Kommentar

Polizeiliche Kriminalstatistik 2018.

© Jonathan Stutz - Fotolia

29.4.2019 (bz) – Im April 2019 stellte der Innenminister die Polizeiliche Kriminalstatistik 2018 vor. Voreilige Schlüsse aus den Daten sollte man sich dabei verkneifen.

 

 

Stets gute Argumente für die Sicherheitswirtschaft. 

Alljährlich ruft die Veröffentlichung der Polizeilichen Kriminalstatistik die Sicherheitswirtschaft auf den Plan. Man kann förmlich die Uhr danach stellen, wann die Ergebnisse, auch die der aktuellen PKS 2018  für Kaufappelle genutzt werden:

Wenn die Einbruchszahlen laut PKS steigen, argumentiert die Industrie damit, wie wichtig doch Sicherheitstechnik ist. Der Appell lautet konsequenter Weise: kaufen! Wenn die Einbruchszahlen dagegen sinken, heißt es, das sei ein Beweis dafür, wie effizient Sicherheitstechnik ist. Der Appell lautet dann ebenfalls: kaufen!

Werbetexter wissen, dass sich diese Argumentation sogar noch bis ins Extreme fortführen ließe, wenn die Anzahl der Straftaten einmal auf den Nullpunkt sinken würde. Dann würde eben auch nur die Sicherheitstechnik garantieren, dass das auch so bliebe. Vergleichbare Argumentationsketten sind nicht nur in Bezug auf Sicherheitstechnik, sondern auch auf Sicherheitsdienstleistungen denkbar. Zu politischen Zwecken sind die Ergebnisse einer jeden PKS ohnehin stets gut geeignet (Stichworte: Ausländer als Täter, zu wenig Polizei usw.).

Das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat als Herausgeber der Erhebung hält sich mit derartigen Interpretationen der Daten zurück. Im PKS-Kapitel "Aussagekraft" gibt es gleich auf Seite 8 den Hinweis, dass die Aussagekraft der Zahlen durch folgende Punkte begrenzt sei:

  1. Das Dunkelfeld
    Gemeint ist damit die der Polizei nicht bekannt gewordene Kriminalität. Beeinflusst wird das Dunkelfeld durch das Anzeigeverhalten der Bevölkerung oder in der Verfolgungsintensität der Polizei.
  2. Einflussfaktoren
    Dazu zählen z. B. auch Änderungen der statistischen Erfassung oder Änderungen im Strafrecht. Auch aktuell gibt es wieder Delikte, die im Straftatenkatalog[ZB1]  der PKD gar nicht mehr aufgeführt werden, z. B.:

    - Vergewaltigung durch Gruppen
    - Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung
    - Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte

    Andere Delikte dagegen sind hinzu neu hinzugekommen, z. B.:

    - Vergewaltigung von widerstandsunfähigen Personen
    - Sportwettbetrug
    - Beschädigung, Zerstörung oder Veränderung von Kulturgut
    - Straftaten nach dem Abfallverbringungsgesetz

    Daneben gibt es auch Straftaten, deren Beschreibungen spezifiziert wurden, z. B. solche gegen die sexuelle Selbstbestimmung - vorzugsweise aber Straftaten, die den Wohnungseinbruchdiebstahl betreffen.
  3. Erfassungs-/Bewertungskriterien
    Hierzu gibt es den Hinweis, dass die PKS auf dem Erkenntnisstand bei Abschluss der polizeilichen Ermittlungen beruht. Der Erkenntnisstand kann jedoch ein anderer sein als der von Staatsanwaltschaft oder Gerichten.

Dass all das die Vergleichbarkeit der jährlichen Straftatenaufkommen nicht leichter macht, liegt auf der Hand. Explizit mit Bezug auf die o. a. Änderungen heißt es z. B. in der PKS:

"Dies hat zur Folge, dass der Vergleich der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung mit den Vorjahren nicht bzw. nur eingeschränkt möglich ist."

Auch die Zahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen in Höhe von 281.628 mit der Charakteristik "Zuwanderer" lässt sich nicht mit dem Vorjahr vergleichen.

Am aussagekräftigsten dürften immer noch die Zahlen mit signifikanten Ausschlägen in die eine oder andere Richtung sein. Hier sind Ausschläge bis fast 40 Prozent möglich (allerdings unter Vorbehalt, man beachte die Sternchen):

Anstiege (mindestens +5,0 %) waren zu verzeichnen bei:

  • Widerstand gegen und tätlicher Angriff auf die Staatsgewalt (+39,9 %) *)
  • Verbreitung pornografischer Schriften (+13,6 %)
  • Straftaten nach dem Arzneimittelgesetz (+8,3 %)
  • Rauschgiftdelikte insgesamt (+6,1 %)
  • Straftaten gegen das Waffengesetz (+5,5 %) 

Rückgänge (mindestens -5,0 %) waren zu verzeichnen bei:

  • Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und sexueller Übergriff im besonders schweren Fall einschl. mit Todesfolge (-18,2 %) **)
  • Wohnungseinbruchdiebstahl (-16,3 %)
  • ausländerrechtlichen Verstößen (-9,3 %)
  • Betrug insgesamt (-7,6 %) ***)
  • Diebstahl insgesamt (-7,5 %)
  • Straßenkriminalität (-6,0 %)
  • Raubdelikten (-5,4 %)

*) bedingte Vergleichbarkeit, siehe Besonderheit "Widerstand gegen und tätlicher Angriff auf die Staatsgewalt", Seite 9.
**) bedingte Vergleichbarkeit, siehe Besonderheit "Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung", Seite 9.
***) bedingte Vergleichbarkeit siehe Besonderheit "Betrugsdelikte", Seite 9.

Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik 2018 Ausgewählte Zahlen im Überblick, Stand: April 2019, V 1.0

Unter dem Strich bleiben laut PKS 2018 1.025.241 Opfer von Kriminalstraftaten zu beklagen, davon 414.147 weibliche und 232.085 nichtdeutsche Opfer. Und auch Straftaten gegen die Umwelt, z. B. durch Gewässerverunreinigung, bleiben in der PKS nicht unerwähnt – und sollen auch hier nicht unerwähnt bleiben:

 

Kontakt zur Redaktion:
bz@sicherheits-berater.de (Bernd Zimmermann)