Interview

A wie Architektur, B wie Brandschutz.

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26.3.2020 (bz) – Mona Kamali Novin ist Sicherheitsberaterin mit Hochschulabschluss Architektur. Jetzt wurde sie auch Brandschutzbeauftragte. Bernd Zimmermann (bz) sprach mit der Redaktionskollegin über diese Qualifikationskombi.

 

"Ein Architekturbüro wäre mir zu einseitig."

bz: Du bist Master of Science Architektur, Sicherheitsberaterin, Redaktionskollegin und jetzt auch Brandschutzbeauftragte mit CFPA-Europe-Diplom. Wie passt das alles zusammen?

Mona Kamali Novin
Master of Science Architektur
Sicherheitsberaterin, Redaktionsmitglied

mkn: Da kam eins zum anderen. Als Master of Science Architektur passte mein Bewerbungsprofil recht gut auf eine Stellenausschreibung meines jetzigen Arbeitgebers, die von zur Mühlen’sche GmbH, kurz VZM. Der suchte eine qualifizierte Bewerberin für die Tätigkeit als Sicherheitsberaterin. Anforderung war, dass sie sich mit den Spezialgebieten Brandschutz und bauliche Sicherheit auskennt und bereit ist, sich permanent weiterzubilden. Meine Ausbildung zur Brandschutzbeauftragten CFPA erfolgte dann recht zügig nach Eintritt ins Unternehmen – auch mit dem Ziel, VZM-Kunden, die selbst keinen Brandschutzbeauftragten haben, eine entsprechende externe Hilfe anzubieten. Die Abkürzung steht übrigens für Confederation of Fire Protection Associations. Damit ist es mir möglich, in 20 europäischen Ländern als Brandschutzbeauftragte zu agieren. Voraussetzung sind natürlich Fremdsprachenkenntnisse. Zum Glück spreche ich neben Deutsch auch Englisch und Persisch fließend.

bz: Leser des Sicherheits-Berater kennen Dich bereits als fachkundige Brandschutzautorin. Und als Zeichnerin. Ich nehme für mich in Anspruch, Deine zeichnerischen Qualitäten entdeckt zu haben und für unseren Sicherheits-Berater zu nutzen.

Beitrag von Mona Kamali Novin im Sicherheits-Berater, Heft 23/2019

mkn: Das ist ja eigentlich eine Selbstverständlichkeit für jemanden, der Architektur studiert.

Auszug aus Sicherheits-Berater, Heft 16/2019, Skizze mkn

bz: Unseren Lesern sind Deine Illustrationen und Skizzen schon positiv aufgefallen. Auch Deine erste Karikatur in Heft 5/2020 wurde lobend erwähnt. Der Teufel zählt hoffentlich nicht zu Deinen Kunden?

mkn: Wir haben ausschließlich sympathische und am Allgemeinwohl orientierte Kunden aus irdischen Branchen aller Art. Die beauftragen Brandschutzkonzepte, um ihre Belegschaft, Handelspartner, Gäste und Besucher zu schützen.

bz: Um welche Projekte geht es da?

mkn: Es geht um Projekte aus zwei Komplexen: Wir entwickeln Brandschutzkonzepte für Neubauten und für Bauten im Bestand gleichermaßen. Daneben beraten wir zu Fragen beim anlagentechnischen Brandschutz, beim Brandschutz in der Bauausführung (Qualitätssicherung), führen Härtetests durch, erstellen Brandschutzgutachten und bieten Unterstützung bei der Brandschutzorganisation, insgesamt also ein ganzheitliches Brandschutzmanagement. Wenn ich "wir" sage, meine ich das ganze Brandschutzteam von VZM, also Sicherheitsberater, Brandschutzgutachter, Brandschutzsachverständige und  Fachkräfte zur Planung von Brandmeldeanlagen nach DIN 14675.

bz: Sieht eine beratende Brandschutzbeauftragte, die aus der Architektur kommt, ihr Aufgabengebiet anders als jemand, der z. B. aus dem Ingenieurswesen kommt?

