Interview

Mehr Reisesicherheit für Mitarbeiter.

Bildquelle: TeMedia Verlags GmbH

28.3.2019 – Bernd Zimmermann (bz) sprach mit Daniel Weitemeyer (dw) über dessen Leitfaden "Travel Risk Management" – und warum sich Sicherheitsverantwortliche dafür interessieren sollten.

 

 

"Fürsorgepflicht gegenüber Auslandsreisenden."

Daniel Weitemeyer
Fachbuchautor

bz: Können Sie in einem Satz zusammenfassen, worum es in Ihrem 170-seitigen Leitfaden "Travel Risk Management" geht?

dw: Mit meinem Leitfaden und Nachschlagewerk möchte ich beispielhaft den Aufbau und die Inhalte eines Travel Risk Management Systems, kurz: TRMS, aufzeigen. Das Ganze, wenn Sie noch einen zweiten Satz erlauben, orientiert sich am PAS 3001:2016 und dem Baustein MA 1 Reisesicherheit des Wirtschaftsgrundschutzes.

bz: Wem empfehlen Sie die Lektüre?

dw: Alle Verantwortlichen für das Travel Risk Management (TRM) dürften davon profitieren. Aber viele behandelte Prozesse sind auch generell für die Reiseorganisation der Unternehmen wichtig und nützlich. Adressaten sitzen nicht nur in der Konzernsicherheit oder im Travel Management. Wir sprechen auch externe Beratungsagenturen oder Mitarbeiter in Notfall- und Krisenorganisationen an. Leser, für die das reiserelevant ist. Dabei spielen die Größe des Unternehmens – ob Mittelstandsfirma oder Konzern – und auch die Organisationsform – ob GO oder NGO, also staatlich oder privatwirtschaftlich - keine Rolle.   

bz: Kleinunternehmen nicht ausgenommen?

dw: Nein, keineswegs. Auslandssicherheit betrifft ganz bestimmt alle Unternehmensgrößen. Die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers gilt nämlich davon unabhängig. Die Art und Weise, wie intensiv das Thema in den einzelnen Unternehmen umgesetzt wird, ist dann von den jeweiligen Rahmenbedingungen abhängig. Auch was man selber leisten kann und was man durch Dienstleister oder kooperierende Unternehmen machen lässt.

bz: In letzter Zeit gab es einige, zum Teil sogar kostenfreie, Publikationen von Unternehmen, die sich auf das Thema TRM spezialisiert haben. Genügt das nicht als Lektüre?

dw: Nein, denn diese Publikationen bilden nur Teilbereiche des TRMS ab. Ich betrachte dagegen, nach meiner Kenntnis zum ersten Mal in dieser Ausführlichkeit, nicht nur einzelne Elemente des TRMS wie zum Beispiel die Gefährdungsbeurteilung. Mein Ansatz ist die Vermittlung der Anforderungen an ein ganzheitliches Managementsystem. Die von Ihnen angesprochenen Publikationen sind für die Leser eine Vertiefung einzelner Elemente des Leitfadens. In meinem Buch finden Sie z. B. auch Hinweise zur Steuerung des TRMS, zur Einbindung verschiedener Fachbereiche sowie zur Validierung und Verankerung im Unternehmen. Ich möchte an dieser Stelle auch an die im Buch zahlreich vorhandenen Übersichten, Checklisten, Fallbeispiele, Grafiken, Infoboxen und Abbildungen hinweisen.

bz: Die springen bereits beim flüchtigen Durchblättern ins Auge. Wie sind Sie eigentlich auf dieses Thema Auslandsreisesicherheit gestoßen?

dw: Als ich 2014 als Security Manager zu einem großen und international agierenden Versicherungskonzern wechselte, war ich für Kolleginnen und Kollegen verantwortlich, die ins Ausland reisen. Dort habe ich das Travel Risk Management System von Grund auf neu aufgebaut. Es gab aber bisher nur rudimentäre Literatur hierzu. Durch meine Dienstzeit als Offizier bei der Bundeswehr, u.a. im Evakuierungsverband und dem Studium "Risiko-und Sicherheitsmanagement" befasste ich mich schon lange mit Auslandssicherheit und Krisengebieten. Ich hätte mir trotzdem beim Aufbau des TRMS einen Leitfaden gewünscht, der ein solches erklärt und Umsetzungsbeispiele auf der Managementebene sowie auf der taktisch-operativen Ebene aufzeigt.

bz: Welchen praktischen Nutzen wollen Sie Ihren Lesern bieten?

dw: Wer meinen Leitfaden durcharbeitet und dessen Beispiele auf die Rahmenbedingungen seines Unternehmens adaptiert, profitiert dreifach: Erstens lernt er, dass die Sicherheit der Mitarbeiter oberste Priorität besitzt – besonders, wenn sie ins kritische Ausland geschickt werden. Zweitens hilft die Lektüre, compliance-konform zu agieren und Haftungsforderungen wie Regressansprüchen vorzubeugen. Und drittens ist es meiner Überzeugung nach auch ein Akt der Wertschätzung gegenüber der Belegschaft, wenn man Reisesicherheit großschreibt und sich entsprechend fundiert darüber informiert. Diese Wertschätzung kann Unternehmen bei der Mitarbeiterbindung helfen. 

bz: Der Teamleiter Sicherheit Ausland der KfW Bankengruppe lobt Ihr Buch. Und die International SOS Foundation empfiehlt ebenfalls die Lektüre. Beide haben jeweils ein Gruß- bzw. Vorwort beigesteuert. Welchen Stellenwert besitzen beide Unterstützer für Sie als Autor?

dw: Ich habe mich natürlich sehr darüber gefreut. Die KfW Bankengruppe ist immerhin eine Organisation, die in Krisengebieten unter enorm anspruchsvollen Bedingungen Aufbauhilfe betreibt. Das ist schon ein Unterschied zu einem Unternehmen, das Mitarbeiter ins europäische Ausland, in dem alles bestens funktioniert, schickt. Und die International SOS Foundation fördert weltweit Projekte rund um die Reisesicherheit und vergibt den angesehen Duty-of-care-Award. Außerdem war sie mitbeteiligt an der Erarbeitung des PAS 3001:2016. Ich fühle mich also durchaus geehrt.

Die beiden Statements können Ihre Leser übrigens auf unserer Leseprobeseite gern einsehen. Dort ist auch das gesamte Inhaltsverzeichnis abgebildet.

bz: Ihr Buch ist im TeMedia Verlag erschienen. Herausgeber sind Rainer von zur Mühlen und Peter Stürmann. Also die gleichen Herren, die auch den Sicherheits-Berater und Sicherheits-Berater direkt herausgeben. Die Idee zu diesem Buch ist anlässlich einer SiMedia-Tagung über Reisesicherheit entstanden.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Weitemeyer.

 

Kontakt zum Interviewpartner:
danielweitemeyer@aol.com.de (Daniel Weitemeyer)

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bz@sicherheits-berater.de (Bernd Zimmermann)