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31.10.19 (bz) – Wetterexperte Kachelmann hält Kaminöfen für größere Luftverschmutzer als Dieselautos. Betreiber solcher Feuerstellen schaden sich selbst und anderen.

 

 

"Holzöfen ( ... ) machen doof!"

Soll man es Aufklärungskampagne nennen oder Anti-Kaminofen-Feldzug? Der prominente Wetterexperte Jörg Kachelmann setzt sich vehement für ein Verbot von Holz- und Kaminöfen ein. Dabei ist er nicht zimperlich in seiner Wortwahl:

 

Quelle: Twitter 

Bis zum Beweis des Gegenteils stehen seine Thesen, die er u. a. als Kolumnist auf t-online.de vertritt, wie eine Anklage an Holzöfenbesitzer, -hersteller und Politik im Raum. Die Holzofenverfeuerung 

  1. bringe eine katastrophale Feinstaubbelastung,
  2. sei im Vergleich zur Diskussion um Stickoxid-Grenzwerte und Diesel hoffnungslos unterbewertet,
  3. bzw. deren Emissionen würden von Luftmessstationen nicht erfasst, weil diese meist in der Nähe von extremen Straßen- und Industriestandorten ständen,
  4. schade vor allem nachts, wenn Menschen schlafen und das Fenster geöffnet hätten,
  5. lasse schlafende Menschen Staubwerte einatmen, wie es sie seit den 60ern/70ern nicht mehr gegeben habe,
  6. werde zunehmend vom gehobenen Mittelstand als Lifestyle-Gadget entdeckt und erzeuge dadurch Feinstaubimmissionen in Rekordhöhe,
  7. sei ganz und gar nicht ökologisch oder nachhaltig. Entsprechende Aussagen bezeichnet er als "Holzofen-Lüge".

Kurzum, die Holzverfeuerung sei eine Katastrophe, die trotz bekannter Feinstaubfolgen noch durch Steuergelder (www.bafa-föderung.de) gefördert werde. Im Umfeld eines Kaminofens entstehe ein "Klein-Seveso", in dem auch noch aller mögliche Müll verbrannt werde:

Quelle: Twitter 

Die schnippische Aussage in dem Twitterzitat weiter oben, Holzöfen machten doof, begründet Kachelmann übrigens mit Verweis auf eine Untersuchung in Schweden. Demnach soll ein Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Demenzerkrankungen nachweisbar sein. 

Ob Kachelmann, der bisweilen gern einmal ins Unhöfliche abgleitet (Journalisten mag er offenbar nicht, er verbreitet den Hashtag #Vollpfostenjournalismus), mit seiner Aufklärungskampagne Erfolg haben wird, wird sich zeigen. Der Autor dieses Beitrags hält es für einigermaßen unwahrscheinlich, dass sich Kaminofenbesitzer davon abhalten lassen, ihrem Behaglichkeitsverlangen und ihrem Eigennutz zu frönen. 

Quelle: Twitter

Es sei denn, man macht ihnen klar, dass sie Gefahr laufen, sich selbst zu schaden. Und zwar in ihrem direkten Wohnumfeld, wie Spektrum-Redakteur Lars Fischer zu bedenken gibt: 

"Die meisten Modelle (Anm.: Gemeint sind Holzöfen) geben einen erheblichen Anteil ihrer giftigen Feinstäube an die Raumluft ab, sodass die Verursacher der Verschmutzung ihren gerechten Anteil der krebserregenden Chemikalien selbst abkriegen." 

Da nutzt es auch nichts, wenn die Feuerstelle hinter feuerfestem Glas liegt. Ein vom Bayerischen Rundfunk befragter Feinstaubexperte misst zum Teil immense Feinstaubwerte im Innenraum: 

"Der Ofen ist nicht ganz dicht und damit kommen die Werte auch in den Raum hinein. Bei modernen teuren Öfen kommt das gleiche Problem – nur verzögert ( ... ), dass die Dichtung nicht mehr ausreicht."
(ab 28:00 im Video) 

Was für Holzöfen gilt, trifft übrigens auch auf Gasthermen oder Heizungsanlagen und alle Feuerstätten zu: Es kann nicht schaden, den Gehalt an giftigem Kohlenmoxid (CO) in der Raumluft vorsorglich zu detektieren. Dazu bietet die Industrie spezielle CO-Melder an (bitte nicht zu verwechseln mit Rauchwarnmeldern). Damit ist den Zeitgenossen in der Nachbarschaft jedoch noch nicht geholfen ...

 

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