Interview

Weiterbildung Gebäudeautomation bei VZM.

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27.11.2019 – Bernd Zimmermann (bz) fragte seinen Redaktionskollegen Christoph Riedel (cr), warum dieser als Dipl.-Ing. eine Weiterbildung zum Fachingenieur Gebäudeautomation VDI absolvierte. Und was das mit dem Thema Sicherheit zu tun hat.

 

Vom Dipl.-Ing. zum VDI-Fachingenieur, wozu?

bz: Christoph, Leser des Sicherheits-Berater kennen Dich als Autor, der regelmäßig Fachbeiträge rund um die Klimatechnik in Gebäuden, vorzugsweise in Rechenzentren, beisteuert, z. B. diesen hier oder diesen:

Und wir wissen aus dem Heft, dass Du Diplom-Ingenieur bist:

Wozu also braucht ein Ingenieur mit Hochschuldiplom noch einen Fachingenieur eines Vereines – selbst wenn es sich um einen so renommierten wie den des Vereins Deutscher Ingenieure e. V. handelt?

cr: Autor für den Sicherheits-Berater sein zu dürfen, ehrt mich natürlich, das weißt Du ja. Aber an erster Stelle in diesem Autorenkasten steht "Sicherheitsberater". Und zwar bei der von zur Mühlen’sche GmbH aus Bonn. Als solcher muss ich natürlich immer auf der Höhe der Zeit sein. Meine Kolleginnen, Kollegen und ich nehmen regelmäßig Fortbildungsangebote wahr, da macht es das Unternehmen uns sehr einfach. Neben dem Fachingenieur Gebäudeautomation VDI habe ich zum Beispiel auch den Security Engineer, BdSI bei der SIMEDIA Akademie erworben. Dieser Weiterbildungsabschluss ist übrigens bei vielen Sicherheitsverantwortlichen der DAX-Unternehmen sehr beliebt. Andere Kollegen im bald vierzigköpfigen Beraterteam haben sich zum Beispiel zusätzlich zu ihrem offiziellen Bildungsabschluss noch als ISMS-Lead-Auditoren weitergebildet. Ich denke, im gesamten Beratungswesen ist permanente Weiterbildung ein unbedingtes Muss. Im Falle Sicherheitsberatung kommt erschwerend hinzu, dass wir es im Sicherheitsbereich ständig mit einer schier unglaublichen Fülle an Regelwerken zu tun haben.

bz: Du schreibst ja auch regelmäßig im Sicherheits-Berater über neue Gesetze, Verordnungen und Regeln rund um Klimatechnik. Wahrscheinlich denkst Du jetzt schon über einen Beitrag zu den Regelwerken im Bereich Gebäudeautomation für unser Heft nach?

cr: Natürlich Bernd, auch in diesem Bereich werde ich unsere Leser künftig auf dem Laufenden halten. Die Motivation für die Weiterbildung war jedoch eine andere. Die Gebäudeautomation kann man als Intelligenz des Gebäudes betrachten. Gebäudeautomation wird bei allen Projekten und Aufgabenstellungen gebraucht, also in der Industrie, der Verwaltung, in den Rechenzentren, Leitstellen und anderen Bereichen, wird aber sehr oft zu wenig und stiefmütterlich betrachtet. Warum? Weil sich keiner so richtig damit auskennt und sich niemand so richtig da ran traut. Deshalb ist die Qualifikation wichtig, um technische Anlagen und Systeme sinnvoll zu vernetzen.

