Selbstschutz

Einfach ekelhaft.

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28.3.2019 (bz) – Ekel ist nicht schön, aber wichtig. Deshalb können ihn alle unsere Sinnesorgane auch unmittelbar auslösen. Und in den meisten Fällen hilft er, Schlimmeres zu verhindern. 

 

 

Der Sinneseindruck der Sicherheit.

Stellen Sie sich vor, Sie sind Hundebesitzer und zum Essen eingeladen. Das Ragout, von dem der asienerfahrene Gastgeber sagt, er habe es selbst zubereitet, schmeckt Ihnen recht gut. Sie haben dessen Kochkünste soeben gelobt, da eröffnet er Ihnen, dass das Ragout vom Hund stamme. Höchstwahrscheinlich empfinden Sie Ekel, was in der Situation natürlich hinderlich, prinzipiell jedoch als wichtiger Schutzmechanismus zu werten ist. Denn Ekel verhindert in den Allermeisten Fällen Schlimmeres. Gleichwohl ist Ekel eine erlernte und stark kulturell geprägte psychosomatische Reaktion des Körpers. Die Experten gehen überwiegend davon aus, dass Ekel angeboren ist – auch vor dem Hintergrund der Beobachtung, dass sich Kinder bis zum Alter von drei Jahren vor nichts ekeln.

 

Lecker Surströmming?

In Schweden gibt es eine Delikatesse, die bei Ausländern augenblicklich heftige Ekelgefühle bis hin zu Erbrechen auslöst: Surströmming, eine vergorene Fischspeise. Auf Youtube dient das Kosten dieser Konservendosenmahlzeit als Mutprobe – mit einigermaßen theatralischen Reaktionen. Wem so etwas als Partyspaß gefällt, der kann sich auf Ebay ab 11,90 Euro pro Dose mit dieser Spezialität eindecken.

 

Jede Menge Auslöser für Ekel

Bevor Ekel ausgelöst wird, muss die Quelle des Ekels von unseren Sinnesorganen wahrgenommen werden. Das ist übrigens mit allen Sinnen möglich: Der unmittelbarste ist sicher der Geruchssinn – man kann ihn nicht abschalten. Gleiches gilt für den Geschmack-, den Hör- und den Tastsinn. Der Sehsinn löst sozusagen nur aus, wenn die Augen nicht verschlossen werden.

Kerstin Laqua berichtet in ihrer Doktorarbeit "Wahrnehmung und Bewertung Ekel auslösender Sinnesreize" von Ekelwahrnehmungen beim Anhören von Geräuschen, die vom Schwein, von der Toilettenspülung, vom Kauen, Zähneputzen, Naseputzen und Rülpsen stammen. Selbst der Tastsinn kann Ekel auslösen – nicht nur bei Missbrauchsopfern, wenn sie in bedrängende Enge geraten, sondern auch beim Essen: Der erstmalige Genuss von Austern kann bei unerfahrenen Genießern beim Kontakt dieses wabbeligen Lebensmittels mit der Zunge zur sofortigen Schluckhemmung führen.

Laqua sieht neun verschiedene Kategorien von Ekelauslösern:

1. Nahrung, 2. Körperprodukte, 3. Verletzungen des Körpers, 4. Offensichtliche Zeichen von Infektionen, 5. Hygiene, 6. Tiere, 7. Sex, 8. Tod, 9. Sozio-moralische Verstöße.

Darüber hinaus finden sich Berichte über Phobien, bei denen Ekel durch völlig unverfängliche Dinge ausgelöst wird, z. B. durch Knöpfe.

 

Anleitung zum Überwinden von Ekel

Den Ekel überwinden zu können gehört für Pflegekräfte zur beruflichen Qualifikation. Sie sehen sich tagtäglich mit Urin, Kot, Schleim und Erbrochenem konfrontiert und dürfen davor nicht weglaufen. Auf www.pflegen-online.de erhalten sie "4 Tipps die garantiert helfen", damit der Ekel nachlässt. Flaches Atmen und Luftanhalten soll verhindern, dass zu viele ekelerregende Gerüche in die Nase eindringen. Chemische Mittel helfen, unangenehme Gerüche zu überlagern. Das Anlegen eines Mundschutzes stellt eine physische Barriere dar, ist aber nicht unproblematisch, da das Verhältnis zur gepflegten Person darunter leiden kann.

 

Ekel mit Unterhaltungscharakter

Wer sich als Filmemacher einen Namen machen möchte, sollte sich umgehend über den Ekel als Stilmittel informieren. Julian Hanich hat hierzu einen sehr informativen Aufsatz verfasst, der die vielfältigen Möglichkeiten analysiert, Ekel zu erzeugen und damit die Emotionen der Kinobesucher direkt zu beeinflussen.

Wie einfach sich Ekel auslösen lässt, zeigt allein diese Frage: "Würden Sie eine Tasse heißen Eiter trinken?" Probieren Sie es in der nächsten geselligen Runde ruhig einmal aus. Und seien Sie froh, wenn allein die Vorstellung davon als abstoßend empfinden. Denn Ekel erfüllt in jedem Fall die Aufgabe, Sie vor Krankheiten und Verderben zu bewahren.

 

Kontakt zum Autor:
bz@sicherheits-berater.de (Bernd Zimmermann)