Kommentar

Mehr Sicherheit im Straßenverkehr.

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26.2.20 (lr) – Redaktionskollege Lutz Rossa kommentiert das fahrlässige Verhalten seiner Zeitgenossen im Straßenverkehr. Er erinnert dabei an den § 1 der StVO.

 

 

"Seid nett zueinander!"

Als Redaktionsmitglied des Sicherheits-Berater sowie Planer und Berater bin ich viel unterwegs. Beruflich auf dem Weg zur Arbeit meistens mit dem Rad, bei Dienstreisen überwiegend mit Bahn und ÖPNV, aber auch mit dem Pkw. Fußwege nutze ich ebenso. Abseits des beruflichen Umfelds werden dieselben Verkehrsmittel eingesetzt, zuletzt jedoch bewege ich mich auch mit Kinderwagen bzw. mittlerweile mit Kleinkind. Wie auch immer, mir fällt auf, dass sich niemand mehr für Verkehrsregeln, geschweige denn für andere Menschen   interessiert. Nachfolgende Schilderungen möchte ich daher als Appell verstanden wissen, sich den ersten und im Grunde wesentlichsten Paragrafen der Straßenverkehrsordnung wieder ins Gedächtnis zu rufen und so ganz einfach zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr beizutragen. Folgende Grundregeln sind in Paragraf 1 der StVO formuliert:

(1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.

(2) Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.

Lutz Rossa, Redakteur des Sicherheits-Berater

Es spielt keine Rolle, ob ich mit PKW, Rad oder zu Fuß unterwegs bin - ich muss mich ständig über andere Verkehrsteilnehmer beziehungsweise deren Verhalten aufregen. Es wird nicht angezeigt, in welche Richtung gefahren werden soll, scheinbar ist Blinken oder Handzeichen geben nicht en vogue. Radfahrer gefährden sich durch ein solches Verhalten selbst, Autofahrer erzwingen dadurch Unfälle bzw. behindern, da das Verhalten und die Fahrtrichtung durch die anderen Verkehrsteilnehmer nicht eingeschätzt werden kann. Nur marginal besser verhalten sich jene Zeitgenossen, die ihren Fahrtrichtungsanzeiger erst in dem Augenblick setzen, wo sie sich bereits im Abbiegevorgang befinden, sozusagen als zusätzliche Lenkhilfe. Rechtzeitig und Fahrtrichtung anzeigend geht besser. Deswegen lernt man in der Fahrschule auch den Blinker bereits an der 1. Bake vor einer Ausfahrt, mithin 300m vorher, zu setzen.

Ich verweise nochmals auf § 1 StVO: Ich gebe selbst als Fußgänger in bestimmten Situationen Handzeichen. Das kenne ich aus dem Rennradsport, bei dem so in größeren Gruppen auf Gefahren hingewiesen wird. Be predictable! Durch vorhersehbares Verhalten im Straßenverkehr gefährdet man sich selbst und auch andere weniger.

Als Vater muss ich mit meinem Sohn öfters eine relativ stark befahrene Straße an einer Kreuzung passieren. Hier sind zwei sehr gut einsehbare Fußgängerüberwege eingezeichnet. Selbst mit Kleinkind und eindeutig erkennbarer Absicht, den Fußgängerüberweg nutzen zu wollen, brettern Autofahrer ohne zu gucken drüber. Kürzlich hatte es fast gekracht, als ein vorausfahrender Pkw in eine Parklücke einscheren wollte. Fehlende Aufmerksamkeit wegen Handynutzung war der Grund für diesen Beinaheunfall. Mobiltelefon am Ohr, Kopfhörer auf dem Ohr und die Musik so laut, dass die Umwelt nicht mehr wahrgenommen wird ...

Der idealtypische Unfallteilnehmer hört laut Musik, tippt noch schnell eine Nachricht oder checkt Instagram, Twitter und kollidiert mit der Straßenbahn. Letztere kann man auch schnell mal übersehen und überhören. Der Urahn dieser Spezies ist der junge Mann aus der TV-Werbung einer Versicherung, der in eine Lektüre vertieft über die Straße läuft und fast überfahren wird. Werbespruch: "Eine Allianz fürs Leben!" Be attentive! Seien Sie aufmerksam und denken Sie für die anderen Verkehrsteilnehmer mit. Antizipieren Sie das Verhalten der anderen. In der Fahrschule lernte ich den Schulterblick. Inzwischen praktiziere ich ihn für andere Verkehrsteilnehmer gleich mit, vor allem, wenn ich auf dem Rad oder zu Fuß als schwächerer Verkehrsteilnehmer unterwegs bin.

Selbst aufmerksam zu sein hilft jedoch nicht viel, wenn andere Verkehrsteilnehmer versuchen, keine Aufmerksamkeit zu erregen: Täglich erlebe ich in der Stadt, wie Radfahrer ohne Beleuchtung unterwegs sind. Und das selbst im Winter und bei Regen. Hinzu kommt dann meist noch die schwarze Hardshell-Regenjacke. Spricht man diese Mitmenschen freundlich an, kommen oft nur dumme Sprüche zurück. Sie gefährden sich selbst und auch andere. Ähnliches gilt jedoch auch für Jogger, Hundehalter, deren Leinen nicht erkennbar quer über (Rad-)Wege gespannt werden und die glauben, sie wären allein und hätten die öffentlichen Wege gepachtet. Gegenseitige Rücksichtnahme ist und bleibt auch hier die Grundregel der Straßenverkehrsordnung. Gleiches gilt für motorisierte und nicht motorisierte Verkehrsteilnehmer auf Rädern. In anderen Kulturkreisen lernte ich, sich zu grüßen, freundlich miteinander umzugehen und auch mal miteinander zu sprechen. Kommunikation ist ein ganz wichtiges Mittel zum Erreichen von Verkehrssicherheit. Das eingangs angesprochene Setzen des Fahrtrichtungsanzeigers (früher sagte man Blinker) ist ja im Grunde auch ein Kommunikationsmittel, aber auch einmal Danke sagen oder anzeigen. Bei besagtem Fußgängerüberweg mache ich das immer mit Handzeichen. Mein zweijähriger Sohn hat sich das schon abgeschaut und grüßt ebenfalls die Autofahrer, bleibt dabei aber stehen und die gehetzten und gestressten Mitmenschen freut es meistens trotzdem. Bedanken Sie sich, auch wenn Sie auf das Entgegenkommen eines Mitmenschen ohnehin einen gesetzlichen Anspruch gehabt hätten. Grüßen Sie Ihre Mitmenschen und zollen Sie allen Verkehrsteilnehmern Respekt und genügend Freiraum. Vielleicht halten Sie auch einmal mehr als 1,5 Meter Sicherheitsabstand zu Radfahrern. An manchen stürmischen Tagen benötigt ein Radfahrer bisweilen eine ganze Fahrbahnbreite Platz, wenn die Böen heftig sind. Und seien Sie entspannt. Der Zeitgewinn, den man mittels überhöhter Geschwindigkeit, Drängeln und Überfahren roter Ampeln herausholt, ist derart marginal, dass er locker durch die Wartezeit beim Kardiologen wegen hohen, stressbedingten Blutdrucks wieder aufgefressen wird.

 

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lr@vzm.de (Lutz Rossa)