Interview

Wie Sie Radon in Gebäuden messen können.

© Francesco Scatena - Adobe Stock

26.9.2019 - Im letzten Sicherheits-Berater direkt haben wir das Bundesamt für Stahlenschutz zitiert, das vor der Radongefahr in Gebäuden warnt. Dazu heute ein Interview mit dem Radon-Sachverständigen Dr. Joachim Kemski (jk), der dieses unsichtbare Gas aufspüren kann.

 

"Es gibt natürlich keinen Nullwert."

Der Geowissenschaftler Dr. Joachim Kemski ist öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger – für Radon sogar der einzige in Deutschland. Er betreibt ein Sachverständigenbüro in Bonn (www.kemski-bonn.de), berät gleichermaßen Wirtschaft, Verwaltung und Privatkunden und gilt als einer der profundesten Radonexperten. Sein Büro ist mit der Planung, Organisation und Durchführung der Raumluftmesskampagne des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) beauftragt.

Dr. Joachim Kemski (links) erläutert mir das Wirkprinzip eines Radonmessgerätes.
Bildquelle: gg/TeMedia GmbH

bz: Ich vermute, dass Sie die kürzlich wieder erfolgten Warnungen des Bundesamtes für Strahlenschutz, über die wir in der letzten Ausgabe berichtet haben, bestätigen können? Haben die sich auf Ihr Geschäft ausgewirkt?

jk: Selbstverständlich kann ich die Informationen über Radon, die vom BfS kommen, bestätigen. Zurzeit sind wir ja an der aktuellen Studie des BfS zur Radonbelastung in Wohnräumen beteiligt und stellen die Logistik bereit, die es braucht, um in 6.000 zufällig ausgewählten Wohnungen in ganz Deutschland je zwei Radon-Messgeräte aufzustellen. Das BfS verweist auf uns bzw. unsere Webseite, wo Sie das Anmeldeformular zur Teilnahme an der Studie vorfinden.

bz: Kann ich an dieser kostenlosen Radonmessung noch teilnehmen?

jk: Ja, bis Ende November ist das noch möglich. Das heißt, Sie können sich anmelden – danach erfolgt dann eine Sichtung aller Anmeldungen inklusive eine Auswahl der Teilnehmer durch uns.

bz: Wie kommt man auf die Idee, ausgerechnet Radonmessgeräte zu vertreiben?

jk: Das war mehr oder weniger Zufall. Ich studierte Geowissenschaft und habe mich an der Uni schon mit Bodenluft beschäftigt, speziell eben mit der Radonkonzentration. Irgendwann kam dann der Punkt, wo ich wissen wollte, wie es denn wohl im Hause, in Gebäuden also, aussieht und wie man das wohl am besten messen kann.

bz: Sie haben ein paar Messgeräte mitgebracht. Was kostet mich eine Messung als Privatmann? Und wie funktioniert das eigentlich?

 
Eingeschweißtes Messgerät

jk: Zwei passive Messgeräte kosten 55,90 Euro. Damit sind der Versand, die Geräte selbst, der Rückversand und die Laborauswertung bereits enthalten. Die Geräte sind in einer Plastikfolie verschweißt. In dem Moment, wenn Sie die Folie öffnen, beginnt die Messung. Dazu legen Sie das Gerät in Ihrer Wohnung aus. Einzelheiten dazu finden Sie auf meiner Webseite. Jedenfalls gelangt dann Luft ins Geräteinnere. Den Messvorgang selbst kann man mit der Belichtung des Negativs in einer analogen Kamera vergleichen.

bz: Können wir dieses Teil einmal auseinanderbauen und hineinschauen?

Deckel abgenommen - der Sensor liegt frei
Entnommener Sensor

jk: Gern, aber nur mit dem Hinweis, dass das zu Demonstrationszwecken geschieht. Wer es zu Messzwecken aufstellt, darf das natürlich nicht nachmachen, weil das Messergebnis augenblicklich verfälscht würde. Wir sehen jetzt also, dass sich statt des Films ein kleines Plastikplättchen im Gerät befindet, der eigentliche Detektor von der Größe eines Fingernagels.

