Interview

Risikowahrnehmung auf Großveranstaltungen.

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27.11.2019 – Denisa Palikarova (dp) studiert an der Technischen Hochschule Brandenburg (THB) im Masterstudiengang Security Management. Bernd Zimmermann sprach mit ihr über ihr Studium und ihre Bachelorarbeit.

 

"Angst vor Chaos und Panik an erster Stelle."

bz: Frau Palikarova, bevor Sie kürzlich an die THB gingen, haben Sie im Studiengang Sicherheitsmanagement Ihre Bachelorarbeit an der Hochschule für Wirtschaft und Recht sehr erfolgreich verteidigt. Herzlichen Glückwunsch! Bevor wir zu dem interessanten Inhalt kommen: Mir ist ihr auffallend guter Schreibstil aufgefallen. Kompliment also auch dafür!

dp: Vielen Dank, dieses Lob freut mich besonders. Ich bin erst vor 14 Jahren, also mit zehn Jahren, mit meinen Eltern aus Bulgarien nach Deutschland gekommen und habe hier noch die letzten Grundschulklassen absolviert, musste die deutsche Sprache bzw. Schriftsprache auch erst einmal richtig erlernen. 

Denisa Palikarova
Masterstudentin bzw. Bachelorabsolventin
im Studiengang Sicherheitsmanagement

bz: Apropos HWR, ich erinnere mich an ein Interview mit dem damaligen Dekan der HWR, Prof. Kuhlmey, war das zufälliger Weise Ihr Dozent?

dp: Prof. Kuhlmey war sogar im Prüferkolloqium meiner Bachelorarbeit.

bz: Was hat sie dazu bewogen, ausgerechnet Sicherheitsmanagement zu studieren?

dp: Ich hatte eigentlich nach dem Abitur keinen Favoriten bei der Wahl eines Studiengangs. Ich besaß auch keine besondere Affinität zum Sicherheitsthema. Ich wusste gar nicht so genau, was überhaupt  als Studienfach für mich in Frage kommt. Ich hatte nur regelrecht Angst davor, mich zu früh festlegen zu müssen in Bezug auf die spätere Berufswahl. Als ich dann auf den Studiengang Sicherheitsmanagement an der HWR stieß, fand ich das Themenangebot gleich attraktiv – nicht zuletzt wegen der breitgefächerten Lerninhalte. Die würden mir bei der Berufswahl sehr viele Optionen eröffnen.

bz: Hat sich Ihre Prognose denn bestätigt?

dp: Ganz bestimmt. Die Bachelorarbeit hat mir zunächst einmal gezeigt, dass mich das Sicherheitsthema wirklich interessiert, dass ich dazu einen Beitrag leisten kann und auch künftig leisten möchte. Ich habe versucht herauszufinden, ob sich die Risikowahrnehmung auf Großveranstaltungen in den letzten Jahren verändert hat und was  dazu geführt hat. Das hat so viel Spaß gemacht, dass ich noch etwas tiefer in das Thema Sicherheitsmanagement einsteigen möchte. Ich habe mich daher auch für den Masterstudiengang entschieden, den ich jetzt noch draufsattele. Dort werden zukunftsorientierte Themen wie Informationssicherheit, Forensik, Gebäude-, Anlagen- und Personensicherheit, Business Continuity und Krisen-Management, IT- und Cybersecurity und Bankensicherheit gelehrt.

