Opferschutz

Mit Beweis-App das Stalking stoppen.

Bildquelle: WEISSER RING Stiftung

31.7.2019 (ri) – Die WEISSER RING Stiftung fördert die Hilfe für Opfer von Straftaten, jetzt bietet sie Stalkingopfern eine kostenlose Stalking-Tagebuch App. Redaktionsmitglied Christoph Riedel stellt sie vor.

 

 

Wichtige Foto-, Video- und Sprachaufnahmen für die Polizei.

20.000 Anzeigen, lediglich 283 Verurteilungen und eine Dunkelziffer von bis zu 600.000 Fällen jährlich. Diese Zahlen nennt der bundesweit tätige Opferhilfeverein bezüglich Stalkingopfern. Und es sind Zahlen, die Angst machen. Ein Problem bei der Verurteilung von Tätern ist die schlecht umsetzbare Beweisführung: Was ist wann passiert und inwiefern ist das dokumentiert? Die bisher umgesetzte Praxis mit dem Ausfüllen von Fragebögen bei der Polizei, im besten Falle auf der Grundlage privater Tagebücher, macht es schwierig für die Betroffenen, verwertbare Beweise für den Straftatbestand des Stalking zu liefern.

Doch das soll sich jetzt ändern, die WEISSER RING Stiftung hat eine App konzipiert und entwickelt (in Zusammenarbeit mit der Polizei und Fachexperten aus der Opferhilfe und der Psychologie), die Stalkingopfer dabei unterstützt, beweisfeste Informationen zu sammeln. Die "NO STALK App" sichert Daten, die das Stalking belegen: Mit der App können Betroffene Textnachrichten verfassen, Sprachmemos aufnehmen und Fotos oder Videos von Stalking-Handlungen erstellen. Auch ein Screenshot von beispielsweise dem Anrufprotokoll oder von WhatsApp-Chats ist möglich. Betroffene können alle diese Daten dann kommentieren, z. B. wenn Angaben zu Zeugen vorhanden sind. Die Daten werden mit einem Zeit- und Ortsstempel versehen, verschlüsselt und in einem sicheren Rechenzentrum in Deutschland gespeichert. Die Daten liegen also nicht auf dem Telefon selbst. In der Cloud werden die Daten chronologisch geordnet und sind zu Beweiszwecken abrufbar. Über einen Benutzeraccount und einen persönlichen Schlüssel können die Daten dann bei der Polizei vorgespielt oder heruntergeladen werden.

Die App ist so gut angekommen, dass sogar die Jury der "Google Impact Challenge" die App in der Kategorie "Leuchtturm-Projekte" als einen von zehn Gewinnern ausgewählt hat.

Bildquelle: WEISSER RING

Bedenken wegen des Datenschutzes und der Zulassung als Beweismittel muss es keine geben - nach Aussage der Projektverantwortlichen, Frau Brigitta Brüning-Bibo, liegt ein Rechtsgutachten der Uni Tübingen vor. Darüber hinaus befinden sich die App und die gleichnamige Website zur Zeit im Prozess einer TÜV-Zertifizierung hinsichtlich Datenschutz, Datensicherheit und Usability. Die Zertifizierung soll in Kürze erfolgen.

Für den Nutzer selbst entstehen keinerlei Kosten neben denen für die Datenverbindung. Die App ist kostenlos herunterladbar im Google Play Store oder dem App Store von Apple. Sämtliche Kosten für Entwicklung, Aktualisierung und Datenspeicherung trägt die WEISSER RING Stiftung.

Von den Seiten der App (https://nostalk.de) kann ein Benutzerhandbuch heruntergeladen werden, das in sehr einfachen Schritten erklärt, was die App kann und wie diese eingerichtet wird. Gerade junge Menschen sollten damit keine Probleme haben. Weitere Features sind unter anderem ein automatisierter Polizeinotruf oder ein Alarmtonbutton, um im Notfall auf sich aufmerksam zu machen.

Mit dem verbundenen Preisgeld der Google Impact Challenge in Höhe von 250.000 Euro konnte viel erreicht werden - dass das auf Dauer jedoch nicht ausreicht, dürfte klar sein. Wir erlauben uns an dieser Stelle deshalb noch einmal den Hinweis, dass sich die WEISSER RING Stiftung auch über Spenden finanziert.

 

Kontakt zum Autor:
ri@vzm.de (Christoph Riedel)