mkn: Ich denke schon. Der Ingenieur ist mit seinen Spezialkenntnissen oft näher dran an der Brandmeldetechnik, der Architekturexperte näher an den baulichen Rahmenbedingungen. Der Ingenieur gibt sich vielleicht schneller damit zufrieden, dass alles gut funktioniert. Ich möchte dagegen, dass es darüber hinaus auch architektonischen Qualitätsansprüchen genügt. Wie auch immer, jeder Brandschutzbeauftragte oder -sachverständige muss den baulichen, anlagentechnischen und organisatorischen Brandschutz ganzheitlich sehen. Wir pflegen hier bei VZM projektübergreifend stets einen regen Erfahrungsaustausch. Tendenziell interessiert sich der Ingenieur aus dem Nachbarbüro also z. B. eher für die Leistungsmerkmale von Detektions-, Alarmierungs- und Brandschutztechnik, ich dagegen sehe den Fokus eher bei der Vereinbarkeit solcher Installationen mit einem anspruchsvolleren Designverständnis und mit der Statik. Dabei geht es dann z. B. um die Frage, ob Brandschottungen realisierbar sind, Kabelkanäle angebaut werden, Hebebühnen nötig sind, um Detektionstechnik warten zu können und, und, und.

bz: Könntest Du bitte noch ein, zwei Beispiele nennen für Berührungspunkte zwischen Architektur und Brandschutz?

mkn: Schon bei der Planung eines Gebäudes zeigen sich solche Berührungspunkte. Denn Brandschutz kann ja auch, als sogenannter baulicher Brandschutz, in die Architektur integriert werden. Das fällt übrigens sofort auf bei sehr alten Gebäuden, die nach einem heute nicht mehr aktuellen Stand der Technik erbaut wurden. Im Rahmen einer Ortsbesichtigung hatten wir es kürzlich z. B. mit einem solchen alten Gemäuer zu tun, bei dem die Brandwand nicht über das Hausdach hinausragte. Es war also – aus heutiger Sicht – nicht nach dem Stand der Technik erbaut worden. Nun kann ich aus architektonischer Sicht prüfen, ob eine solche Mauer nachträglich noch errichtet werden kann. Alternativ kann ich aber auch mit Hilfe der Kollegen deutlich preiswertere Kompensationsmaßnahmen diskutieren, z. B. den Bau von Sprinklern und Brandmeldeanlagen. Im umgekehrten Fall kann ich Brandschutztechnik durch baulichen Brandschutz kompensieren, also z. B. die Bildung von kleinteiligen Brandabschnitten realisieren, sodass ein Brand sich gar nicht erst ausbreiten kann. Wir erhalten fast täglich Fragen von Kunden, die ihren Brandschutz auf den neuesten Stand bringen wollen. Und es gibt nur sehr wenige Antworten, die dem Brandschutz dienen und zugleich komplett frei sind von architektonischen Überlegungen. Darüber hinaus geht seriöse Architektur stets über rein funktionale Fragen hinaus. So kann man natürlich Innenstädte mit Pollern vor anrollenden Fahrzeugen schützen. Man kann deren Schutzfunktion aber auch in attraktiv aussehenden Designmöbeln verpacken.

bz: Deine Antwort lässt darauf schließen, dass Du ziemlich rege interdisziplinär unterwegs bist.

mkn: Das kann ich bestätigen. Ob wir einen Bürgermeister, einen Museumdirektor, einen Großbankenchef, einen Verteidigungsminister oder NGO-Vorsitzenden beraten – das Thema Sicherheit bietet viele Facetten und die Kombination Architektur/Brandschutz ebenfalls. Ich bin froh, dass ich nicht nur Bauzeichnungen in einem Architekturbüro anfertigen muss.

bz: Vielen Dank für das Gespräch, Mona Kamali Novin

 

Kontakt zum Interviewpartner:
mkn@vzm.de (Mona Kamali Novin)

Kontakt zur Redaktion:
bz@sicherheits-berater.de (Bernd Zimmermann)