-Sicherheit. Der Sicherheits-Berater hat erst in seiner vorletzten Ausgabe an zentraler Stelle im  Editorial darüber berichtet. Da passt Bonn sehr wohl und hervorragend zum Thema.

bz: Das Forum vereint Wissenstransfer, Networking und Abendveranstaltung im exklusiven Rahmen des Kunstmuseum Bonn. So steht es auf Ihrer Website.

pl: Ja, Wissenstransfer und Networking sind die zentralen Pfeiler zum Finden und Umsetzen von Lösungen. Und darüber hinaus bietet das Bonner Kunstmuseum die einmalige Chance, über die Grenzen hinauszuschauen: Kunst inspiriert Technik.

bz: Angenommen, ich nehme teil am ersten Bonner InnovationsForum. Mit welchen Erkenntnissen werde ich voraussichtlich am Abend des vierten April 2019 nach Hause fahren?

pl: Mit viel neuem Wissen, was die IT-Anforderungen morgen sein werden, und natürlich mit Lösungen. Auch mit wirtschaftlichen Darstellungen und Vergleichen. Insbesondere aber hoffentlich mit dem Wissen, dass IT-Infrastruktur ein zentrales Zukunftsthema ist, das man strategisch und systemisch angehen muss.

bz: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Loibl.

 

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bz@sicherheits-berater.de (Bernd Zimmermann)