Versorgungssicherheit

Herausforderung Blackout.

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29.4.2019 – Der Journalist und Fachbuchautor Tobias Greilich hat uns einen Gastbeitrag angeboten, der verschiedene Aspekte des Themas Blackout kurz und bündig beleuchtet.

 

 

Ganz konkrete Folgen für Unternehmen.

 

Blackout-Risiko

Das Szenario eines Blackouts ist in aller Munde. "Der langanhaltende, flächendeckende Stromausfall ist für uns die zentrale Herausforderung, der wir uns gegenübersehen.", sagt etwa der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Christoph Unger. Was aber bedeutet ein Blackout für ein typisches Unternehmen?

 

Infrastrukturausfall

Die beiden wesentlichen Kennzeichen eines Blackouts wurden bereits genannt: dass der Strom langanhaltend und flächendeckend ausfällt. Daraus resultiert insbesondere, dass infolge des Stromausfalls alles ausfällt, was mit Strom versorgt wird, und die gesamte Infrastruktur zum Erliegen kommt – was zu einer nicht mehr oder nur noch beschränkt vorhandenen Funktionalität von Lebensmittel- und Wasserversorgung, Verkehr und Bankwesen, Telekommunikation und Medien sowie staatlicher Verwaltung und öffentlicher Sicherheit führt.

 

Evakuierungsprozess

Voraussetzung aller weiteren Überlegungen ist ein Evakuierungsprozess, der es allen Mitarbeitern und Besuchern unter allen Umständen erlaubt, das Gebäude zu verlassen. Als besondere Herausforderungen können sich dabei je nach örtlichen Gegebenheiten schon elektrische Zutrittskontroll- und Schließsysteme, der Ausfall des Aufzugs und der Notrufmöglichkeiten, gut ausgeschilderte, zugängliche und beleuchtete Fluchtwege sowie das Parkhaus erweisen, in dem mit Dunkelheit, einer ausgefallenen Lüftung und verschlossenen elektrisch betriebenen Toren zu rechnen sein kann.

 

Kontrolliertes Herunterfahren

Eine besondere Schwierigkeit besteht darin, einen Blackout als solchen zu erkennen und von einem kurzfristigen Stromausfall zu unterscheiden. Dann muss es jedoch darum gehen, IT- und sonstige sensible Systeme möglichst kontrolliert herunterzufahren; die nötige Überbrückungszeit kann eine entsprechend dimensionierte Unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV)-Anlage gewährleisten.

{Zusatzinfo des Sicherheits-Berater: Am Besten in Kombination USV mit einer Netzersatzanlage [NEA]. Man beachte, dass oftmals erst nach Stunden erkannt wird, dass die Stromversorgung nicht so schnell wieder zur Verfügung stehen wird. Im Idealfall springt die NEA bereits nach einer individuell zu bestimmenden Karenzzeit an.}

Tobias Greilich
Master of Business Marketing (MBM)
www.tobias-greilich.de

 

Objektsicherheit

Am Ende steht, das Unternehmen zu schließen und zu sichern. Dabei ist zu beachten, dass der Stromausfall auch zum Ausfall sämtlicher stromabhängiger Sicherheitstechnik führt. Alarmanlage, Videoüberwachung, Objektbeleuchtung, elektrische Zutrittssicherungssysteme: Alles, was nicht notstromversorgt ist, fällt aus – selbst elektrische Türen und Rollläden lassen sich im Zweifelsfall nicht mehr schließen und ob der Objektschutz sowie die Notruf- und Service-Leitstellen (NSL) von Wach- und Sicherheitsunternehmen einsatzfähig bleiben, ist unklar. Gleichzeitig nimmt die Bedeutung des Brandschutzes zu.

