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29.8.2019 – Früher waren nur Knackis und Seeleute tätowiert. Heute dagegen 20 Prozent der Bevölkerung. Höchste Zeit, einmal über die gesundheitlichen Risiken nachzudenken.

 

 

Auf Pigmentsuche bei tätowierten Leichen.

Seit sich das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) berufen fühlt, sich dem Thema Tätowierung als Schwerpunkt seines Wissenschaftsmagazins "BfR2Go" zu widmen, darf auch Sicherheits-Berater direkt dieses sicher heiß diskutierte Thema nicht mehr vernachlässigen. Das BfR sieht die folgenden unerwünschten Gefahren der Tätowierungen:

  1. Beim Anbringen des Tattoos können durch mangelnde Hygiene Infektionen der Haut entstehen.
  2. Die Inhaltsstoffe der Tätowiermittel können Allergien und andere Beschwerden auslösen.
  3. Eine krebserzeugende Wirkung wird, so das BfR, ebenfalls diskutiert.
  4. UV-Strahlen (z. B. der Sonne) oder Laserstrahlen (bei der Entfernung von Tattoos) können die Pigmente verändern und riskant sein.
  5. Für viele Tätowiermittel fehlen wissenschaftliche Daten für eine Sicherheitsbewertung.
  6. Langzeitwirkungen sind ebenfalls noch nicht erforscht.

Aus Tierversuchen und Untersuchungen des BfR an verstorbenen Tätowierten weiß man, dass die Pigmente der Tätowiermittel zum Teil wieder aus der Haut verschwinden und sich in Lymphknoten anreichern. Weitere Forschungsergebnisse der BfR-Nachwuchsgruppe Tätowiermittel-Forschung unter Leitung von Dr. Ines Schreiver sind zu erwarten.

Die Verbraucherzentrale empfiehlt folgenden Risikogruppen, sich keine Tattoos stechen zu lassen:

  1. Schwangeren oder Patienten, die Antibiotika oder immunschwächende Medikamente einnehmen
  2. Menschen mit Herzerkrankungen, Diabetes oder Blutgerinnungsstörungen
  3. Menschen, die zu Allergien, Ekzemen oder offenen Wunden neigen
  4. Personen mit einer Nickel-Allergie.

Neben den beiden genannten Informationsquellen ist auch die Webadresse www.safer-tattoo.de der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung besonders zu empfehlen. Hier erhalten auch diejenigen, die sich durch Warnungen nicht davon abbringen lassen wollen, sich ein Tattoo stechen zu lassen, wertvolle Sicherheitshinweise. Dazu zählen:

  1. eine Checkliste zur Auswahl eines Tattoostudios
  2. eine Checkliste mit sinnvollen Maßnahmen, die man vor dem Besuchstermin im Tattoostudio ergreifen sollte
  3. zwei Checklisten zur Pflege eines Tattoos

Ganz gleich, wie originell oder ästhetisch ein Tattoo wirken mag, steht fest, dass man seinem Körper in gesundheitlicher Hinsicht nichts Gutes tut. Denn:

"Die Pigmente werden vom Körper als Verunreinigung wahrgenommen, und der kann damit nichts weiter anfangen, außer zu versuchen, diese Verunreinigung irgendwie zu entfernen. In den Lymphknoten kann das im Extremfall zu Vergrößerungen oder Entzündungen führen."

Prof. Andreas Luch vom BfR, der beim BfR Leichen obduziert, um deren Tattoos zu untersuchen (zitiert nach Bayern Radio).

Laut der neuesten BfR-Pressemitteilung vom 27. August 2019 soll jetzt zudem der Nachweis erbracht worden sein, dass sich auch Mikro- und Nanoteilchen aus Metall in der Haut und in den Lymphknoten ablagern. Diese Metallteilchen stammen demnach von der Tätowiernadel und werden unter Gebrauch abgeschliffen. Die diesem zugrunde liegende Studie (in englischer Sprache) wurde auf der Seite des Wissenschaftsjournals "Particle and Fibre Toxicology" publiziert.

 

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bz@sicherheits-berater.de (Bernd Zimmermann)