Glosse

Beklagenswerte Ungerechtigkeiten.

© Andrii Zastrozhnov

31.1.2019 (bz) – Australien schafft die Mehrwertsteuer auf Tampons ab. Gut so, sagt Bernd Zimmermann, und fordert das Gleiche für Brandmelder ebenso wie für Prostatamedikamente.

 

 

Steuerfreiheit für Frauen, Prepper und Kapitalanleger.

Bernd Zimmermann
Bildquelle: VZM

Nach Kenia und Kanada hat auch Australien die Steuer auf Tampons und weitere Monatshygieneartikel abgeschafft. Der australische Schatzkanzler dazu laut Deutschlandfunk: "Der gesunde Menschenverstand hat sich durchgesetzt. Diese durch die Regierung angeführte Reform ist lange überfällig." Ich bin sicher, er ist kein Politiker, der sich bei weiblichen Wählern nur einschleimen will. Unsicher bin ich, ob die dadurch voraussichtlich rund 30 Millionen australischen Dollar, die 2019 im Steuersäckel fehlen werden, künftig bei den Kindertagesstätten gekürzt werden. Und meine Vermutung, dass die Tamponhersteller schon im nächsten Jahr mit einer Preiserhöhung um die Ecke kommen, die die Ersparnis wieder auffrisst, ist natürlich rein spekulativ. Relativ zuversichtlich bin ich dagegen, dass die Tamponumsätze steigen werden: In Prepperkreisen weiß man, dass Hygieneartikel wie Tampons oder Zahnbürsten im Krisen- und Katastrophenfall als Zahlungsmittel wertvoller sein werden als Zigaretten oder Gold. Ich werde also Tampons in mein Risikokapitalanlageportfolio aufnehmen.

Im Laufe ihres Lebens fielen für Frauen in Deutschland 700 Euro allein für Tampons an, heißt es. Das halte ich tatsächlich für eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit. Gut, dass es dagegen bereits eine Petition mit 120.000 Unterzeichnern gibt (wahrscheinlich mehrheitlich Unterzeichnerinnen). Die sieht in der hohen Besteuerung "eine fiskalische Diskriminierung von Frauen aufgrund ihre Geschlechts". Das leuchtete mir sofort ein.

Ich sollte gleich heute Abend eine weitere Petition wegen fiskalischer Diskriminierung initiieren: Wie jedermann aus der GRANU-FINK-TV-Werbung ("Weniger müssen müssen") weiß, sollen ja bereits Männer ab 30 unter einer sich vergrößernden Prostata leiden. Das soll verdammt noch mal auch nicht gerade angenehm sein. Die Packung Prosta forte mit 500 Hartkapseln kostet auf Ebay mindestens 40 Euro. Laut Beipackzettel sind täglich zwei Weichkapseln einzunehmen, reicht also für 250 Tage. Grob aufs Jahr gerechnet ergibt das 57 Euro, und spätestens ab Mitte 40 ist man(n) fiskalisch vergleichbar diskriminiert wie Frauen. Und eine Erlösung von der Steuerlast durch Wechseljahre ist bei Männern eher nicht in Sicht. Ebenfalls eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit!

Ich fordere vorsorglich die komplette Abschaffung der Besteuerung auf Prostatamedikamente. Und wenn wir schon einmal dabei sind: Wie wäre es mit steuerbefreiten Brandmeldern und Feuerlöschern? Es ist schließlich auch eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit, wenn Menschen, die vom Brandtod bedroht sind, 19 Prozent Mehrwertsteuer auf Brandschutzprodukte zahlen müssen. Vom geringeren Steuersatz (oder der Abschaffung) würden ganz sicher Frauen, Männer, Geschlechtslose und alle dazwischen gleichermaßen profitieren.

 

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