Parallel arbeite ich zurzeit bei der Berliner Sparkasse in der Betriebssicherheit. Das heißt, ich kann dort im Team mit anderen zur Sicherung von Sparkassenfilialen beitragen – zum Beispiel bei unseren jährlichen Sicherheitsbegehungen, bei denen wir von Filiale zu Filiale fahren. Einen eintönigen Arbeitsalltag muss man als Sicherheitsmanagerin bei der Berliner Sparkasse nicht fürchten. Das passt einfach zu mir, wenn es immer wieder Überraschungen und neue Herausforderungen gibt.

bz: Bachelorarbeiten sind ja in der Regel Literaturarbeiten. Was haben Sie denn in der Literatur gefunden über die Risikowahrnehmung des Publikums von Großveranstaltungen?

dp: Bei meiner Arbeit handelte es sich keineswegs um eine reine Literaturarbeit. Sicher habe ich mir zunächst die Literatur zum Thema Großveranstaltungen angeschaut und den Stand der Forschung zusammengefasst. Natürlich gibt es zahlreiche Arbeiten über Risikoanalysen für Großveranstaltungen, auch über Veranstaltungskonzepte und -management. Aber zur Frage, ob sich die Risikowahrnehmung bei Großveranstaltungen in letzter Zeit geändert hat und wenn ja, warum, liegen überraschender Weise noch gar keine Forschungsergebnisse vor. Ich hatte also das Glück, Forschung treiben zu können. Meine Vermutung bzw. These, dass die Risikowahrnehmung spätestens nach den tragischen Unfällen bei der Loveparade in Duisburg gestiegen sein müsste, konnte ich mit Hilfe einer Stichprobenumfrage, einer sogenannten Typenstichprobe,  bestätigen. Ich kann aber auch von einer weiteren Erkenntnis berichten: Während also auf der anderen Seite ein Besuch von Großveranstaltungen als zunehmend riskant erlebt wird, nehmen Besucher doch auch die zunehmend ergriffenen Sicherheitsmaßnahmen bewusst wahr. Das ist ein Paradoxon, das maßgeblich von den Medien mitbeeinflusst wird. Unsere Risikogesellschaft bleibt, da bin ich sicher, auch künftig ein spannendes Thema für Wissenschaftler. Allein die Frage, ob wir nicht immer Risiken ausgesetzt sind und schon immer eine Risikogesellschaft waren, dürfte noch lange Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen sein.

bz: Vor welchem Risiko haben die Menschen denn am meisten Angst?

dp: Risiko ist ein sehr komplexer Begriff. Die Menschen bewerten Risiken sehr unterschiedlich, für einige sind diese auf Großveranstaltungen gestiegen, für andere nicht. Besucher von Großveranstaltungen fürchten Chaos, Panik und oder Massenpanik jedoch am meisten. Darauf folgt die Gefahr von Anschlägen und Terror. Viele fürchten sich aber eben vor Risiken, welche nicht so wahrscheinlich sind wie manch andere. Auf 74,3 Prozent der befragten 70 Personen haben diese Risiken jedoch keinen Einfluss auf ihre Entscheidung, Großveranstaltungen zu besuchen. 82,9 Prozent der befragten Personen nehmen erhöhte Sicherheitsmaßnahmen auf Großveranstaltungen wahr. Im Vergleich zu den letzten Jahren können wir unter dem Strich davon ausgehen, dass die Mehrheit der Bevölkerung sich durch erhöhte Sicherheitsmaßnahmen geschützt fühlt und keine Zunahme an Risiken auf Großveranstaltungen sieht. Der Forschungsbedarf in diesem Gebiet besteht jedoch noch.

bz: Vor dem Hintergrund des Bedarfs vor allem an qualifiziertem Führungspersonal gerade im Sicherheitsbereich müssen Sie sich vermutlich keine Sorgen um einen Job nach dem Studium machen.

dp: Das denke ich auch. Es gibt wohl auch nur wenig akademische Konkurrenz mit dem Master in Security Management. Und als Master kann man in sehr vielen Bereichen den Einstieg finden, im Werkschutz, in der Konzernsicherheit oder zunehmend in der Informationssicherheit oder im Datenschutz. Soweit ich das überblicken kann, geht hier an der HWR und an der THB niemand ohne Job raus.

bz: Vielen Dank für das Gespräch, Frau Palikarova, und weiterhin viel Erfolg!

 

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