Dipl.-Ing. Christoph Riedel (rechts) und Bernd Zimmermann
Bildquelle: TeMedia Verlags GmbH

bz: Unsere Leser werden sich fragen, was Gebäudeautomation mit dem Thema Sicherheit zu tun hat. Auch der Zusammenhang zwischen Deinem Ingenieursstudium als Energie- und Umwelttechniker, der Fortbildung zum Fachingenieur Gebäudeautomation und einer Sicherheitsberatung ist einigermaßen erklärungsbedürftig.

cr: Sicherheitsberatung ist Unternehmensberatung. Um einmal ein Beispiel zu nennen, das jedem einleuchten dürfte: Die Spezialgebiete GMS, Gefahrenmanagementsysteme, GLT,  Gebäudeleittechnik, und die TGA, Technische Gebäudeausrüstung, sind für Industrie, Verwaltung, Rechenzentren und Leitstellen überlebenswichtig, weil solche Anlagen hochverfügbar sein müssen. Da darf nichts schief gehen. Deshalb sorgen Gefahrenmanagementsysteme für einen reibungslosen Ablauf der Sicherheitstechnik (z. B. Videoüberwachung oder Brandmeldetechnik). Die Gebäudeleittechnik – heute auch Gebäudeautomation genannt – muss gewährleisten, dass die TGA-Anlagen (z. B. Heizung, Klima, Lüftung) zuverlässig funktionieren. Und dabei möchten wir nicht einzelne Insellösungen haben, sondern idealerweise eine Gesamtlösung unter systemischer Betrachtung aller Gewerke. Das alles zusammen ist also ein lupenreines Querschnittsthema, bei dem Du alles, was an Fachwissen zu haben ist, gebrauchen kannst.

bz: Das klingt jetzt sehr komplex. Ich weiß, dass Du als Autor des Sicherheits-Berater bestimmt noch ein noch einfacheres und anschaulicheres Beispiel bringen kannst für den Zusammenhang zwischen der Gebäudeautomation und Sicherheit.

cr: Gerne. Ein ganz einfaches Beispiel. Nehmen wir einen Brand in einem Gebäude. Hast du schon einmal von einer Brandfallsteuermatrix gehört?

bz: Dazu hatten wir schon den einen oder anderen Beitrag im Sicherheits-Berater. Aber nicht so oft.

cr: Nun, eine Brandfallsteuermatrix bestimmt, wie sich technische Anlagen und Komponenten in einem Brandfall zu verhalten haben. Die Lüftungsanlage könnte zum Beispiel die Brandschutzklappen schließen oder in den Umluftbetrieb gehen, Fahrstühle fahren normalerweise in das Erdgeschoss und andere Anlagen müssen vielleicht ganz abschalten. Ein Sicherheitsereignis hat also Auswirkungen auf unterschiedlichste Anlagen der TGA.

bz: Wird Deine Expertise mehr im Bereich der technischen Gewerke oder mehr im Bereich der Gefahrenmanagementsysteme nachgefragt?

cr: Kunden beauftragen mich beziehungsweise meinen Arbeitgeber, die VZM Sicherheitsberatung, vor allem, weil sie sich jemanden wünschen, der den Überblick über die Einzelsysteme mitsamt ihren Schnittstellen behält. Das heißt, ich bin Ansprechpartner für die jeweiligen Verantwortlichen dieser Gewerke im Sinne des Bauherrn. Außerdem berate ich natürlich noch zu Fragen der Investitions- und Zukunftssicherheit eines Gebäudes. Dazu gehört die Energieeffizienz der installierten Anlagen in Zusammenhang mit den zukünftigen oder laufenden Betriebskosten ebenso wie mögliche Verbesserungsmaßnahmen. Auch Umnutzungs- oder Ausbaumöglichkeiten gehören dazu - Stichwort Modularität im Rechenzentrum. Berater mit diesem Profil scheint es übrigens nicht so furchtbar viele zu geben. Die Kollegen bei der VDI-Fortbildung, alles studierte Leute übrigens, kamen zum Beispiel überwiegend aus der TGA. Ich war der einzige aus der Sicherheitsberatung.

bz: Zum Glück hast Du bei VZM bzw. in der Redaktion des Sicherheits-Berater noch Kollegen, mit denen Du Dich im Zweifelsfall austauschen kannst. Danke Dir für das Gespräch.

 

Kontakt zum Interviewpartner:
ri@vzm.de (Christoph Riedel)

Kontakt zur Redaktion:
bz@sicherheits-berater.de (Bernd Zimmermann)