Glosse

Beinahunfall mit Biene.

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28.5.2019 – Bei einer Sicherheitsunterweisung durch seinen Arbeitgeber wurde Bernd Zimmermann (bz) aufgefordert, auch Beinahunfälle zu melden. Voilà.

 

  

Auf Bitten der Fasi.

Neulich hatten wir hier eine Sicherheitsunterweisung der von zur Mühlen Gruppe. Dazu gehört auch der TeMedia Verlag, in dem der Sicherheits-Berater erscheint. Die Unterweisung findet einmal im Jahr statt. Da sitzen dann alle im großen Sitzungszimmer, das aus allen Nähten platzt. Der Brandschutzexperte erzählt. Der IT-Leiter erzählt. Die Datenschutzbeauftragte erzählt. Die Fachkraft für Arbeitssicherheit (Fasi) erzählt. Der Sicherheitsbeauftragte erzählt. Alle sagen, was wir nicht tun dürfen. Zum Beispiel: seltsame E-Mails öffnen. Adressen von Korrespondenzen ohne ausdrückliche Genehmigung der Adressgeber verwalten. USB-Sticks verwenden. Die Eingangstür einfach offenstehen lassen. Fremde ohne Geleit ins Haus hineinlassen. Vertrauliche Dokumente auf dem Schreibtisch offen liegen lassen. Brandlasten auf dem Flur herumstehen lassen. Den Evakuierungstestalarm einfach ignorieren. Also alles Anweisungen, die man sich im Grunde gut merken und auf die man sich einigen kann.

Eine Anweisung – wir mussten sogar unterschreiben, dass wir alle angehört haben – beeindruckte mich besonders: Die frisch gebackene Fachkraft für Arbeitssicherheit forderte dazu auf, auch Beinahe-Unfälle zu melden. So würden potenzielle Gefahrenquellen besser erkannt und könnten dann abgestellt werden.

Das war der Moment, wo ich mich gefragt habe, ob ich überhaupt noch zum Arbeiten komme. Als Redakteur, der den lieben langen Tag über mit Storys von Sicherheitsrisiken konfrontiert wird, bin ich förmlich umgeben von Beinahe-Unfällen und Unfallrisiken. Wie gestern, als sich bei gekipptem Fenster eine Hummel (oder war’s eine Biene oder Wespe oder Hornisse, man kennt die Viecher ja kaum noch) in mein Büro hineinverirrte. Ich bin natürlich instinktiv erstmal aus dem Büro raus. Man hört ja immer wieder von allergischen Schocks und laienhaft durchgeführten Luftröhrenschnitten mit tödlichem Ausgang. In dem Buch eines Terrorexperten, das ich einmal rezensiert hatte, stand sogar schwarz auf weiß, dass man sich bei einem Terroranschlag zu allererst einmal selbst in Sicherheit bringen soll. Hört sich komplett logisch an. Funktioniert jedoch nicht, wenn man von Damen umgeben ist. Die lesen solche Horrorbücher nicht. Die Kollegin aus dem links benachbarten Büro tapste jedenfalls gleich unter dem Hummelmonster hindurch bis zum Fenster, um es weitestgehend zu öffnen. Die Kollegin von der rechten rückte an, um meine Tageslichtlampen im Büro auszuschalten.

Die Beinahunfallsursache entfleuchte sogleich wieder aus dem Fenster. Das hätte alles auch ganz anders ausgehen können – wie gesagt, Halsstich, Luftröhrenschnitt mit dem Küchenmesser, Mund-zu-Mund-Beatmung, Notarzt, wahlweise Bestattungsmercedes! Das melde ich jetzt sofort dem neu ernannten Fasi-Kollegen. Der freut sich bestimmt – jedenfalls hatte er hochmotiviert auf mich gewirkt. Ich bin mal gespannt auf die Maßnahmen, die er zu Verhinderung weiterer Beinahe-Unfälle dieser Art ergreifen wird. Über Insektensprays als geeignete Präventionsmaßnahme hatte er ja schon sinniert. Das geht bestimmt noch eindrucksvoller.

Gestern hätte ich übrigens auf dem Firmenparkplatz um ein Haar den Wagen des Chefs gerammt. Der steht immer hinter einer Kurve so mitten im Weg …

 

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bz@sicherheits-berater.de (Bernd Zimmermann)