 

Fragestellung Betriebsfortführung

Die Herausforderungen können aber auch noch weiter reichen. Der Frage einer Betriebsfortführung unter erschwerten Bedingungen sollten zwei Überlegungen vorausgehen: Erstens entsteht den meisten Unternehmen durch eine Schließung bei einem Blackout kein individueller Imageschaden, weil die Problematik überall die gleiche ist. Und zweitens hat ein fortgesetzter Betrieb wirtschaftlich nur dann Sinn, wenn Kunden die erbrachte Leistung nachfragen und in Anspruch nehmen können. Infrage kommen etwa Lebensmittelerzeuger mit Vor-Ort-Verkauf, Arztpraxen und Pflegedienste, bestimmte Handelsunternehmen, Tankstellen oder auch das Gastgewerbe, also Unternehmen, die eine im Krisenfall relevante Leistung erbringen (können), aber keine Kritischen Infrastrukturen (KRITIS) sind – denn für diese gelten noch ganz andere Anforderungen.

 

Herausforderungen

Eine Betriebsfortführung ohne öffentliche Stromversorgung erfordert je nach Geschäftstätigkeit Lösungen beispielsweise für Beleuchtung, Beheizung und Klimatisierung, den Betrieb von Geräten, Maschinen und Anlagen, Telekommunikation und IT einschließlich der Anbindung an externe Rechenzentren, Finanzwesen, Mobilität, Transport und Logistik, aber auch Wasserversorgung und Abwasserentsorgung, Lebensmittel- und Gesundheitsversorgung sowie staatliche Dienste und öffentliche Sicherheit. Für manche Funktionen wie Beleuchtung, Beheizung oder Kühlung werden Produkte angeboten, die als Alternative zum Strom mit anderen Betriebsstoffen (z. B. Gas) arbeiten, für andere ist eine Stromversorgung unerlässlich.

 

Ersatzstromversorgung

Die Anschaffung einer dauerbetriebsfähigen Netzersatzanlage für einen Eventualfall dürfte dennoch ein kaum darstellbarer Kostenfaktor sein. Die Installation einer Photovoltaik (PV)-Anlage hingegen ist für viele Unternehmen schon unter rein betriebswirtschaftlichen Erwägungen von Interesse. Damit sie auch bei einem Stromausfall weiterarbeitet, ist allerdings eine Abtrennung vom öffentlichen Stromnetz erforderlich; die PV-Anlage muss "inselbetriebsfähig" sein. Wird auf diese Weise eine eigene Stromerzeugung im Blackout-Fall gewährleistet, können dadurch auch für eine Betriebsfortführung erforderliche Anwendungen aufrechterhalten werden.

 

Notfallplanung

Es geht aber nicht primär um hohe Investitionen. Zuallererst geht es um die Auseinandersetzung mit der Gefahr eines Blackouts, um organisatorische Maßnahmen, um eine Notfallplanung. Die Lösungen sind dabei für jedes Unternehmen individuell und werden in vielen Fällen auch externe Dienstleister umfassen. Aber es gibt auch allgemeingültige Ansätze, denn es geht besonders um eine Sensibilisierung der Mitarbeiter, um die jeweiligen Aufgaben und Rollen.

 

Persönliche Vorsorge

Ein Aspekt ist dabei allerdings noch zu bedenken: Die meisten Unternehmen haben engagierte und loyale Mitarbeiter, auf die sie zählen können. Doch auch deren Familien zu Hause sind betroffen – und sie werden sich um ihre Angehörigen kümmern wollen. Wenn sie aber erst einmal nach Hause gefahren sind, wird es für sie mit zunehmender Dauer des Blackouts schwerer, ins Unternehmen zurückzukommen. Im Zweifelsfall werden die Mitarbeiter nicht einmal mehr erreichbar sein. Insofern müssen die Vorsorge-Überlegungen des Unternehmens immer auch die persönliche Vorsorge der Mitarbeiter umfassen.

 

Fragen an den Gastautor?:
tobias.greilich@gmx.de oder Tel. 06046 941420

Hinweis der Redaktion:
Wenn Sie der Beitrag dazu animiert hat, sich konkret mit der Verlässlichkeit und Verletzlichkeit Ihrer Stromversorgung auseinanderzusetzen, empfehlen wir Ihnen die Lektüre unseres Schwerpunktheftes "Sichere Energieversorgung", Sicherheits-Berater 5/2019.