Die Alpha-Teilchen, die beim Radonzerfall entstehen, erzeugen im Detektor kleine Spuren, die man sich als Löcher vorstellen kann und die automatisiert im Labor auswertet werden. Das heißt, ein Mikroskop zählt die Anzahl dieser Löcher. Natürlich müssen Sie uns mitteilen, wie lange das Gerät ohne Folie im Einsatz war bzw. wie lange also der Detektor der Luft ausgesetzt war – im Idealfall ein ganzes Jahr lang. Wir benötigen also zwingend den Messzeitraum, um die Berechnung der Radonraumluftkonzentration durchführen zu können. Übrigens werden wir oft gefragt, ob diese kleinen Messegeräte selbst strahlen. Die Antwort lautet: Natürlich nicht, es handelt sich dabei um Passivsammler ohne jede Elektronik.

bz: Wie weit verbreitet ist das Wissen um die Radongefahr in der Bevölkerung?

jk: Dazu fehlen mir belastbare Daten. Ich kann aber sagen, dass in letzter Zeit die Nachfrage nach Messungen und auch unseren Consultingangeboten zunimmt. Die Nachfrage nach den einfach bedienbaren Messgeräten stammt ganz offenbar vorrangig von Menschen, die für Umweltfragen sensibilisiert sind – und von Familien mit Kindern.

bz: Ihre Messgeräte wurden bereits bei Zehntausenden Luftmessungen in ganz Deutschland eingesetzt. Und Sie kennen die Ergebnisse. Waren die positiv im medizinischen Sinne, war also die Radonbelastung zu hoch?

jk: Eine große Zahl von Messwerten lag im akzeptablen Bereich. Aber es gibt immer wieder Ausreißer, auch in Gegenden oder in Gebäuden, in denen man es nicht unbedingt erwartet hätte. Radon ist ja ein natürlich vorkommendes Gas, dem man überall, nicht nur in Gebäuden, sondern auch im Freien, ausgesetzt ist. Natürlich kann es ab einer bestimmten Konzentration innerhalb von Gebäuden gesundheitsgefährdend werden. Es muss selbst bei nachgewiesen erhöhten Werten aber niemand gleich aus der Wohnung ausziehen oder aus dem Büro flüchten oder das Haus verkaufen. Aber man sollte baulich-technische Maßnahmen zur Reduzierung der Radonkonzentration ergreifen. Lüften, wie Sie das ja auch in Ihrem Beitrag geschrieben haben, ist immer gut. Dauerhaft können Sie erhöhte Werte aber dadurch nicht auf ein akzeptables Niveau absenken. Existieren entsprechende Eintrittspfade für Radon, steigen die Werte langsam, aber sicher, wieder an, sobald Sie die Fenster schließen. Im Übrigen können Sie natürlich durch Lüften niemals einen Nullwert erreichen, aus dem einfachen Grund, weil die Radonkonzentration bereits in der Außenluft mindestens zwischen 10 und 30 Becquerel pro Kubikmeter beträgt.

bz: Sind die Messergebnisse eigentlich gerichtsfest? Könnte ich meinen Vermieter mit dem schriftlichen Messergebnis in der Hand beeindrucken?

jk: Gute Frage – vor Jahren gab es tatsächlich Streitfälle vor Gericht, weil Kläger Mietminderung wegen zu hoher Radonkonzentration geltend machen wollten. Vor Gericht werden dann zur Klärung der Frage Gutachter wie ich befragt. Schließlich sind die Messgeräte ja nicht manipulationssicher – im Zweifelsfall entscheidet also das Gericht. Aber vorab in Eigenregie eine Messung durchzuführen, ist schon einmal eine gute Ausgangslage. Sie können ja die Messung selbst auch extern durchführen lassen. Das erhöht Ihre Glaubwürdigkeit. Außerdem können wir zum Beispiel noch mit deutlich aufwendigeren, empfindlicheren und aussagekräftigeren Messgeräten die Radonkonzentration in der Luft feststellen. Das kommt dann allerdings im Normalfall nur für große Auftraggeber, z. B. Konzerne oder Behörden, in Frage. Sie müssen uns sozusagen einfach nur sagen, was Sie wollen.

bz: Bieten Sie neben der Radonmessung auch baulich-technische Hilfestellung an?

jk: In der Hauptsache verstehe ich mich als Berater. Unser Büro macht Consulting und wir erstellen Gutachten. Die Durchführung empfohlener Baumaßnahmen hat stets durch Fachfirmen zu erfolgen. Der Verkauf von Messgeräten und Messdienstleistungen ist nur ein kleiner Teil unseres Angebotes.

bz: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Dr. Kemski.

Lesen Sie auch unseren Beitrag in Ausgabe 8/2019, der über die Lungenkrebsgefahr, die von Radon ausgeht, informiert.

 

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